VW beteiligt sich an Harzer Kraftwerksplänen

Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode ist zufrieden mit der 16-monatigen Planungsphase. Landrat Stephan Manke und Kreisrat Gero Geißlreiter sind ebenfalls zuversichtlich. (Foto: Strache)
 
„In 16 Monaten ist kein nachhaltiger Strukturwandel erreichbar. Deshalb werden wir weiterhin an den Projekten arbeiten. Ich bin aber sehr zuversichtlich.” Stephan Manke Landrat Goslar (Foto: Strache)

Nachhaltige Strukturveränderung braucht Zeit / Viele Ideen können weiterentwickelt werden

Von Maximilian Strache,
Clausthal-Zellerfeld

Was für eine Überraschung: Zum Abschluss der 16-monatigen Beratungsphase der Initiative Zukunft Harz (IZH) durch McKinsey konnten die Verantwortlichen am Dienstag doch noch einen Investor für das wichtigste Vorhaben, ein Pumpspeicherkraftwerk im stillgelegten Wiemannsbuchtschacht bei Bad Grund, präsentieren. Die VW-Kraftwerk GmbH hat sich bereit erklärt eine Wirtschaftlichkeitsberechnung gemeinsam mit dem Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (efzn), der Harz Energie und der Thüga zu finanzieren.
Die Kosten für dieses Vorhaben betragen 50.000 Euro. „VW wird den Großteil davon schultern“, wie Raimund Wunder, Geschäftsführer der Volkswagen Kraftwerk GmbH, bestätigte. Ob das Kraftwerk am Ende dieser Prüfung gebaut wird kann natürlich noch nicht gesagt werden. Erste Ergebnisse, ob sich die Investition von 150 bis 200 Millionen Euro überhaupt lohnt, sollen bis zum Sommer vorliegen.
Zwei Millionen Euro hat sich das Land Niedersachsen die 16-monatige Beratungsphase kosten lassen. Geld, davon ist Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode überzeugt, dass sehr gut investiert ist. „Wir haben viele Kritiker widerlegen können und gezeigt, dass der Harz durchaus eine eigene wirtschaftliche Dynamik entwickeln kann“, so Minister Bode.
Grundsätzlich zeigten sich alle Verantwortlichen sehr zufrieden mit dem Verlauf der vergangenen 16 Monate, machten aber auch deutlich, dass eine nachhaltige Strukturveränderung Zeit brauche, und nicht im Hau-Ruck-Verfahren durchgesetzt werden kann.
Eine Sicht die Goslars Landrat Stephan Manke uneingeschränkt teilt: „Wir feiern heute das Richtfest der IZH, weil wir immer noch am Anfang unserer Bemühungen stehen. Wir haben jetzt aber einen Rohbau, den wir kontinuierlich mit Leben füllen müssen.“
Im Kern stützen sich die Bemühungen der IZH (ein Team aus Mitarbeitern beider Landkreise, der Bundesagentur für Arbeit und McKinsey) auf drei Bereiche – Energie, Tourismus und Gesundheit – die auf 16 Projekte verteilt sind.
Der Tourismus, das betonten Landrat Manke und Osterodes Kreisrat Gero Geißlreiter, sei der wichtigste Wirtschaftsfaktor im Harz. Deswegen wurde im Zuge der IZH auch eine Qualitätsoffensive gestartet, in der zunächst die Schwächen und Stärken der Region herausgearbeitet wurden, und an deren Ende ein Handlungsleitfaden steht, der den Kommunen zeigen soll, worauf es bei erfolgreichem Tourismus ankommt. Erarbeitet und erprobt wurden diese Handlungsstrategien mit den Gemeinden Bad Lauterberg, Bad Grund und Braunlage. Im Projektbündel „Aktiv- und Sportregion“ wurden tragfähige Businesspläne erarbeitet, die aufzeigen, wie sich der Harz im Sommer und Winter präsentieren muss.
Auch im Bereich der Energie hat die IZH innerhalb der vergangenen 16 Monate ein Bündel an Maßnahmen rund um die Themen Energie- und Ressourcen erarbeitet. Als besonders wertvoll bezeichnet Minister Bode in diesem Zusammenhang das im Oktober gegründete Recycling-Cluster für wirtschaftsstrategische Metalle (REWIMET). Dabei handelt es sich im Übrigen um das einzige Projekt der IZH, das bisher realisiert wurde. Das Land Niedersachsen werde das Recycling-Cluster, nach Angaben von Minister Jörg Bode, in den nächsten drei Jahren mit rund 500.000 Euro fördern.
Und auch dem Ziel, die bundesweit erste Ressourcenagentur zur landkreisübergreifenden Förderung der Energie- und Materialeffizienz aufzubauen, ist greifbar. Landrat Manke: „Ziel ist es, eine zentrale Anlaufstelle für Bürger und Unternehmen einzurichten, die innovative Projekte initiiert und begleitet.“ Neben den Landkreisen Goslar und Osterode seien bereits der Verein Goslar mit Energie und einige privatwirtschaftliche Partner mit im Boot. Ferner werde eine Kooperation mit der Energieagentur Region Göttingen anvisiert. Starten soll die Ressourcenagentur spätestens im Jahr 2013.
„Der Landkreis Osterode habe im Übrigen direkt von zwei weiteren Aktivitäten der IZH profitiert“, erläuterte Geißlreiter. Die Technologieberatung der TU Clausthal wurde auf den Landkreis Osterode ausgeweitet. Zudem soll noch in diesem Jahr der von der WiReGo im Landkreis Goslar entwickelte Beteiligungsfonds auf Osterode ausgeweitet werden.
Eine entscheidende Rolle bei den Projekten der IZH spielt auch die Technische Universität (TU) Clausthal. „Zahlreiche Strategie- und Strukturdiskussionen wurden durch die Initiative intensiviert und weiterentwickelt“, sagt TU-Präsident Professor Dr. Thomas Hanschke. Unter anderem wurde im Rahmen der Initiative die Idee eines Forschungscampus Recycling ausgearbeitet. Mit der Ausgliederung des efzn habe die TU zudem gezeigt, dass sie sich offen gegenüber der Wirtschaft zeigt. Künftig möchte die Universität weiter expandieren. So soll die Zahl der Studierenden in den nächsten vier bis fünf Jahren nach Möglichkeit auf 5000 gesteigert werden.
Und auch für die Aufgabe, junge talentierte Menschen in der Region zu halten, wurde an der Universität zusammen mit der IZH ein Plan entwickelt. So sind Kooperationen mit der regionalen Wirtschaft und entsprechende Stipendienprogramme im Gespräch. Der Ausbau einer Akademie für technische Führungskräfte steht ebenfalls auf der Agenda der TU.
Dr. Sebastian Stern von McKinsey, deren Engagement bei der IZHmit dem gestrigen Tag endete, betonte: „Die Initiative Zukunft Harz kann für die Region ein Entwicklungsmotor sein. Es ist aber vor allem Geduld gefragt. Wunder wird niemand vollbringen können.“ Um den Fortbestand der IZH zu sichern, berichtete Lenkungsausschuss-Sprecher Stephan Röthele von einem Kooperationsvertrag, der zwischen den Landkreisen Goslar und Osterode besteht. Dieser Vertrag soll die enge Zusammenarbeit der Wirtschaftsförderungen in Goslar und Osterode sichern. Die geplante Verstärkung des Teams durch jeweils eine Vollzeitstelle pro Landkreis scheiterte bekanntlich an der Rot-Grünen-Mehrheit im Osteroder Kreistag. Ein gemeinsames Büro wird es so zunächst nicht geben.