Einen Jugendtraum verwirklicht

Daniel Langer und Fritz Geers lieferten gute Leistungen ab
 
Das 550 Kilometer lange Radrennen steckte den Pedalrittern jedoch noch Tage danach in den Knochen.

Zwei Clausthaler nahmen am berühmten Radsportklassiker Trondheim-Oslo teil

Es gibt viele berühmte Radsport-Klassiker, manche wie das Tagesrennen Paris-Roubaix sind für Profi-Fahrer und -Teams, andere wie zum Beispiel Trondheim-Oslo richten sich auch an weniger professionell orientierte Fahrer. „Die Idee, bei Trondheim-Oslo einmal zu starten, ist bei mir schon sehr alt“, sagt Daniel Langer. Diesen Sommer setzte der 40-jährige Clausthal-Zellerfelder seinen sportlichen Traum in die Tat um und fuhr gemeinsam mit dem erst 17-jährigen angehenden Abiturienten Fritz Geers nach Norwegen, um die 550 Kilometer zwischen Trondheim und Oslo mit dem Fahrrad zu meistern.

1000 Radsportler gehen
jährlich an den Start

Alljährlich starten weit über 1000 Radsportler bei diesem Marathon durch Norwegen. Die spektakuläre Nordische Landschaft mit ihrer ganz eigenen Atmosphäre, ihrem eigenen Licht garniert die gewaltige körperliche Herausforderung. Denn „auf über 1000 Metern Höhe lag noch Schnee, ansonsten hatten wir auch viel Regen und vor allem Gegenwind“, macht Langer klar, dass die Tour alles andere als eine lockere touristische Rundfahrt war.
Mit 14 Jahren hatte Langer, da schon begeisterter Radler, eine Reportage über diese Tour im Fernsehen gesehen, „seitdem wollte ich da starten.“ Doch Beruf, Familie sowie lange Jahre der Organisation des MTB-Events in Clausthal-Zellerfeld machten ihm da einen Strich durch die Pläne. „Als ich letzten Herbst im Training eine neue Motivation suchte, um mich sportlich wieder aufzubauen, erzählte ich auch Fritz von dem Rennen“, berichtet Langer. Der Schüler, der bereits erfolgreich für das Nordharzer Racing Team in den Sattel steigt, war direkt Feuer und Flamme, drei Wochen später war das Duo angemeldet und die Trainings-Vorbereitungen starteten.

„Die anderen Fahrer
sind nicht sehr kollegial“

Zum 47. Mal wurde Trondheim - Oslo ausgetragen, Fahrer und Teams aus ganz Europa waren am Start, vor allem viele Mannschaften, die sich gegenseitig ziehen, Tempo machen. Da hatten es die beiden Oberharzer stellenweise recht schwer, denn „die verhalten sich nicht sonderlich kollegial“, sagt Geers, „die wollen keine Mitfahrer, selbst wenn man bei der Führungsarbeit unterstützt.“ So waren die beiden Einzelkämpfer großen Gruppen meist unterlegen. „Die Teams waren teilweise perfekt eingespielt“, so Langer, „die machen alle alles gleichzeitig, trinken gemeinsam, essen gemeinsam und treten gemeinsam aus.“ Die Oberharzer hatten mit Artjom Gräfenstein einen Betreuer im Auto dabei, der nicht nur die Verpflegungsbeutel anreichte, sondern auch zuvor die Strecke mit ihnen abgefahren war. „Allein dafür hatten wir schon über zehn Stunden gebraucht“, erinnert Langer.
Insofern waren die 18:17:01 Stunden, die die beiden benötigten, um die 550 Kilometer auf dem Rad zu bewältigen, eine starke Leistung. Zumal Fritz damit die Altersklasse der bis 19 Jahre alten Fahrer mit über drei Stunden Vorsprung gewann. In seiner Altersklasse landete Langer immerhin auf Platz 98. „Auf kurzen Strecken kann ich mit Fritz nicht mehr mithalten“, gesteht er freimütig, doch „auf langen ist die Erfahrung eben auch wichtig.“

Taktik spielt bei einem
solchen Rennen große Rolle

Taktisch hatten sich die beiden gut abgesprochen. Sie nutzten große Gruppen, um sich auszuruhen und Kraft zu schöpfen. Schließlich waren nicht alle Fahrer gleichzeitig gestartet. „Die langsameren Fahrer starten mitten in der Nacht, die besten am frühen Vormittag“, so Langer, die im Vorfeld eine angepeilte Finisher-Zeit angeben mussten. Während die beiden also im Pulk neue Kraft schöpften, nutzten sie die Anstiege, um Plätze gut zu machen. Zwar konnten sie mit den 13:49 Stunden der Sieger nicht mithalten, waren mit ihrem Erreichten aber sehr zufrieden.
Tage später spürten sie aber noch das Rennen in den Knochen. „Die Knie schmerzen schon noch ein bisschen“, klagt Langer. „Bei mir ist es der Nacken“, so Geers. Ohne Defekt, ohne Sturz haben sie Daniel Langers Jugendtraum verwirklicht. Ein anderer wäre das Race Across America, doch für die über 5000 Kilometer quer durch die USA „braucht man neben Kapital auch 30.000 Trainingskilometer“, und aus diesem Grund fehlt Langer die Zeit für dieses Abenteuer. Eher hat er die L´Eroica im Visier, ein Rennen über „lächerliche“ 135 Kilometer durch die Toskana, allerdings auf mindestens 30 Jahre alten Fahrrädern und mit kulinarischem Hintergrund.