75 Jahre alt und kein bisschen leise

Frederik Uhde beim Ankurbeln des Treckers der Marke Orenstein & Koppel. Seinen ersten großen Auftritt in der Öffentlichkeit hatte der Traktor übrigens beim bunten Umzug anlässlich des Gittelder Schützenfestes. (Foto: Niemann)

Frederik und Heinz Uhde aus Gittelde haben einen Trecker der Marke Orenstein & Koppel von 1939 gekauft und restauriert

Heute rattert und knattert er so laut, dass in seiner Nähe ein normales Gespräch ohne Anschreien kaum möglich ist. Und genau darüber freuen sich Frederik und Heinz Uhde aus Gittelde ganz besonders, da die Restauration ihres Orenstein & Koppel Treckers Typ SA 751 aus dem Jahr 1939 rund zweieinhalb Jahre gedauert hat.

Beide haben viel Zeit in das Liebhaberstück investiert, um ihn zu restaurieren, in seine ursprüngliche Form zu bringen und zu erhalten. Die viele Arbeit habe sich gelohnt, so Heinz Uhde. „Jetzt läuft er wie ein altes Uhrwerk“, sagt der Schlepperfan, der mit seinem Sohn schon mehrere alte Trecker restauriert hat.
Im September 2011 haben Vater und Sohn nach langem Suchen im Internet und in Oldtimerzeitschriften den Traktor auf einem polnischen Gutshof entdeckt. Nach einigen Verhandlungen über den Preis, wurde man sich einig. Die Abholung entpuppte sich jedoch als ein heikles Unterfangen. Zum einen war der Anhänger, mit dem die beiden die alte Landmaschine abtransportierten, um einiges überladen, da der Orenstein & Koppel Gussgewichte in den Felgen hatte. Zum anderen gerieten Vater und Sohn in eine Polizeikontrolle, weil das Gespann besser abgesichert werden musste. „Den Polizisten ist die Überladung zum Glück nicht aufgefallen“, so Frederik Uhde „sonst hätten wir wirklich ein Problem gehabt“.
Zuhause angekommen zog sich das Vorhaben der Instandsetzung über die Jahre hin, da es viele Originalersatzteile nur schwer zu beschaffen gab. „Wir haben sehr darauf geachtet, dass der Schlepper in seinem Originalzustand bleibt. Deshalb haben wir ihm auch seinen Patina-Anblick in Rostbraun gelassen und nur Klarlack aufgetragen“, betont Heinz Uhde. Das technische Innenleben habe man jedoch auf den neuesten Stand gebracht. So etwa alle Bremsen erneuert, die Einspritzpumpe und die Kolben überholt und ein neuer Kühler eingebaut.
Im April 2014 war es dann endlich soweit, dass der Trecker erfolgreich angekurbelt werden konnte. „Als er dann endlich ratterte, waren wir schon stolz, eine solche Rarität wieder zum Leben erweckt zu haben, denn von diesen Treckern gibt es nur noch sehr wenige“, berichtet Frederik Uhde. Der Schlepper, der dann im Juli dieses Jahres seinen ersten öffentlichen Auftritt beim bunten Umzug anlässlich des Gittelder Schützenfestes hatte, dürfte in Gittelde der wohl älteste Traktor sein, sagt Heinz Uhde. „Man muss anscheinend erst über 60 Jahre alt werden, um endlich mal Zeit für ein solches Unternehmen zu haben“.
Der Trecker der Marke Orenstein & Koppel wurde 1939 im Nordhausener Werk gebaut. Das Werk wurde im Zuge der „Arisierung“ in MBA Maschinenbau und Bahnbedarf umbenannt und ab 1942 wieder unter dem Namen O & K geführt. Der Trecker wird von einem Feldbahnen-Motor (2-Zylinder/4-Takter/30 PS) angetrieben. Die Leistung ist auf sechs km/h begrenzt.