Bornhausen im Visier der Windkraft-Planer

Zwischen Bornhausen und Mechtshausen sehen die Experten des Zweckverbandes Großraum Braunschweig Potenzial für die Errichtung von Windkraftanlagen. (Foto: Dreiucker/pixelio.de)

Zweckverband Großraum Braunschweig sieht Potenzialflächen für Windräder südwestlich von Bornhausen

Das Gerangel um den Bau von Windkraftanlagen im Stadtgebiet Seesen dürfte mit dem neusten Planungsentwurf des Zweckverbandes Großraum Braunschweig neuen Schwung erfahren. Seit Mitte letzter Woche liegt die neueste „Beurteilung von Potenzialflächen“, wie es im schönsten Amtsdeutsch heißt, vor. Laut den Plänen des Zweckverbandes, die dem „Beobachter“ vorliegen, befinden sich im Bereich südwestlich der Ortschaft Bornhausen und nordwestlich der Stadt Seesen geeignete Flächen für die Errichtung von Windrädern.
Es ist noch gar nicht allzu lange her, dass die Braunschweiger Planer des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) den Unmut der hiesigen Bevölkerung zu spüren bekamen. Damals galt Unterpanshausen bei Rhüden als optimales Gebiet für den Bau der stromerzeugenden Luftquirle. Der massive Widerstand aus der Bevölkerung bewog den Zweckverband letztlich seine Pläne zu überdenken und Unterpanshausen von der Liste der Potenzialflächen zu streichen.
Nun soll sich also die Bornhäuser und Seesener Bevölkerung mit dem Gedanken anfreunden, dass in unmittelbarer Nachbarschaft mittelfristig einige der nachhaltigen Stromerzeuger aufgestellt werden könnten.
Das sich Widerstand formiert dürfte auch den Braunschweiger Raumordnungsexperten schon jetzt klar sein. Denn in ihrem Gutachten stellen sie selber fest, dass sich „im Umkreis von rund zwei Kilometern zur Potenzialfläche mit Mechtshausen, Bornhausen, Bilderlahe und dem nordwestlichen Ortsrand von Seesen vier größere Ortschaften befinden, so dass die Zahl der potenziell betroffenen Anwohner vergleichsweise hoch ist.“ „Nachteile beziehungsweise Beeinträchtigungen“, wie es in dem Gutachten weiter heißt, „können sich aufgrund ihrer ungünstigen Lage zur Potenzialfläche jedoch lediglich für das nordöstlich benachbarte Bornhausen sowie das nordwestlich gelegene Mechtshausen ergeben.“ Mit Beeinträchtigungen meinen die RROP-Planer visuelle Effekte wie Reflexionen oder Schattenwurf, die sich jedoch nur zeitlich begrenzt bei tiefstehender Sonne ergeben würden.
Bornhausen würde es sogar noch härter als Mechtshausen treffen, da dort auch mit Geräuschbelästigungen durch Windkraftanlagen zu rechnen sei. Dies hänge, so die Einschätzung des Zweckverbandes, mit der Lage Bornhausens zusammen, da die Ortschaft „stromabwärts der Hauptwindrichtung“ liegt und somit „stärkere Verdriftungen von Schallemissionen zu erwarten sind“.
Dies wollen die Planer aber nicht als Problem sehen, da die Bornhäuser durch die direkte Nachbarschaft zur A7 in Sachen Geräuschbelästigung schon erheblich vorbelastet sind. Ob die Bornhäuser diese Argumentation als plausibel anerkennen, darf schon jetzt bezweifelt werden.
Und offenbar haben die Raumplaner des Zweckverbandes auch in Bezug auf den Vogelschutz einiges am Beispiel Unterpanshausen gelernt. Seinerzeit war es vor allem der Seesener Tierarzt Dr. Uwe Beyerbach, der vehement gegen die Windkraftanlagen bei Rhüden protestierte. Beyerbach berief sich dabei auf die Flugrouten von Vögeln, die durch den Bau der Windräder empfindlich gestört worden wären.
In der aktuellen Beurteilung schreiben die Planer, dass „für die Potenzialfläche keine Hinweise auf ein Vorkommen beziehungsweise eine Bedeutung für windkraftempfindliche Vogelarten vorliegen.“ Weiter wird das so genannte „Lebensraumpotential“ insbesondere östlich der Nette aufgrund fehlender Gehölze, der intensiven Ackernutzung sowie der massiven Vorbelastung durch Autobahn und Bundesstraße (B 243) als gering eingestuft, so dass „keine Beeinträchtigungen von Brut- oder Rastvögeln anzunehmen sind“.
Und auch beim Eingriff in das Landschaftsbild führen die Raumordnungsexperten die Autobahn als eine Art „Todschlag-Argument“ ins Feld. Im Gutachten heißt es dazu „Das Landschaftsbild auf der Potenzialfläche und in ihrem Nahbereich wird stark technisiert. Jedoch ist die Potenzialfläche selbst weitgehend ausgeräumt und zudem durch die benachbarten Verkehrswege technisch vorbelastet.“ Ferner wirke sich der Autobahnlärm nach Ansicht des Zweckverbandes negativ auf die Erlebbarkeit der Landschaft aus.
Mit Blick auf die Widerstände die sich in Rhüden formierten, als dort Potenzialflächen für Windenergienutzung ausgewiesen wurden, können die Experten des Zweckverbandes schon jetzt mit Kritik rechnen. Die benachbarte Autobahn kann nicht als einziges Argument für die Eignung der Fläche zum Bau von Windrädern ins Feld geführt werden. Dies wird wahrscheinlich bald auch der Zweckverband merken.
Der vollständige Bericht des Zweckverbandes kann im Internet unter http://www.zgb.de/wind/index.shtml abgerufen werden.