Garn und Spulen ein Leben lang

Annelies Lindow zeigt wie viele Klöppelarten es gibt. Im Hintergrund zwei ihrer Arbeiten. (Foto: bo)

Klöppeln ist die große Leidenschaft der 85-jährigen Gittelderin Annelies Lindow / Ihr besonderer Stolz ist eine Altardecke

Als Annelies Lindow mit 196 spindelförmigen Spulen und unendlich viel Garn zwei hübsche Gardinen für die neu eingerichtete Küche des Heimat- und Geschichtsvereins klöppelte, war sie in ihrem Element. Denn die Gittelderin hat sich fast ihr ganzes Leben lang der heute recht selten gewordenen Freizeitbeschäftigung, dem Klöppeln, verschrieben. Und die 85-Jährige denkt noch lange nicht daran, Spulen und Garn beiseite zu legen. Wer in ihre gemütliche Wohnstube kommt, hat das Gefühl in einer kleinen Handarbeitswerkstatt gelandet zu sein: Überall liegen fertige und sich in Arbeit befindliche Werke, die von Spitzen an Puppenkleidung über Wandbilder bis hin zu Deckchen und einem Dreiecktuch reichen.
Annelies Lindow kommt ursprünglich aus einem Ort am Fuße des Erzgebirges, einer traditionellen Klöppelregion. Dort hatte sie schon in ihrer Kindheit immer den Klöppelfrauen auf die Finger geschaut. Dann vergingen jedoch viele Jahrzehnte, bis sie sich der mit ihrer Kindheit verbundenen Handarbeit widmete. Auslöser war ein Bericht im Radio, in welchem eine Frau aus Buntenbock über ein Buch sprach, das sich mit dem Klöppeln befasste und sie vor viele unlösbare Rätsel stellte. Das war vor genau 33 Jahren.
Annelies setzte sich mit dieser Frau in Verbindung und stand vor dem nächsten Problem. Sie hatte nämlich noch keinen Führerschein und konnte so nicht ohne Hilfe zur Klöppelstube nach Buntenbock fahren. Also entschloss sie sich im Alter von 52 Jahren den Führerschein zu machen.
Im Besitz ihres Führerscheins konnte sie so auch die Klöppelstuben in Clausthal-Zellerfeld und Eisdorf aufsuchen. Bei den Treffen wurde das Wissen um die rund 40 verschiedenen Klöppeltechniken ebenso ausgetauscht, wie das über die unterschiedlichsten Materialien. Aber auch die Bildklöppelei hat es der Gittelderin angetan. Auch wenn Klöppelstuben heutzutage so gut wie nicht mehr existieren denkt Annelies Lindow nicht ans Aufhören.
Sie klöppelt aber nicht nur für sich, sondern auch für Verwandte und Bekannte. Ganz besonders stolz ist sie auf den Klöppelbrief und die neun Meter lange Altardecke, die sie für die St.-Mauritius-Kirche geklöppelt hat.