Elternschaft hat eine 180-Grad Kehrtwende hingelegt

Noch keine Einigung bezüglich einer Offenen Ganztagsschule in Gittelde in Sicht

Eine 180-Grad Kehrtwende hat die Elternschaft bezüglich der Einrichtung einer Offenen Ganztagsschule (OGTS) in Gittelde hingelegt. Rotraut Dröge, Schulleiterin der Grundschule am Kaisergarten, berichtete vor dem Samtgemeinde-Ausschuss für Schule, Jugend, Soziales und Gleichstellungsfragen von noch 78 Prozent, die Anfang des Schuljahres für die OGTS plädiert hätten, bei einer Umfrage im Februar hingegen gab es nur noch acht Stimmen von 95 abgegebenen, die für das Projekt votierten.

Von Camillo Kluge

Gittelde. Dröge skizzierte noch einmal die letzten Monate mit Informations- und Diskussionsveranstaltungen, die nun das drastische Umdenken zur Folge hatten. „Die Eltern möchten ein alternatives Betreuungsmodel mit qualitativ guten Angeboten und flexiblen Zeiten“, so Dröge. Dabei sollen die Kinder auch die Möglichkeit haben, bis 17 Uhr betreut zu werden, und das Angebot soll auch freitags gelten. Zudem soll ein Teil der Ferien ebenfalls abgedeckt werden. Eine Schulvorstandssitzung mit Samtgemeindebürgermeister Harald Dietzmann und dem Fachbereichsleiter Joachim Grupe verlief ergebnislos. „Der Schulträger wehrte sich gegen eine Abkehr von dem Projekt“, so Dröge. Ende des Monats, so verriet sie, würde sie Referenten erwarten, die ein solches alternatives Projekt erfolgreich inszeniert und vor allem auch finanziert hätten.
„Niemand wird in Erwägung ziehen, eine Ganztagsschule gegen den Willen der Eltern einzurichten“, sagte Grupe. Ein Problem sei jedoch die Gleichbehandlung der Schulen, der sich die Samtgemeinde unterworfen habe. Derzeit habe das Land die Förderung der Umwandlung, jährlich etwa 17.000 Euro, jedoch noch nicht zugesagt. Käme von dort eine Absage, müsste alles neu überdacht werden. Ansonsten gebe es laut Grupe drei Möglichkeiten. Einmal könnte der Ratsbeschluss umgesetzt werden, also zum kommenden Schuljahr die Gittelder Grundschule in eine OGTS gewandelt werden. Die zweite Variante wäre ein von Vereinen und Eltern finanziertes Betreuungsangebot. Doch er warnte: „Ohne Elternbeiträge wird da nichts gehen.“ Ob sozial weniger gut Gestellte das überhaupt mittragen können, oder würden die besser situierten Mehrkosten tragen? Zudem kämen andere Probleme wie zum Beispiel der Transport der Schüler. Als seinen Favoriten nannte Grupe die dritte Variante, nämlich die OGTS umzusetzen und „als Sahnehäubchen obendrauf“ die von der Elternschaft favorisierten Betreuungsangebote zu platzieren.
Auch die Ausschussmitglieder hatten ihre Probleme mit der neuen Situation. „Wir wollten eigentlich alle Schulen gleich behandeln“, sagte Walter Lagershausen (SPD), nahm damit den meisten Ausschuss-Mitgliedern das Wort aus dem Mund. Dem Vorschlag von Jürgen Rähmer (Die Grünen), diese Angelegenheit neu und in den Fraktionen zu beraten, wurde einstimmig aufgegriffen.
Aus den Arbeitskreisen Schulen und Kindergärten brachte Grupe kurze Berichte mit. Gemeinsam mit der Polizei und der Verwaltung erarbeiten die Schulen ein Sicherheitskonzept. Die Ergebnisse sollen nach Beratungsrunden dann auch zum Teil umgesetzt werden. An den Kindergärten geht es um eine Ausweitung der Betreuungszeit. Dazu gibt es verschiedene Modelle, angefangen bei einem zentralen „Ganztageskindergarten“ bis hin zu wechselnden Einrichtungen, die länger offen haben.
Die Jahresabschlüsse der Kindergärten für 2010 wurden vom Ausschuss genauso einstimmig verabschiedet wie die Haushalte für das laufende Jahr. Dabei muss die Samtgemeinde die Kindergärten mit über 640.000 Euro bezuschussen. Schließlich wurde noch das „Integrationskonzept der Offenen Ganztagesschule Eisdorf“ verabschiedet. „Das geht dieses Jahr letztmalig“, so Rektorin Iris Keller, „dass wir dies als Konzept und Modell einreichen können und dafür einige Lehrerstunden mehr bekommen.“ Danach werde die Integration von Kindern mit dem „Förderschwerpunkt Lernen“ Pflicht an den Schulen. Rähmer betonte, dies sei auch Umsetzung von EU-Recht, dass Eltern ihre behinderten Kinder an eine normale Schule schicken können.