Geografen und Hüttenfachleute beim Hochofen

Abrissreif ist das vormalige Verwaltungsgebäude der Bornumer Wilhelmshütte. (Foto: Klaube)

Exkursion beleuchtet Geschichte der Wilhelmshütte

Wenn es nicht gelingt, in absehbarer Zeit eine aktive Arbeitsgemeinschaft oder einen Förderkreis „Hochofen Bornum“ insbesondere aus Bornum heraus zu installieren, wird dieses Industriedenkmal auf längere Sicht nicht mehr gehalten werden können, und es wird eine Situation eintreten, wie sie vor 1978 bestand, als dieses Objekt aufgrund mangelnden Interesses und fehlender Unterhaltungsmaßnahmen zum Steinhaufen zu verfallen drohte.

Noch ist es nicht so weit, doch die beginnenden Auswüchse aus dem Mauerwerk und das völlig desolate Umfeld verweisen in diese Richtung.
Der kürzlich gefasste Beschluss des Stadtentwicklungsausschusses für 850 Euro zwölfmal im Jahr das Terrain fegen und eine Tafel anbringen zu lassen, erfasst die bestehende Problematik in keiner Weise. Es gilt, nicht nur eine langfristig angelegte Übereinkunft mit dem Eigentümer des Objekts herbeizuführen, sondern sich gleichzeitig um Sanierungsmittel des Denkmalsschutzes in Hannover zu bemühen und besagten Förderkreis zu schaffen.
In dieser Einschätzung waren sich zusammen mit dem ehemaligen Stadtheimatpfleger Manfred Klaube und seinem Nachfolger Dieter Rüdiger am vergangenen Mittwoch auch die 20 Teilnehmer einer Exkursion von Geografen und Hüttenfachleuten aus dem Göttinger und dem Südharz-Raum einig, die unter der Leitung von Manfred Klaube die Wilhelmshütte unter historischen und technischen Aspekten besichtigt hatten.
Noch ist der historische Hochofen aus dem Jahre 1783 das Aushängeschild in Bornum und ein potenzieller touristischer - wenn auch nicht in Wert gesetzter – Werbeträger für die Stadt Bockenem. Doch wenn weiterhin nichts Wesentliches geschieht, kann die Stadt die bestehende Beschilderung einziehen lassen, weil diesem Objekt langfristig ein ähnlicher Verfall droht wie dem aus dem Jahr 1729 bestehenden ehemaligen Verwaltungsgebäude, welches einst das schönste Anwesen in Bornum darstellte.
Die am Mittwoch stattgefundene Exkursion beleuchtete nicht nur die Geschichte und die Relikte des einst bedeutenden Unternehmens Wilhelmshütte, das mehrere Entwicklungsphasen durchlief und als Industriebetrieb 1966 endete. Sondern man besuchte auch das ehemalige Eisensteinabbaugebiet im Ortshäuser Wald, das im Zeitraum 1770 bis etwa zur Einstellung des Hochofenbetriebes im Jahre 1858 den Hauptrohstoff lieferte. Zur Geschichte der Wilhelmshütte sind inzwischen zwei hochinteressante Fotoreihen aus älterer Zeit aufgetaucht, die zusammen mit Materialien aus dem Staatsarchiv Wolfenbüttel den Fundus eines etwa 15 Druckseiten umfassenden Aufsatzes bilden werden, der im Herbst nächsten Jahres im „Hildesheimer Kalender, Jahrbuch für Geschichte und Kultur“ erscheinen soll.