Roter Teppich für Hirschkäfer im Harly

Kämpfende Hirschkäfer. (Foto: Landesforster)

Landesforsten und Untere Naturschutzbehörde einigen sich bei der Bewirtschaftung des FFH-Gebietes

Den Hirschkäfer in den Harly zurückholen, das ist ein gemeinsames Ziel von Naturschützern und Forstleuten.

Der vom Aussterben bedrohte Käfer war früher in den Wäldern am nördlichen Harzrand heimisch. Nun sollen Entwicklungsmaßnahmen auf dem Höhenzug Harly helfen, dass die seltenen Insekten wieder alte und abgestorbene Eichen besiedeln.
Der Harly bei Vienenburg ist für den Naturschutz von europaweiter Bedeutung. Daher haben die Niedersächsischen Landesforsten für ihren Teil des Gebietes jetzt einen Bewirtschaftungsplan aufgestellt. Meike Fahning vom Niedersächsischen Forstplanungsamt, das Niedersächsische Forstamt Clausthal und Rainer Schlicht von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Goslar haben ihn einvernehmlich beschlossen. „Wir rollen den roten Teppich aus und bereiten die Wälder auf die Rückkehr des kleinen Bewohners vor“, sagt Dr. Michael Lücke vom Niedersächsischen Forstamt Clausthal. Zeitig im neuen Jahr sollen die Arbeiten im europäischen Flora-Fauna-Habitatgebiet (FFH-Gebiet) beginnen.
Forstleute wollen die sonnigen Waldränder besonders herauspflegen und einzelne Eichen stärker freistellen. Die neu geschaffenen Sonnenplätze sollen den Wärme liebenden Hirschkäfer anlocken. Neben diesen Lebensraumverbesserungen enthält der Bewirtschaftungsplan ein ganzes Paket an weiteren Maßnahmen und langfristigen ökologischen Waldveränderungen.
„Unser Ziel ist es, den Naturschutzwert der Waldmeister-Buchenwälder und Eichen-Mischwälder im Harly zu steigern“, sagt Rainer Schlicht von der UNB. Doch auch andere Biotoptypen stehen im Fokus des 680 Hektar großen FFH-Gebietes: So gibt es im Überschwemmungsbereich der Oker auch sogenannte Schwermetallrasen im Eigentum der Landesforsten. Dieser sehr seltene Offenlandlebensraum beherbergt viele rar gewordene Pflanzenarten wie etwa die Galmei-Grasnelke. Für die Pflege seiner 342 Hektar Anteilsfläche am Schutzgebiet stellt das Niedersächsische Forstamt Clausthal weitere Gelder im neuen Haushalt bereit. Noch im Januar will Revierförster Jörg Schlabitz Gehölze auf der Magerrasenfläche am Schacht I nahe des Vienenburger Sees im Überschwemmungsbereich der Oker entfernen lassen.
Insgesamt bringt der neue Plan für die Forstleute weitere Veränderungen mit sich. So wird die Holznutzung auf rund 29 Hektar für das nächste Jahrzehnt eingestellt.
Auf weiteren 40 Hektar nehmen die Clausthaler Forstleute Buchen- und Eichenwälder auf Dauer aus der Bewirtschaftung, so dass sich hier langfristig ein vom Menschen unbeeinflusster Wald entwickeln darf. Darüber hinaus werden auf weiteren acht Hektar alte Eichen bis zum natürlichen Lebensende erhalten und gefördert.
Für Waldbesucher hat der neue Bewirtschaftungsplan keine Auswirkungen. Der Wald im Harly steht nach wie vor allen Erholungssuchenden offen.