Andächtiges und heiteres Liedgut aus Russland

Das Vokalensemble Harmonie St. Petersburg bei seinem Auftritt in der Gittelder St. Mauritius Kirche.

Das Vokalensemble Harmonie St. Petersburg begeisterte in der Gittelder St. Mauritius Kirche

„Schon seit Wochen freue ich mich auf diesen Abend", sagte Pfarrerin Melanie Mittelstädt bei ihrer Begrüßung in der St. Mauritius Kirche. „Auch wenn der letzte Besuch des Vokalensembles Harmonie schon zwei Jahre her ist, klang dieses Konzert noch lange in mir nach.” Und auch bei ihrem jetzigen Besuch am vergangenen Donnerstag grenzte es schon wieder ein wenig an Zauberei, was sich in der St. Mauritius Kirche in Gittelde abspielte.

Bereits mit dem ersten gesungenen Ton eroberte das Ensemble mit seinen großartigen Stimmen das Publikum im Sturm und ließ den Funken ihrer musikalischen Leidenschaft überspringen. Harmonisch, feinfühlig und sehr professionell präsentierten die sechs Ensemble-Mitglieder unter der Leitung von Alexander Andrianov russische geistliche Lieder, Romanzen und Volkslieder aus acht Jahrhunderten mit Tiefgang. Dabei überwältigte vor allem das große Klangspektrum, von den hellen Tönen der Tenöre bis hin zu den tiefen Bässen. Die harmonische Abstimmung aller Sänger war perfekt. Zudem agierte jeder einmal als Solist, ohne sich dabei zu sehr in den Vordergrund zu spielen.
Das Konzert begann mit russischen geistlichen Stücken wie „Lobet den Herrn" und dem „Geistlichen Konzert Nr. 32" von Dimity Botnjansky. Als gekonnte Überleitung zu den Volksliedern folgten russische Romanzen, die mal heiter, mal melancholisch daherkamen. Aber auch der Humor kam bei dem Konzert des Sextetts nicht zu kurz. Mit einer gelungenen und gewollt übertriebenen schauspielerischen Einlage, die fast einer kleinen Operette glich, bot das Ensemble das russische Volkslied „Die Lindenschuhe" dar. In dem Stück geht es um ein junges Liebespaar, das gerne heiraten möchte, der Vater des Mädchens dies jedoch verbietet, sich aber später doch erweichen lässt. Mit Standing Ovations und Bravo-Rufen zollte das Publikum seinen Respekt vor der grandiosen solistischen Darbietung des Bariton Evgeni Wischnewskij Senior bei dem Werk „Eintönig klingt das Glöckchen", das mit seiner melodischen Traurigkeit für wohlige Gänsehaut sorgte. Überhaupt war das Publikum von allen Akteuren so sehr begeistert, dass während des Abends immer wieder Bravo-Rufe zu hören waren. Sehr sympathisch und mit einem wohlklingendem Deutsch mit russischem Akzent führte Boris Karandassov (Zweiter Tenor) durch den Abend, in dem er die Stücke ankündigte und etwas über die Geschichte erzählte.
Großartige Stimmen und viel Leidenschaft für die Musik vereinten sich an dem Abend mit einem Einblick in das Liedgut Russlands. Die Zuschauer waren begeistert.