750 Sitzungsprotokolle sind zu sichten

Dr. Johannes Laufer bei der Durchsicht der Bergamtsprotokolle. (Foto: Niedersächsisches Landesarchiv)
 
Die historischen Dokumente enthalten wertvolle Informationen über den Oberharzer Bergbau. (Foto: Niedersächsisches Landesarchiv)

Wissenschaftler soll historische Bergamtsprotokolle untersuchen / Vollständige Digitalisierung

Die leitenden Bergbaubeamten des Oberharzer Bergbaus trafen sich seinerzeit einmal pro Woche in einer Sitzung, um über die Belange der laufenden Erzproduktion zu sprechen. Was dort im Detail besprochen wurde, soll eine wissenschaftliche Studie näher untersuchen. Das Niedersächsische Landesarchiv hat den Historiker Dr. Johannes Laufer beauftragt, innerhalb eines Jahres rund 750 Sitzungsprotokolle aus dem 17. und 18. Jahrhundert zu analysieren. Unterstützung erhält das Landesarchiv dabei von der VGH-Stiftung und der VGH Regionaldirektion Göttingen.
Ziel dieses Vorhabens ist es, den umfangreichen Aktenbestand zu erschließen und dadurch die Grundlage für weitere wissenschaftliche Forschungen zu schaffen. „Wir wollen unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen wie die Geschichtswissenschaft, aber auch verwandte Bereiche wie Museen, Denkmalpflege oder Archäologie auf eine vielversprechende historische Quelle aufmerksam machen und auf diese Weise zu weiteren Forschungsprojekten anregen“, sagt Dr. Christine van den Heuvel, Präsidentin des Niedersächsischen Landesarchivs. Zu diesem Zweck sollen die Ergebnisse auf der Internetseite des Niedersächsischen Landesarchivs frei zugängig gemacht werden.
Die historischen Dokumente enthalten wertvolle Informationen über verschiedene Bereiche des Oberharzer Bergbaus. „Sie gewähren uns Einblicke in die Verwaltungspraxis, den technischen Fortschritt und die wirtschaftliche Situation der Montanindustrie im Harz“, sagt Michael Heinrich Schormann, stellvertretender Geschäftsführer der VGH-Stiftung. „Durch die Förderung dieses Vorhabens leisten wir einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte des Oberharzer Bergbaus.“ Verwahrt werden die Bergamtsprotokolle im Bergarchiv in Clausthal-Zellerfeld. Bei der Analyse der Bergamtsprotokolle wird ein spezielles Archivinformationssystem genutzt, das 2015 vom Hessischen und Niedersächsischen Landesarchiv entwickelt wurde. Die Software ermöglicht es, den Inhalt historischer Quellen systematisch zu analysieren und für die weitere Forschung in entsprechenden Datenbanken abzuspeichern. Gleichzeitig werden die Ergebnisse der Analyse über das Internet jedem Nutzer frei zur Verfügung gestellt. Neben den Datenbankeinträgen sollen die Nutzer in Zukunft auch digitale Kopien der originalen Bergamtsprotokolle sehen. Dazu werden die historischen Dokumente im Rahmen der Studie ebenfalls digitalisiert, bevor sie zur dauerhaften Verwahrung in den Oberrieder Stollen gebracht werden.
Dass sich der Harz vom 17. bis 19. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Industriestandorte in Europa entwickelt hatte, war nicht zuletzt dem Sachverstand und dem umsichtigen Handeln seiner Beamten zu verdanken. Die Bergamtsprotokolle im Bergarchiv in Clausthal-Zellerfeld gehören deshalb zu den vielversprechendsten Quellen über die Geschichte des Oberharzer Bergbaus. Sie enthalten Informationen zu nahezu allen Bereichen des Bergbaus über einen Zeitraum von rund 200 Jahren und bieten somit zahlreiche Anknüpfungspunkte für die wissenschaftliche Aufarbeitung verschiedenster Themen.