Stinkreicher Graf – bettelarmer Student

Familie Graf versucht, die vermeintliche Baronin zu beeindrucken. Es gibt Champagner vom Butler und Student Jan mimt den Chauffeur. Wenn die feine Gesellschaft doch bloß wüsste, dass die Dame vom Sozialamt kommt, um zu überprüfen, ob Jans Bafög-Antrag berechtigt ist.
 
Wenn die Schildberger Theatergruppe spielt, ist ein volles Haus stets garantiert. Die rund 270 Besucher zeigten sich bei der Premiere vollauf begeistert.

Mit dem Schwank „Der falsche Graf und die Internetbaronin“ hat die Schildberger Theatergruppe die Lacher auf ihrer Seite

Vorhang auf bei der Schildberger Theatergruppe in Bornhausen. Dort ging am Mittwochabend die Premiere der Theatergruppe „Die Schildberger“ über die Bühne.

„Der falsche Graf und die Internetbaronin“ heißt der Schwank in drei Akten, den die Schildberger in den vergangenen Wochen und Monaten einstudiert hatten und in diesen Tagen aufführen. Otto Brodthage, Vorsitzender der Theatermimen und gleichzeitig Akteur im Stück, stellte die handelnden Personen kurz vor und dankte allen, die einmal mehr zum Gelingen beigetragen hatten.
Besonders begrüßte Otto Brodthage Bürgermeister Erik Homann, der anlässlich des 20-jährigen Geburtstages der Theatergruppe im Juni versprochen hatte, sich einmal eine Theateraufführung anschauen zu wollen. „Es gibt tatsächlich noch Politiker, die Wort halten“, befand Brodthage augenzwinkernd mit Blick auf den Besuch des Verwaltungschefs, über den sich die Bornhäuser Theaterfreunde in der Tat freuten.
Dann ging es los und die Gäste sollten in der zum Theaterhaus umfunktionierten Turnhalle aus dem Lachen bald nicht mehr hinaus kommen. Zum Stück: Der arbeitslose Peter Graf (Werner Feldmann) kommt angetrunken von einem Bewerbungsgespräch mit seinem Freund Freddy (Otto Brodthage) nach Hause. Er unterbreitet seiner Frau Jutta (Marion Langer), dass Freddy von seiner Frau Ruth rausgeschmissen wurde und nun bei ihnen einzieht. Darauf hin rät Oma Verona (Karin Brodthage) ihrer Tochter, sofort auszuziehen. Dieses behagt Peters Vater Hugo (Erwin Zimmer), der mit im Haus wohnt, gar nicht, denn wer soll kochen? Auch Sohn und Dauerstudent Jan (Vincent Langer) hat Sorgen. Eine Dame vom Sozialamt soll überprüfen, ob er zu Recht Bafög bezieht.
Im Haus blieben nach dem Auszug Juttas vier Männer ohne Frau und Mittel. Da ist guter Rat teuer. Wenn nicht Peter Graf immer gute Ideen hätte, denn als „Graf“ hat er im Internet eine „Baronin“ kennengelernt. Und so wird das Haus auf den Empfang der scheinbar gut betuchten Dame vorbereitet, aus Opa wird ein Butler, aus dem Kumpel der Sekretär und aus dem Sohn der Chauffeur.
Aber nicht die Baronin ist die Erste die klingelt, es ist die Prüferin vom Sozialamt (Meike Illemann), sehr erstaunt über die außerordentlichen, scheinbar millionenschweren Verhältnisse, wo doch Sohn Jan (Vincent Langer) seit Jahren seine Ausbildungsbeihilfe bezieht. Verwirrt verlässt die Dame des Amtes das Haus. Erst beim nächsten Klingeln fällt Sohn Jan ein: Die Amtsprüfung steht heute an. In Windeseile verwandelt sich die Stadtwohnung des Grafen in eine verarmte Wohngemeinschaft. Opa Hugo wird zum Wasserpfeife rauchenden einäugigem Inder, Freddy zum durchgeknallten Hippie und Peter Graf schlüpft in die Rolle der verwahrlosten Studentenmutter.
Diesmal steht der Schreck auf der Seite der vermeintlichen Baronin (Conny Wunderlich), in der Hippie Freddy seine treulose Angetraute entdeckt. Als dann noch Schwiegermama Verona und Ehefrau Jutta entsetzt in dieses Irrenhaus platzen, bleibt nur noch die hilflose Erklärung: Die Psyche krankt im Kollektiv. Doch keine Sorge: Das Stück hat ein Happyend – die Besucher am Mittwochabend jedenfalls sparten nicht mit Applaus.
Nachdem gestern Abend die zweite Aufführung stattfand, geht es heute und morgen heiter weiter bei den Schildbergern in Bornhausen. Die schlechte Nachricht für alle Theaterfans: Es gibt keinerlei Karten mehr, die Schildberger sind wieder einmal ausverkauft.