Die Gipfelstürmer aus Bornhausen

Geschafft: Jürgen Rademacher, Frank Fuhrmann und Torsten Wagner (von links) auf dem Gipfel des Pisciadù.
 
Schwindelfreiheit und Armkraft waren auf dem Klettersteig gefragt.

Drei Mitglieder des HVV auf Hochgebirgstour / Pisciadù-Klettersteig erwies sich als echte Herausforderung

Bereits seit dem Jahr 2009 sind einige Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) Bornhausen dem „Virus Berg“ verfallen. Drei Jahre lang gingen die schweißtreibenden Bergtouren der Bornhäuser über den weltbekannten Dolomitenhöhenweg 1 in den Südtiroler Alpen.

Im vierten Jahr mussten die HVVler ihre Tour in den Stubaitaler Alpen aufgrund von extremen Schneefällen abbrechen und ihre Wanderung kurzfristig wieder in die Dolomiten verlegen, um dort Teile des Dolomitenhöhenweges 2 zu bewältigen.
In diesem Jahr nun wollten Jürgen Rademacher, Frank Fuhrmann und Torsten Wagner sich nochmals steigern und neben den anstrengenden Weitwanderwegen einige Gipfel über Klettersteige bezwingen.
Mit einer gemütlichen Tour im Grünen haben Klettersteige übrigens rein gar nichts zu tun. Hier gilt es nämlich, hohe Steilwände per Drahtseil, über Leitern oder Eisenstifte zu bewältigen. Oft folgt eine Teilstrecke über klapprige Brücken, während unter einem der Abgrund gähnt.
Die erste Kletterpartie startete nach knapp neunstündiger Anfahrt im bayrischen Mittenwald. Hier bestieg das Bornhäuser Trio die Karwendelbahn, um zur 2244 Meter hohen Bergstation zu gelangen. Von dort aus waren es noch knapp zehn Minuten Gehzeit bis zum Einstieg in den Mittenwalder Klettersteig, der als Klassiker der Bayrischen Alpen gilt und den Schwierigkeitsgrad B/C aufweist. Die gut gesicherte Kletterpartie ging nun über knapp vier Stunden luftig am Grat entlang und bot teils Schwindel erregende Tiefblicke nach Mittenwald und weite Aussichten in das Karwendelgebirge, auf den Wetterstein und die nahen Stubaier Alpen.
Nachdem die Bornhäuser den Steig erfolgreich gemeistert hatten, ging es nochmals für zweieinhalb Stunden stetig bergab, um wieder den Parkplatz zu erreichen. Von hier aus setzten sie die Fahrt fort und kamen gegen 19 Uhr in Mutters, einem kleinen Bergdorf oberhalb von Innsbruck, an.
Am folgenden Morgen war das Ziel dann der Innsbrucker Klettersteig, der weit oberhalb der Dächer der Tiroler Landeshauptstadt über die Spitzen des Karwendelmassivs führt.
Von der Bergstation Hafelekar in 2269 Metern Höhe ging es zunächst zum Einstieg des Kletterssteiges. Diese knapp 25 Meter hohe steile Wand verschaffte den drei Bornhäusern gleich den richtigen Eindruck und machte klar, wieso dieser Klettersteig in die Kategorie mittelschwer bis schwierig eingestuft ist. In westlicher Richtung ging es nun weiter immer stetig am oberen Grad dieses Gebirgszuges entlang. Vorbei an der Geier-Walli-Hütte, über eine fast senkrechte Wand schwierig aufwärts und anschließend weiter zur Seegrubenspitze in 2350 Meter Höhe. Weiter ging es entlang den Seilen über die Östliche-, Mittlere und Westliche Kaminspitze, kurz hinab in eine Scharte und wieder steil hinauf zu einer kleinen und wackeligen Hängebrücke bevor der Gipfel des Kemacher in 2480 Meter Höhe erreicht wurde. Nach knapp sechs Stunden reinsten Klettervergnügens und unzähligen faszinierenden Tiefblicken in das Inntal hatten die HVVler diesen als „eine der lohnendsten Unternehmungen in den gesamten Alpen“ bezeichnete Herausforderung gemeistert. Nun folgte noch ein langer, steiler serpentinenförmig angelegter Abstieg bis zur Höttinger Alm, an der das Trio sich nach insgesamt acht Stunden Geh- und Kletterzeit endlich stärken konnte. Doch auch von hier aus waren es nochmals zwei Stunden stetigen Bergabwanderns über enge Wege und breite Skipisten, bis man endlich bei einsetzender Dunkelheit das Auto an der Talstation erreicht hatte. Nach einem Ruhetag, der zur Besichtigung Innsbrucks genutzt wurde, ging es in die Bergwelt oberhalb Mutters, wo die Bornhäuser eine leichte Wanderung unternommen haben um sich auf den krönenden Abschluss, den Pisciadu-Klettersteig in Südtirol vorzubereiten.
Bei unsicherer Wetterlage ist man dann am nächsten Morgen in Richtung Süden aufgebrochen und knapp zwei Stunden bis zum Grödner Joch gefahren. Der Himmel war einigermaßen klar und es befanden sich auch schon andere Bergsteiger in der Wand, so dass die drei Bornhäuser sich ebenfalls dazu entschlossen, den Klettersteig anzugehen.
Der Pisciadù-Klettersteig ist sicherlich der meistbegangene Steig im gesamten Dolomitenraum. Diese Berühmtheit ist auch berechtigt, denn es bedarf keines langen Zustiegs. Er bietet eine herrliche Kulisse mit tollen Kletterpassagen in mittlerer bis hoher Schwierigkeit und als Highlight eine schwankende Hängebrücke über einem tiefen, klaffenden Abgrund. Nach knapp dreistündiger Kletterei erwartet einen zum Abschluss eine bewirtschaftete Hütte. Vom Parkplatz am Grödnerjoch geht es zunächst zur steilen und langen Einstiegswand. Durch den nahen Wasserfall war der Fels etwas nass, so dass hier besondere Vorsicht geboten war. Über eine gestufte Rampe gelangt man nun zu einem Plateau in der Nähe der Wasserfälle.
Über eine Wand mit Stufen und einen leichten Überhang mit Trittstiften gelangt man zu einer steilen Leiter, die auf einen Absatz führt. Dies war die Schlüsselstelle des Steiges und stellte schon enorme Anforderungen an Schwindelfreiheit und Armkraft. Am Grat des Exnerturms ging es nun weiter zum absoluten Highlight, der Hängebrücke, die einen tiefen Spalt im Rücken des Exnerturms überspannt. Direkt nach dem der Ausstieg erreicht war, begann es leicht zu regnen. Keine Minute zu früh. Nach einer kurzen Rast in der Berghütte erfolgte nun der ebenfalls mit Stahlseilen versicherte Abstieg über das beeindruckende Mittagstal. Er verläuft unter den beeindruckenden Nordwänden des Östlichen Masores, vorbei am Einstieg des Klettersteiges und zurück zum Parkplatz. Am nächsten Tag erfolgte dann die Rückfahrt nach Deutschland. Hier machten die Bornhäuser allerdings noch in Bayrisch-Zell Station und bestiegen den Gipfel des kleinen Traithen in der Nähe des Wendelsteins, bevor es nach einer Woche voller aufregender Bergabenteuer wieder zurück nach Bornhausen ging.