Es geht um wenige Zentimeter

In Bornum angekommen, geht es noch einmal um Zentimeter. Wenig später ist zum Glück das Werkgelände erreicht.

Drei Schwerlasttransporter erreichen Freitagnacht um 1 Uhr die Firma HAW Linings in Bornum

Nach knapp drei Stunden ist es geschafft. Mit Schritttempo biegen die drei Schwertransporter in der Nacht zu Freitag mit der kostbaren Ladung auf das Werkgelände von HAW Linings in Bornum.

Den letzten schwierigen Punkt am Bönnier Tor in Bockenem hat der Konvoi gegen 1 Uhr ohne Probleme passiert. Um Haaresbreite kurven die Laster an der Ampelanlage vorbei. Vor den Toren des Bornumer Unternehmens haben dann auch die Polizeibeamten, die seit Hildesheim den langen Tross anführen, ihren Job erledigt.
Spätestens da kann auch Nicole Walter aufatmen. Die Angestellte war seit November mit den Vorbereitungen beschäftigt. „Das ist für HAW Linings schon ein außergewöhnlicher Auftrag“, berichtet die Mitarbeiterin, die allein schon viel Energie in die Beantragung von Sondergenehmigungen investieren musste. Schon eine Spedition zu finden, gestaltete sich alles andere als einfach. Viele der 20 Firmen haben schon bei der riesigen Größe der Behälter von Anfang an abgewinkt. Am Ende bekam das Transportunternehmen Droste aus Minden, das schon mehrfach für die Bornumer unterwegs war, den Zuschlag.
Die Kondenser oder auch „Kristaller“, wie sie im Fachjargon heißen, waren Donnerstagmorgen per Binnenschiff in Hildesheim angekommen. Von dort aus wurden sie dann per Kran auf die Spezialtransporter gehievt. Die Reise begann für die klobigen Spezialbehälter, die 13,5 Meter lang und 5,90 Meter breit sind und ein Gewicht von jeweils 65,4 Tonnen auf die Waage bringen, allerdings schon vor Wochen in China. Nach ihrer Herstellung gelangten sie per Schiff in die Hansestadt, wo sie am 10. Februar mit Hilfe eines Schwimmkrans verladen wurden. Von dort aus führte dann ihr Weg auf Kanälen in Richtung Hildesheim. Donnerstagabend um 22 Uhr setzte sich dann der Tross im Hafen von Hildesheim in Bewegung.
Eine Fahrt über die Autobahn wurde schon von Anfang an ausgeschlossen, da die Behälter nicht unter die Brücken gepasst hätten. Also ging es mit den drei zehn­achsigen Fahrzeugen plus Begleiter quer durch die Stadt und dann weiter auf der Bundesstraße 243. Besonders an den Kreuzungen mussten die Transporteure aufpassen, dass die Ampeln keinen Schaden nahmen. Recht beschwerlich war auch der Abschnitt zwischen Wesseln und Nette. Auf den Serpentinen des Weinbergs ging es nur ganz langsam voran. Kurz vor dem Ziel muss dann noch einmal von den Fahrern Maßarbeit geleistet werden. Nur ganz knapp schlängelt sich der Laster an den am Rand geparkten Autos vorbei.

Im März geht die Reise wieder zurück

HAW Linings mit seinen rund 100 Mitarbeitern hat den Auftrag von der Firma Veolia Water Solutions & Technologies erhalten. Eigentlicher Abnehmer ist aber die K + S Aktiengesellschaft. „Die brauchen für den industriellen Einsatz säurebeständige Behälter“, erläutert Nicole Walter. Ohne weitere Bearbeitung würde die aggressive Flüssigkeit sofort den Stahlbehälter angreifen. Die HAW-Mitarbeiter werden die Kondenser außen und innen mit einer speziellen Farbe versehen. Außerdem erhält der Innenteil eine Gummierung.
Wahrscheinlich im März werden die Arbeiten beendet sein. Es geht dann von Bornum zurück nach Hildesheim und auf dem Seeweg weiter nach Antwerpen in Belgien. Endpunkt der Reise wird Kanada sein. „Wir werden dann auch Monteure dorthin schicken“, berichtet die Angestellte. Für das Unternehmen HAW Linings, das sich seit über 80 Jahren auf den industriellen Korrosionsschutz spezialisiert hat, ist der Auftrag schon ganz oben angesiedelt. Zudem sei der Liefertermin eng gesteckt. „Die Herausforderung nehmen wir gerne an. Schließlich haben wir eine große Erfahrung auf dem Gebiet“, erläutert Nicole Walter.
Freitagmorgen gingen die Arbeiten auf dem Werkgelände in Bornum weiter. Mit einem Autokran wurden die Spezialbehälter an den für sie bestimmten Platz gesetzt. Die Arbeiten zogen sich über Stunden hin. Nach Abschluss der Aktion gab es bei allen Beteiligten zufriedene Gesichter. Doch schon bald gehen die Mega-Behälter ja schon wieder auf große Reise. Dann beginnt die logistische Herausforderung von Neuem.