Einen großen Industriepark als Zukunftsvision

Andreas Hardt, Samtgemeindebürgermeister Harald Dietzmann, Wolfgang Pilster und Manfred Hellmich blicken optimistisch in die Zukunft (bon links).
 

Die endgültige Insolvenz des größten Arbeitgebers in Gittelde, dem Leiterplattenhersteller Fuba, hat viele Menschen im vergangenen Jahr schwer getroffen. Lange sah die Zukunft auf dem Industriegelände im Herzen der kleinen Gemeinde nicht sehr vielversprechend aus. Doch inzwischen stehen die Zeichen nicht schlecht. Das Firmengelände wurde nach zähen und langwierigen Verhandlungen verkauft. Käufer ist die Industriepark Gittelde GmbH.

Am Anfang steht immer ein Traum, eine Idee, bevor etwas großes entstehen kann. Ähnlich oder fast genauso stellt es sich bei Manfred Hellmich, Wolfgang Pilster und Andreas Hardt dar. Die drei hatten eine Idee, und haben jetzt eine Vision: einen Industriepark im Herzen von Gittelde.
Doch zunächst muss die Geschichte von Anfang an erzählt werden. Wolfgang Pilster und Manfred Hellmich erstanden im Zuge des Insolvenzverfahrens, mit ihrer Firma MID Solutions, einen Teil der Maschinen aus den Beständen der Firma Fuba und mieteten im Oktober 2009 einige Räumlichkeiten (2500 Qudaratmeter) auf dem Gelände in Gittelde an. Seit diesem Zeitpunkt produzieren die beiden mit ihrer Firma Platinen, die in der Telekommunikation, Antennentechnik, Automobilindustrie, Steckverbinderindustrie und Medizinelektronik und Datentechnik zum Einsatz kommen. Pilster und Hellmich kommen ursprünglich aus der „Leiterplatte“, wie sie sagen. Eine eigene Firma, in der sie eigene Vorstellungen verwirklichen können war immer ihr Traum. Über das notwendige Know-How verfügen die beiden. Ihre Firma hat Abnehmer in der ganzen Welt. Die besten Kunden kommen aus China. Die Zukunft sieht gut für ihre Firma aus. Weltweit gibt es nur fünf Unternehmen, die ähnliche Techniken wie die MID Solutions anbieten – eine überschaubare Anzahl an Wettbewerbern auf einem unglaublich expansionsfreudigen Markt.
Doch diese Entwicklung reicht den beiden Unternehmern nicht aus. Im Rahmen des Insolvenzverfahrens wurde ihnen das komplette Gelände zum Kauf angeboten. Auf den ersten Blick ein super Angebot, doch es müssen auch tragfähige Konzepte entwickelt werden. Sprich, es musste ein umfassendes Nutzungskonzept für die Immobilie entwickelt werden. Zusammen mit ihrem Geschäftspartner Andreas Hardt entwickelten Pilster und Hellmich die Idee, einen Industriepark in Gittelde zu errichten und schalteten sich in die Bieterrunde um den Erwerb des 26000 Quadratmeter großen Firmengeländes ein. „Dieses Verfahren erwies sich als äußerst zäh, was jedoch vor allem dem Insolvenzverfahren geschuldet ist“, so Hellmich gegenüber der Presse.
Die Entscheidung sich aktiv um den Kauf der Immobilie zu bemühen erfolgte schon vor Weihnachten 2009. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Unternehmer auch schon Samtgemeindebürgermeister Harald Dietzmann in ihre Pläne eingeweiht. Gemeinsam mit der Verwaltung unter Federführung Dietzmanns wurde erarbeitet, in welcher Form die Samtgemeinde den ambitionierten Unternehmern unter die Arme greifen könne. Angetan von der Idee, dem ehemaligen Fuba-Gelände neues Leben einzuhauchen setzte Dietzmann alle Hebel in Bewegung, um Hellmich, Pilster und Hardt alle Steine aus dem Weg zu räumen, die mit den Mitteln der Samtgemeinde vereinbar sind.
Am 1. Mai dieses Jahres ging das ehemalige Firmengelände der Fuba für einen hohen sechsstelligen Betrag, jedoch weit unter dem eigentlichen Wert der Immobilie, in den Besitz der Industriepark Gittelde GmbH über. Die Übertragung des Eigentums wird in den nächsten Wochen erfolgen. Begeistert sprechen die drei von den Möglichkeiten, die das Industriegelände bietet. „Die Infrastruktur des Geländes und vor allem die Verkehrsanbindung sind ideal, die kompletten Gebäude sind IT-technisch auf dem neuesten Stand und sofort einsatzfähig“, beschreibt Pilster die Vorzüge des Geländes.
Besonders die Struktur der Industrieanlage erlaubt es, Firmen aus verschiedenen Bereichen und Sparten anzusiedeln. „Das Gelände der Fuba ist über die Jahre sukzessiv gewachsen. Die stückhafte Bauweise kommt unseren Plänen jetzt sehr zu Pass. Viele verschiedene Firmen können sich hier ansiedeln, und alle haben einen separaten Zugang zu ihren Produktions- und Geschäftsräumen“, erklärt Pilster die optimale Aufteilung des Geländes. Welche Art von Unternehmen sich die drei für die Zukunft vorstellen lassen sie offen. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wir wollen uns keine Denkverbote auferlegen. Jeder, der eine Idee hat und über notwendiges Kapital verfügt oder bereits eine gut funktionierende Firma betreibt, kann sich gerne an uns wenden“, so Hellmich und Pilster. Mit dem Stichwort „Denkverbote“ spielen Pilster und Hellmich auf die Variabilität ihres Konzeptes an. Unabhängig davon, ob jemand ein „Paintballanlage“ oder ein „Fitnessstudio“ auf dem Gelände errichten will, die Industriepark Gittelde GmbH ist laut Aussage der Geschäftsführer, allen Ideen gegenüber offen. Beste Verbindungen zu Universitäten sowie zu regionalen und überregionalen Unternehmen bestünden bereits. Neben der aktiven Akquise von potenziellen Mietern seien auch schon mehrfach Interessenten an die GmbH herangetreten.
„Unser Traum wäre es, wenn wir es schaffen zwei bis drei große Unternehmen innerhalb der nächsten Jahre zu etablieren und die restlichen Räume an kleinere Unternehmen und Dienstleister zu vermieten oder zu verkaufen“ erläutert Andreas Hardt die Vision für die Zukunft. Samtgemeindebürgermsiter Dietzmann steht dem Industriepark Gittelde sehr positiv gegenüber. Er hoffe, dass die Nutzung und die Etablierung eines Industrieparks in Gittelde nachhaltig verläuft.