Die unendliche Geschichte des Hochofens

Der Hochofen in Bornum.

Wie geht es weiter mit dem Bornumer Industriedenkmal?

Der zum Wilhelmshüttenkomplex in Bornum gehörende Hochofen bedarf seit Längerem wieder diverser Sanierungsarbeiten. So entwickelt sich in seinem oberen Bereich erneut eine Birke, verschiedene Stellen an den Außenmauern zeigen Bewuchs, durch den die Fugen aufbrechen, und der gesamte Bereich, der etwaigen Besuchern Informationen vermitteln soll, ist im Grunde genommen abgängig und völlig unansehnlich

. Der Missstand ist bekannt, zumal wiederholt auf ihn aufmerksam gemacht wurde. Konkret zuständig für ihn wäre der Eigentümer, doch von dieser Seite geschieht nichts. Ganz im Gegenteil; denn der Verfall der dortigen historischen Substanz der Wilhelmshütte hat eine lange Geschichte, und sein augenfälligstes Beispiel ist der ruinöse Zustand des ehemaligen Faktoreigebäudes.
Dessen Weg zur Ruine wäre auch der Hochofen gegangen, den die Ortschaft Bornum in ihrem Wappen führt und der unter Fachleuten als das bedeutendste Industriedenkmal seiner Art im norddeutschen Raum gilt. Erbaut ihm Jahre 1783 im Zuge der Erweiterung der damaligen Bornumer Eisenhütte, war er bis 1857 in Betrieb. Wie verfallen er sich dann rund 100 Jahre später in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zeigte, beweist eine Fotoaufnahme, die sich im Bockenemer Stadtarchiv befindet. Steine waren herausgebrochen und oben auf ihm wuchs eine Birke. Der damalige Stadtheimatpfleger Manfred Klaube, zu jener Zeit auch Vorsitzender der CDU-Fraktion im Bockenemer Stadtrat, nahm sich daraufhin des Objekts an. Nach einer Übereinkunft der Stadt mit dem Eigentümer konnte der Hochofen 1981/82 mit bedeutenden Finanzmitteln, die zum überwiegenden Teil das Land Niedersachsen gegeben hatte, saniert und vor dem Verfall gerettet werden. Das Hochofenareal selbst erhielt eine Abgrenzung und einen gesonderten Zugang über eine Treppe.
Seitdem sind rund 35 Jahre vergangen, in welchen auch die Stadt Bockenem nach außen hin mit dem Hochofen geworben hat und in denen aber immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden musste, das Objekt auch in einem ordentlichen Zustand zu erhalten, was dann zu einem nicht unwesentlichen Teil die Stadt übernahm.
Seit Monaten aber nun liegt wieder vieles im argem, weil die Stadt Bockenem zu Recht auf die faktischen Eigentumsverhältnisse verweist. Manfred Klaube, welcher der Stadt und dem Bornumer Ortsrat in den letzten zwei Jahren mehrfach Vorschläge zur Erhaltung und zur möglichen Aufwertung des Objekts unterbreitet hatte, schickte letztlich entnervt am 19. August dieses Jahres ein eineinhalbseitiges Schreiben an den Bürgermeister, an die Mitglieder des Verwaltungsausschusses und an den Bornumer Ortsbürgermeister mit der Aufforderung, einmal grundsätzlich zu klären, wie weiter mit dem Hochofen verfahren werden solle. In ihm wiederholte er zwar seine Auffassung, dass der Hochofen seiner Bedeutung nach in Bornum nicht angemessen präsentiert werden könne und es besser wäre, ihn einem Fachmuseum anzutragen. Sollte er jedoch weiterhin in Bornum als Denkmal erhalten bleiben, dann müsste mit dem Eigentümer verhandelt werden und dann wäre es auch sinnvoll und erforderlich, dass aus Bornum heraus ein spezieller Arbeitskreis entstehen würde.
Die Antwort der Stadt ging nun am 27. Oktober ein mit dem Ergebnis, dass im Verwaltungsausschuss offensichtlich Einmütigkeit darüber bestand, dass sich zunächst in Bornum eine „Interessentengruppe“ bilden sollte mit dem Ziel, das Denkmal zu pflegen und Ideen zu entwickeln, seinen langfristigen Erhalt zu sichern und seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen. In diesem Fall könne durch die Stadt geprüft werden, in welcher Form eine Unterstützung gewährt werden könne. Ein Erwerb des Denkmals durch die Stadt wäre jedoch mit nicht kalkulierbaren finanziellen Risiken verbunden. Eine Grundsatzentscheidung betreffend der Unterhaltung oder Aufwertung, sei aufgrund der Eigentumsverhältnisse nicht möglich. Ferner sei ein Eingriff in die Rechte und Pflichten des Eigentümers seitens der Stadt nicht opportun. Zurzeit befasse sich die Untere Denkmalschutzbehörde mit dem Vorgang.
Verantwortlich bei dieser beim Landkreis Hildesheim angesiedelten Behörde ist Annegret Klauke. Diese war vor rund einem halben Jahr von der Stadt mit Bitte um Unterstützung eingeschaltet worden. Sie erklärte nun am vergangenen Freitag telefonisch auf Anfrage, dass sie immer noch nicht die Zeit gefunden habe, den Eigentümer anzuschreiben. Sie könne ihn aber lediglich auffordern, am Denkmal die notwendigen Ausbesserungsarbeiten vorzunehmen. Eine andere Handhabe besitze sie nicht. Es gäbe zwar in ähnlichen Fällen letztlich die recht aufwendige rechtliche Möglichkeit einer Enteignung, doch so weit wolle wohl niemand gehen. Ganz abgesehen davon, dass danach niemand den Hochofen haben wolle.
Der Bornumer Ortsrat, in dem das Hochofenproblem am 30. Oktober erneut zur Sprache kam, hatte ebenfalls ein Schreiben der Stadt mit sinngemäß gleichem Inhalt erhalten. Er übte in einer längerem Diskussion erneut Kritik an der Stadt ob des ganzen Verfahrens, erklärte sich aber zusammen mit vier weiteren auf der Sitzung anwesenden Bürgern als „Interessent“ bereit, ohne aber den Begriffsinhalt weiter zu klären. Immerhin stellte der Ortsbürgermeister Ralf Marten in diesem Zusammenhang klar, dass damit noch kein Arbeitskreis im Sinne des Denkmalerhalts, so wie die Stadt es formuliert hatte, gegeben sei.
Doch war den Anwesenden an diesem Abend auch klar geworden, dass ein weiteres Tätigwerden ohne Einbeziehung des Eigentümers wohl nicht ratsam sei. Wer nun am Zuge ist, entweder ein in Bornum zu bildender Arbeitskreis oder die Stadt Bockenem mit einer Nutzungsvereinbarung mit dem Eigentümer, bleibt bei allem weiter offen.
Sollte sich jedoch niemand zum Tätigwerden aufraffen, wäre der Verfall des Hochofens auf lange Sicht unaufhaltsam und es wäre vieles, was in den letzten Jahrzehnten einigermaßen passabel gelaufen war, umsonst gewesen.