Dampfloks faszinieren auch nach über 100 Jahren

Gemütlich schnauft der alte Reichsbahnzug durch das Nettetal.

Reichsbahnzug fuhr wieder durch das Nettetal von Bornum nach Derneburg

Es schnauft, ruckelt und pfeift: Spätestens dann kommt bei den Fans von Dampflokomotiven große Freude auf. Große Augen bekamen am Wochenende auch Lotta und Leo, die mit ihrem Opa Gerhard Zerrenthin auf große Fahrt gingen. Obwohl es für die beiden kleinen Leute nicht der erste Ausflug mit einem Dampfzug war, gab es dennoch jede Menge zu entdecken. Neben dem Rauch, den sich Lotta und Leo um die Nase wehen ließen, fanden sie die vielen Pferde auf den Weiden ganz toll. Für die Tiere war das Schnaufen des Zuges dagegen wohl eher etwas gewöhnungsbedürftig. Je näher die Lok kam, umso mehr Unruhe machte sich auf der Weide breit.
Für die Dampfzugbetriebsgemeinschaft Hildesheim dürfte der Tag recht erfolgreich verlaufen sein. Bereits bei der ersten Tour durch das Nettetal nahmen viele Fahrgäste in den historischen Waggons Platz, sodass es schon mal etwas eng werden konnte. Darunter waren zahlreiche Familien, die den Tag für einen Ausflug nutzten. Vorne im Führerstand hatte Lokführer Jörg Kluge alles unter Kontrolle. Heizer Sören Peters musste auf dem Weg von Derneburg nach Bornum jede Menge Kohle nachlegen, damit die Dampflok der Reihe 897513 aus dem Jahr 1911 nicht schlapp macht. Erst zuckelt der Zug ganz langsam durch die Landschaft, dann ziehen Äcker und Wiesen ganz schnell an den Fahrgästen vorbei. Die Kinder haben längst die besten Plätze an den Fenstern eingenommen.
Aber nicht nur im Zug ist jede Menge los. Auch entlang der 20 Kilometer langen Strecke hat es viele Neugierige gegeben, die ihre Objektive auf den Reichsbahnzug gerichtet haben. Besonders auf den Bahnhöfen klicken und surren die Fotoapparate und Camcorder. Die alte Technik fasziniert auch im Zeitalter der Hochgeschwindigkeitszüge, die mit über 300 Stundenkilometer durch das Land brausen. Mit versiertem Blick beobachtet Lokführer Kluge die teilweise recht kurvige Strecke. Immer wieder quietschen die Bremsen. Vor jedem Bahnübergang muss der Zug stoppen. Ein Mitarbeiter steigt aus und hält auf der Straße die Fahne hoch. An der Bundesstraße 243 bei Bockenem werden die Schranken geschlossen. Erst dann geht die Fahrt weiter. Auf den Bahnhöfen Derneburg und Bornum geht es gemächlicher zu. Gespannt verfolgen die Fahrgäste das An- und Abkuppeln der Lok.
Seit 1990 fährt auf der Strecke kein Personenzug mehr. Nur noch Kesselwagen, die in Bornum bei HAW Linings aufgearbeitet werden, gehören zum alltäglichen Bild. Nach zwei Stunden fällt die Bilanz bei den meisten Fahrgästen positiv aus. „Die alten Wagen gefallen mir, ganz besonders natürlich der mit dem Buffet“, meint ein junger Mann. Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, kann im Rahmen der Aktion „Feriendampf“ noch am 4. August einen Ausflug mit der Dampflok durch das Nettetal unternehmen. Viele wollen dann wieder mit von der Partie sein.