Von Lackschuhen und Bonbon-Bäumen

Ilse Ernst (links) und Elsbeth Lewin freuen sich darüber, dass die Mädchen und Jungen ihnen so gespannt zugehört haben.

An diesem Wochenende feiert die Grundschule im Borntal 75-jähriges Bestehen

Eisdorf. Dass die Eisdorfer Kinder vor 1938 sowohl in der „Villa Lampe“ als auch im ehemaligen Küsterhaus und in der heutigen Heimatstube die Schulbank drücken mussten, erfuhren vor Kurzem die Dritt- und Viertklässler der Grundschule im Borntal, die vor 75 Jahren eingeweiht wurde. Dieses Jubiläum wird am heutigen Freitag und am morgigen Samstag gebührend gefeiert.
Im Rahmen der Projektwoche, die sich um die Eisdorfer Schulgeschichte drehte, plauderten Ilse Ernst und Elsbeth Lewin, 1937 und 1941 eingeschult, aus dem geschichtlichen Nähkästchen. Die beiden Informantinnen waren dazu in das Gebäude gekommen, an das sie noch viele Erinnerungen haben.
Elsbeth Lewin erzählte, dass sie von ihrer Einschulung erfuhr, als sie noch fünf Jahre alt war. Hauptlehrer Hartig hatte das amtliche Schriftstück ihren Eltern übergeben. Und so wurde sie am 1. August 1941 eingeschult, obwohl sie erst im September sechs wurde. Weil die Eltern nicht viel Geld hatten, erhielt sie keinen neuen Tornister, sondern den des großen Bruders. Ein Mädchen mit einem Jungentornister – das war nicht sehr angenehm.
Auch die Einschulung verlief ganz anders als heute. Der Pastor erzählte die Geschichte von Adam und Eva und den Apfelbäumen im Paradies. Weil im damaligen Pfarrgarten viele Apfelbäume standen, sei sie davon überzeugt gewesen, das Paradies vor Augen zu haben. Bei der Einschulung waren zumeist nur die Mütter dabei, vorausgesetzt, die Feldarbeit erlaubte es ihnen. Und große Feiern gab es überhaupt nicht.
Ilse Ernst erinnerte sich daran, dass sie in der „Villa Lampe“ eingeschult wurde, die einem Fabrikanten gehörte, dem einzigen Eisdorfer, der ein Auto fuhr. Ein Mädchen, das noch heute ihre Freundin ist, trug damals Lackschuhe, die die junge Ilse völlig faszinierten. Gleiches taten auch die Süßigkeiten, die es so gut wie gar nicht gab. Auf die Frage, wo diese herkamen, teilte ein Lehrer ihnen mit, er habe einen Bonbon-Baum im Keller. Und so wünschte sie sich von ganzem Herzen, einen Ableger davon zu erhaschen, was nie gelang.
Es gab auch nicht einzelne Klassen, stets wurden zwei Klassen zusammen unterrichtet. Die Schule war zumeist um 12 Uhr aus, und samstags stand ebenfalls Unterricht auf dem Stundenplan. Sport musste bis 1952 auf dem Schulhof durchgeführt werden, denn erst dann wurde die Turnhalle errichtet. Neun Jahre später wurde die Schule erweitert, denn das Gebäude war zu klein geworden.

Mehr über das Wochenende der Grundschule im Borntal erfahren Sie in der heutigen Ausgabe des Seesener Beobachter.