Die alte „Bulldogge“ zieht noch Furchen

Wenn es seine Zeit erlaubt, unternimmt Uhde eine Ausfahrt mit dem 60 Jahre alten Lanz Bulldog. (Foto: Niemann)

Frederik Uhde hat ein Herz für alte Landmaschinen / Besonders hängt er an seinem blauen Lanz von 1953.

Es pufft und knallt. Der Motor röchelt. Rauch steigt auf und es stinkt. Frederik Uhde steht zuversichtlich vor einem rustikalen Ungetüm in azurblau, in seinen Händen das Schwungrad, welches er hektisch hin und her bewegt. Eine wirklich schweißtreibende Aufgabe. Und dann kommt dieser Moment der Spannung: Wird er anspringen oder braucht es noch einen Versuch?

Uhde hat Glück, der Lanz Bulldog 1706 springt tatsächlich beim ersten Mal an. Zwar mit einem Höllenlärm, aber er läuft. Einmal in Bewegung gesetzt, wird er nicht wie gehofft leiser sondern eher noch lauter. Inzwischen hat auch die Nachbarschaft mitbekommen, dass Frederik Uhde wieder einmal eine Ausfahrt plant. Manche von ihnen sehen so aus, als wollten sie Beifall dafür klatschen, dass der alte Trecker tatsächlich angesprungen ist. Vielleicht hoffen sie aber auch nur, dass er möglichst schnell weiterfährt. Uhde steigt auf sein rüstiges Gefährt und versucht, es sich im Fahrersitz bequem zu machen, was wegen mangelnder Beinfreiheit nicht gelingen kann. Aber was ist schon Bequemlichkeit gegen das erhabene Gefühl auf einer echten Antiquität zu sitzen. Während der Fahrt wird sein ganzer Körper durchgerüttelt, jede Bodenwelle nimmt der Bulldog mit .Zu zweit auf dem Trecker zu sitzen stellt noch eine größere Herausforderung dar. Sich während der Fahrt gepflegt zu unterhalten, ist praktisch unmöglich. Aber sich Anbrüllen geht. Uhde biegt auf die Bahnhofstraße ein und fährt mit Höchstgeschwindigkeit. Tempo 20 – was einem auf dem Trecker wahnsinnig schnell vorkommt. Die Sonne scheint den Passagieren ins Gesicht, Wind und Abgase wehen ihnen um die Nase. Die Straße und andere Verkehrsteilnehmer erscheinen auf einmal in einem ganz anderen Licht, man fühlt sich „oben auf dem Bock“ viel ursprünglicher, rustikaler und freier - kein Dach, das einem die Aussicht nimmt. Viele Autofahrer, die an Uhde vorbeirauschen, grüßen freundlich. Unter ihm: 60 Jahre alte Landmaschinentechnik, die noch tadellos funktioniert. Bergauf muss der alte Trecker ganz schön schnaufen. Doch auch wenn es sich manchmal so anhört, als ob der Motor jeden Moment „ins Gras beißen“ könnte: Er läuft und läuft und läuft.
Vor 15 Jahren haben er und sein Vater Heinz sich den Lanz Bulldog Baujahr 1953 angeschafft, ein Halbdiesel mit 17 PS. Halbdiesel bedeutet, er wird auf Benzin angelassen, und wenn er warmgelaufen ist, auf Diesel umgestellt. „Mein Opa hatte früher so einen, hat ihn aber leider verkauft. Das habe ich ihm als kleiner Junge auch wirklich sehr übel genommen”, erzählt Uhde. „Dieser hier stammt auch aus Gittelde. Der Besitzer wollte sich von ihm trennen, und so haben mein Vater und ich ihn quasi kostenlos übernommen. Als Gegenleistung haben wir lediglich sein Scheunentor reparieren müssen.“ Größere Reparaturen waren bisher kaum nötig, das meiste, wie kleine Roststellen ausbessern oder die Elektrik erneuern, Blinker und Licht einbauen konnten die beiden selbst erledigen. „Nach einem Jahr haben wir ihn lackiert“, berichtet er. „Verschrotten kann man nämlich nur einmal, und dann sind alte Dinge für immer weg.”