29 Verletzte nach Reizgas in Schule

Nach dem versprühen eines Reizgases wurde das Gymnasium in Clausthal-Zellerfeld evakuiert. (Foto: bo)

Zehntklässler versprüht Gas in der Robert-Koch-Schule in Clausthal-Zellerfeld

Meistens freuen sich Schüler, wenn sie früher aus der Schule dürfen. Am Montag im Gymnasium Clausthal-Zellerfeld dürfte es anders gewesen sein. Ein Zehntklässler hatte gegen 12.25 Uhr im Kellerbereich eine komplette Dose eines Tierabwehrsprays, welches deutlich schärfer als ein „normales“ Pfefferspray ist, versprüht. Wie die Polizei hervorhob, wurde es nicht gezielt gegen Mitschüler eingesetzt, sondern lediglich in die Luft gesprüht. Das Gemisch verbreitete sich anschließend rasch in allen drei Stockwerken der Schule.

Als kurz darauf mehrere Schüler hustend und mit tränenden Augen auf dem Schulhof standen, wurde der Notruf abgesetzt. Die Schule wurde daraufhin umgehend evakuiert, in der Turnhalle der Schule eine Verletztensammelstelle eingerichtet. Hier erfolgte eine Betreuung und Erstversorgung der betroffenen Schülerinnen und Schüler sowie die anschließende Übergabe an die Eltern.
Insgesamt wurden 29 Personen verletzt und litten unter Atemwegsbeschwerden und Augenreizungen, sieben von ihnen mussten in die umliegenden Krankenhäuser nach Herzberg, Seesen und Goslar gebracht werden. Der Schulbetrieb wurde nach dem Vorfall eingestellt. Es wurde Sorge dafür getragen, dass alle Kinder (auch Fahrschüler) eine Heimfahrmöglichkeit erhielten.
Über den Landkreis Goslar wurde das Konzept ManV (Massenanfall von Verletzten) ausgelöst. Eingesetzt waren insgesamt ein leitender Notarzt sowie drei Ärzte mit zwei Notarzteinsatzfahrzeugen und sechs Rettungswagen vom Rettungsdienst und Angehörige des Kriseninterventionsteams des Landkreises Goslar. Hinzu kamen 39 Angehörige des Deutschen Roten Kreuzes mit dem Kriseninterventionsteam und entsprechenden Einsatzfahrzeugen sowie 88 Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Goslar unter Leitung des Gemeindebrandmeisters Andreas Hoppstock sowie acht Beamte des Polizeikommissariats Oberharz. Mit im Einsatz waren auch die Ortsfeuerwehr Bornhausen als Redundanzmessleitung und Messtrupp, die Wehr Herrhausen als Messtrupp und die DRK-Bereitschaft Seesen.
Nach der Räumung des Gebäudes waren viele Schüler direkt nach Hause gegangen. Da bei einigen nach kurzer Zeit ebenfalls Beschwerden auftraten, wurde zum einen ein Infotelefon eingerichtet und zum anderen eine Rundfunkdurchsage veranlasst, um die möglicherweise noch nicht erfassten Betroffenen darüber zu informieren, bei entsprechenden Beschwerden einen Arzt oder das nächstgelegene Krankenhaus aufzusuchen.
Die Polizei Oberharz in Clausthal-Zellerfeld hat zu diesem Vorfall die erforderlichen Ermittlungen aufgenommen und bittet Personen, die während des angegebenen Zeitraums möglicherweise entsprechende Beobachtungen gemacht haben oder andere Hinweise geben können, sich unter (05323) 94110-0 zu melden.