Die Flurnamen rund um die Stauffenburg

Interessierte Zuhörer im vollbesetzten Großen Hörsaal des NFBZ.
 
Jens Kurdum referierte.

Vortragsabend der Heimatvereine Gittelde und Münchehof stieß auf lebhaftes Interesse

Wer geglaubt hatte, dass die Vorweihnachtszeit oder das winterliche Wetter Interessenten daran hindern könnten, einen heimatgeschichtlichen Vortrag zu versäumen, sah sich getäuscht. Bis auf den allerletzten Platz war nämlich der Große Hörsaal des Niedersächsischen Forstlichen Bildungszentrums (NFBZ) in Münchehof besetzt, als der Vorsitzende des Heimatvereins Münchehof e. V., Dieter Pöppe, zugleich im Namen seines Pendant Bodo Biegling vom Heimat- und Geschichtsverein Gittelde mit freundlichen Worten die vielen Gäste willkommen hieß. Sein besonderer Gruß galt an diesem Abend dem Hausherrn, Forstdirektor Hans-Ulrich Stolzenburg mit einem herzlichen Dank für die Bereitstellung der Räumlichkeiten, und natürlich dem Protagonisten des Abends, dem Forstbeamten i.R. Jens Kurdum aus Opperhausen. Kurdum, der sich seit Langem sehr intensiv und akribisch mit der Sammlung, Beschreibung und Deutung von Flurnamen wissenschaftlich beschäftigt, konnte an diesem Abend für einen Vortrag zum Thema Flurnamen im Bereich der Stauffenburg im sogenannten Landteil (Staatsforst außerhalb des Harzes) des Niedersächsisches Forstamtes Seesen gewonnen werden. Eingangs vermittelte der Referent, der während seines gesamten Vortrages seine Zuhörer zu fesseln verstand, Informationen zum sprachlichen Verständnis und machte deutlich, dass sich die meisten Flurnamen aus dem mittelniederdeutschen Sprach­gebrauch ableiten und sich aus der Verständigung der Bewohner eines Ortes in ihrer Arbeits- und Lebenswelt entwickelten. Oft sind die Flurnamen, die zum überwiegenden Teil in den Jahren 1100 bis 1350 entstanden sind, verbunden mit dem Eigentum, der Lage, der Verwendung, der Bodenbeschaffenheit, dem Bewuchs oder dem Zuschnitt der Flächen. Bei der Erforschung der Flurnamen dienten dem Referenten unter anderem der Atlas vom Kommunionharz aus dem Jahr 1680, die Karte des Landes Braunschweig im 18. Jahrhundert, forstliche Betriebskarten aus dem 19. und 20. Jahrhundert und die Flurnamensammlung von Prof. Dr. Hahne aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse wurden dann tabellarisch von ihm aufgelistet und machten es so möglich, die in den verschiedenen Epochen verwandten Flurnamen miteinander zu vergleichen und sie letztlich zu deuten. Auf diese Weise hat Kurdum über 100 Flurnamen des Stauffenburger Waldes gesammelt, analysiert, beschrieben und letztlich gedeutet. Einen Teil seiner Untersuchungen stellte er im Laufe des Abends vor und erläuterte detailliert Flurnamen wie zum Beispiel „Die langen Äcker“, Heerbusch, Aarßscharre, Fischpfahl, Grefenhermanns Berg, Hottenberg, Lauseeiche, Nesseltal oder Sackau. Alle Ausführungen wurden mit entsprechendem Kartenmaterial untermauert, so dass sich die Zuhörer auch ein Bild von der Lage des jeweils beschriebenen Flurstückes machen konnten. Unter anderem ging Kurdum auch auf den Flurnamen Holenberg nahe der Domäne Fürstenhagen ein, dessen Bezeichnung sich entweder vom mittelniederdeutschen Wort „Hol“ wie Höhle, Loch, Enge oder Engpass ableitet, „Holler“ wie Holunder oder „Holden, holen, halen“ wie anhalten. Nach der Regionalkarte des Institutes für Historische Landesforschung der Universität Göttingen gab es an dieser Stelle einen Zoll. Die Bezeichnung „bey dem Zollhause“ fand Kurdum auch im Kommunionharzatlas wieder. Der Sprachwissenschaftler Dr. U. Scheuermann deutet „Holden“ auch als Hinweis auf eine Stelle, auf der das Vieh angehalten und gemolken wurde (Kauläger am Ildehäuser Weg). Kurdum: „Aus diesen Fakten ergibt sich, dass nicht immer eine eindeutige Zuordnung möglich ist. Es spricht jedoch vieles dafür, dass in diesem Fall das Anhalten am Zoll gemeint ist.“
So oder so ähnlich ergaben sich auch bei anderen Bezeichnungen mehrere Interpretationen, an denen sich auch die vielen interessierten und gut informierten Zuhörer beteiligten. Zum Abschluss des außerordentlich interessanten Vortrages dankte Bodo Biegling dem Referenten sehr herzlich für seinen Vortrag und wies noch darauf hin, dass die Möglichkeit besteht, sowohl das über die Flurnamen von Jens Kurdum verfasste Werk, als auch das von Biegling aktuell herausgegebene Buch „Geschichte im Flecken Gittelde“ käuflich zu erwerben. Es versteht sich von selbst, dass davon rege Gebrauch gemacht wurde.