Bundesweit erster Masterstudiengang

Ein Geothermie-Kraftwerk in Unterhaching. (Foto: Anger)
 
Der Bohrtechnologie kommt bei Geothermie-Projekten eine große Bedeutung zu. (Foto: Baker Hughes)

Die technische Universität Clausthal bildet ab kommenden Wintersemester Geothermie-Ingenieure aus

Im Untergrund unserer Erde schlummert ein mächtiges Potenzial: Erdwärme. Für eine zukunftsfähige Energieversorgung spielt die Geothermie eine bedeutende Rolle. Seit Jahren wächst die Branche.

Mit dem neuen Masterstudiengang „Geothermal Engineering“ greift die TU Clausthal diese Entwicklung auf. Der Start des deutschlandweit ersten Studiengangs auf diesem Gebiet ist im kommenden Wintersemester.
Welcher Untergrund bietet sich für eine Erdwärme-Heizung an? Wie tief und mit welcher Technologie muss gebohrt werden? Wie wird das geothermische Potenzial optimal in Energie des täglichen Bedarfs umgewandelt? „Auf diesem Gebiet gibt es viele Fragen, aber derzeit zu wenig Fachleute, die das Gesamtbild im Blick haben“, sagt Professorin Gioia Falcone. Die Studienberaterin des neuen Fachs leitet die Abteilung „Geothermale Energiesysteme und optimierte Integration“ am Clausthaler Institut für Erdöl- und Erdgastechnik. Ziel des von ihr initiierten Masterprogramms sei es, den Studierenden einen Überblick über die Vielfalt geothermaler Erscheinungen, mögliche Anwendungen und die technischen Aspekte zu geben. Die Energie aus dem Untergrund kann gleichermaßen für eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus oder für Fernwärme genutzt werden. Genauso bietet sie sich zur Stromerzeugung beziehungsweise für die Kraft-Wärme-Kopplung an.
Wie ein solches geothermales Projekt technisch von Anfang bis Ende durchgeführt wird, lernen die Studierenden künftig an der TU Clausthal. Das beginnt mit geologischen Erkundungsstudien. In der Folge wird bewertet, wie viel Energie eine betrachtete geothermale Lagerstätte bietet und wie dieses Potenzial zu erschließen ist. „Es mündet darin, das System fertigzustellen, das Wärme beziehungsweise Strom wirtschaftlich, umweltfreundlich und nachhaltig produziert“, erläutert Dr. Claudia Pawellek, die den Studiengang mitbetreut.
Vor dem Hintergrund klimaschädigende Treibhausgase zu reduzieren, erlebt die „saubere“ Geothermie weltweit einen Aufschwung. Im Gegensatz zu den meisten erneuerbaren Energien ist Erdwärme krisensicher, unabhängig von Witterung und Tageszeit, praktisch überall verfügbar und bei sachgerechter Handhabung schier unerschöpflich. Die gespeicherte Wärme in den oberen drei Kilometern der Erdkruste würde Berechnungen zufolge reichen, unsere Welt 100.000 Jahre mit Energie zu versorgen. Die besten Bedingungen herrschen wegen der heißen Quellen in Island. Das erste und auch größte Geothermie-Kraftwerk Europas steht allerdings seit hundert Jahren in der Toskana. Das Know-how der Italiener fließt in den neuen Clausthaler Studiengang ebenfalls ein. Dank einer Kooperation mit der Universität Sapienza können die Studierenden einen Auslandsaufenthalt in Rom absolvieren. Voraussetzung für das viersemestrige, neue Masterprogramm ist ein Bachelorabschluss im Bereich Petroleum Engineering, Geowissenschaften, Energietechnologien oder Verfahrenstechnik. „Da der Studiengang komplett in englischer Sprache angeboten wird, ist er auch für internationale Studierende von großem Interesse“, unterstreicht Dr. Claudia Pawellek. Geothermie-Ingenieure „made im Harz“ könnten also in Zukunft weltweit Botschafter für die TU Clausthal und die Energiewende werden.