Harzer Forscher präsentieren sich der Welt

Philip Guehlke führt die Funktionsweise eines Roboters mit faseroptischer 3D-Formerkennung vor: Der Roboter ahmt alles nach, was der Wissenschaftler vormacht. Es handelt sich dabei um ein Gemeinschaftsprojekt Harzer Forscher.

Auf der weltweit größten Industriemesse in Hannover hat sich die TU Clausthal bestens dargestellt

Die großen Frühjahrsmessen in der Landeshauptstadt sind für die vergleichbar kleine TU Clausthal wichtig, um sich überregional ins Gespräch zu bringen.

Dies ist auf der Hannover Messe 2015, der weltweit bedeutsamsten Industriemesse, einmal mehr deutlich geworden. Maschinenbauer, Physiker und Energieforscher aus dem Harz haben eine Woche lang (13. bis 17. April) ihre Innovationen vorgestellt.
Labor in einer Faser – Nerven aus Glas: Unter dieser Überschrift präsentierte ein Team um den Clausthaler Professor Wolfgang Schade (Institut für Energieforschung und Physikalische Technologien) einen Roboter, der aufgrund dreidimensionaler faseroptischer Formerfassung genau die Bewegungen nachahmen kann, die ein Mensch vorgibt. Philip Guehlke von der Goslarer Außenstelle des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts erläuterte die Technologie, in die sich auch die Miopas GmbH einbringt, und meinte zufrieden: „An unserem Stand bildete sich ständig eine Menschentraube.“ Die im Roboter eingesetzte moderne Sensorik eröffnet eine Vielzahl neuartiger medizinischer und industrieller Anwendungsmöglichkeiten. Ein ganz neues Feld, berichtete Professor Schade, sei beispielsweise die Optogenetik. Dieses Fachgebiet beschäftigt sich mit der Kontrolle von genetisch modifizierten Zellen mittels Licht.
Auch die Wissenschaftler des TU-Instituts für Maschinenwesen, ebenfalls auf dem niedersächsischen Gemeinschaftsstand (Halle 2, Stand A08) vertreten, zogen eine positive Bilanz. „Wir hatten eine gute Mischung aus Lauf- und Fachpublikum“, sagte Marcel Heß. Der Diplom-Ingenieur stellte die Vorteile der Druckkammtechnik („Blue Bearing Concept“) anhand eines Modells und eines laufenden Getriebes vor. Mit dieser neuartigen Methode lässt sich die Effizienz von schrägverzahnten Getrieben steigern.
Eine zweite Innovation der Clausthaler Maschinenbauer richtete sich an Entwickler für Software im Maschinen- und Anlagenbau. Mit der Softwareumgebung namens „testING“ lassen sich Berechnungswerkzeuge und -modelle systematisch testen und dadurch schneller verbessern. „Die Resonanz ist gut. Fast alle Gespräche sind so gelaufen, dass man etwas daraus machen kann“, schilderte Diplom-Ingenieur Joachim Langenbach. Zum einen signalisierten Industrievertreter Interesse an dem wissenschaftlichen Ansatz, zum anderen inspiriere der enge Kontakt zur Praxis zu neuen, anwendungsbezogenen Forschungsideen. „Und immer wieder kommen auch ehemalige Clausthaler vorbei“, so Langenbach, „die sich freuen, das Logo ihrer Universität zu sehen, und sich informieren wollen.“
Diplom-Ingenieur Frank Mattioli, der das in Goslar ansässige Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN) zusammen mit Masterstudentin Laura Pook in Hannover repräsentiert, unterstreicht ebenfalls die kommunikative Komponente: „Man trifft sich, tauscht sich aus und bespricht mögliche neue Projekte. Vernetzung ist ganz wichtig, deshalb sind wir auf der Messe vertreten und zeigen Flagge.“ Unweit des EFZN (Halle 27, Stand E50) komplettiert das Clausthaler Umwelttechnik-Institut (CUTEC) den Auftritt der hiesigen Forscher auf der Messe. Das CUTEC stellt das Modell eines Wellenkraftwerks aus. Fazit: Die Forscher aus dem Harz sind in Hannover gut vertreten und sichtbar gewesen.