Eine äußerst ungewöhnliche Englischstunde

Szene aus dem englischen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. (Foto: Bordfeld)

Berliner Autor gastiert mit „Sandkorn-Theater“ in Gittelde

Gittelde (pb). Es war einmal eine kleine Kaffeekanne, ein winziges Steckenpferd, ein vielseitiges Tambourin, sieben Zwergenmützen und ein Mann, der alles zu einem märchenhaften Handpuppentheaterstück werden ließ. Die Rede ist von Reiner Anding, der mit seinem Sandkorn-Theater aus Berlin nach Gittelde gekommen ist, um den Schülern der dritten und vierten Klassen der Grundschule Gittelde und denen der dritten Klasse der Ganztagsschule Eisdorf eine märchenhaft lebendige Englischstunde zu ermöglichen.
Denn der Autor, Szenograf, Musiker, Regisseur und Akteur aus der Bundeshauptstadt, war nicht allein gekommen. Er hatte neben der ungewöhnlichen Bühne auch nicht alltägliche „Personen“ mitgebracht, um das Märchen „Snow White And the Seven Dwarf“ faszinierend und lehrreich in Szene zu setzen.
Die kleine Kaffeekanne entpuppte sich nämlich als die böse Stiefmutter, und ein fescher, mit einem Irokesenschnitt gestylter Prinz galoppierte auf besagtem Steckenpferd seinem Glück entgegen. Die Zwerge waren, von den feschen Hüten abgesehen, unsichtbar, Snow White war eine zierliche, gesichtslose Handpuppe und das Tambourin ein Mehrzweckbühnenbild. Eines hatten alle gemeinsam: Sie zogen die Kinder und Lehrkräfte in den Handpuppentheaterbann. Die Auftritte all dieser Wesen waren spitzenmäßig, insbesondere die der sieben Zwerge, welche die Finger und Geschicklichkeit von Reiner Anding besonders beanspruchten.
Anding, der sich selbst als künstlerischen Leiter des Sandkorn-Theaters bezeichnet, studierte an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin und kam dabei per Zufall mit dem modernen Figuren- und Objekttheater in Berührung. Die Begegnung beschäftigt ihn bereits seit 33 Jahren und inspiriert ihn immer wieder, Englisch-Unterricht auf einer ganz anderen Schiene zu vermitteln. Dass er damit nicht auf ein Abstellgleis geraten ist, zeigten ihm nicht bloß die Kinder in Gittelde, das erfuhr er beispielsweise sogar schon in Japan.
Denn weil die Kinder zumeist das Grimmsche Original „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ schon kennen, war es für die Schüler ein besonderer Leckerbissen, das Märchen einmal nicht nur in englischer Sprache, sondern auch mal nicht in gedruckten Worten zu erfahren.
Und der Gast aus Berlin machte nicht Schluss, als der „Vorhang fiel“, er stellte sich den Fragen der Zuschauer, die in erster Linie in Erfahrung bringen wollten, wie lange der Gast vom Berliner Theater für ein bühnenfertiges Stück proben muss. Wenn er die gut ein halbes Jahr währende Vorbearbeitungszeit abzöge, käme er auf zweieinhalb Monate des reinen Probens. Warum er nun beispielsweise eine Kaffeekanne und ein Steckenpferd als Märchenwesen einsetzt, hänge damit zusammen, dass er keine langweilen, alltäglichen Handpuppen auf die Bühne stellen will.