Künstler zwischen Dorf und Großstadtleben

In den Sommermonaten wird der gebürtige Gittelder und Künstler Hans-Jürgen Giesecke gerne zum Handwerker und tauscht die Leinwand gegen Hauswand.

Der ehemalige Kunstdozent Hans-Jürgen Giesecke aus Gittelde führt inzwischen ein vielseitiges Leben in Hannover

Mit einem kleinen Koffer und seinem rostigen Fahrrad fing für Hans-Jürgen Giesecke in Hannover ein neues Leben an. Nach seinem Abitur, das er 1956 in Seesen bestand, kehrte er seinem Geburtsort Gittelde den Rücken und zog nach Hannover, wo er zuerst ein Lehramtstudium und anschließend ein Kunststudium absolvierte.

33 Jahre war der heutige Pensionär Kunstdozent an der Universität Hannover und am Institut für Ästhetische Bildung. 1968 präsentierte er erstmals seine Bilder auf der Herbstausstellung Niedersächsischer Künstler in Hannover. Etliche Gruppen- und Einzelausstellungen, darunter auch die wohl bedeutendste beim Deutschen Künstlerbund folgten, womit sich Hans-Jürgen Giesecke im Laufe der Zeit als Künstler mit Schwerpunkt Malerei einen Namen geschaffen hat. Seine Bilder beschäftigen sich mit den Themen Landschaften, Wald, Früchte und Stillleben. Aber auch etliche Grafiken, Gedichte sowie Objektkunst gehören zu seinem Repertoire. Giesecke bewegt sich als renommierter und engagierter Künstler mit seinen Werken in der Hannoverschen Kunst- und Kulturszene, die für einen aufgeschlossenen und interessierten Geist sehr viel zu bieten habe.
Doch für regelmäßig drei bis fünf Monate im Sommer wird Gittelde wieder zu seiner Heimat auf Zeit. Dann verbringen er und seine Frau Barbara die Ferien in seinem Elternhaus aus dem Jahr 1911. Den Sommer im Garten genießen, Kontakte pflegen und das Haus auf Vordermann bringen stehen dann auf dem Programm. Mit viel Liebe zum Detail hat das Ehepaar das Haus nach und nach renoviert, Zimmer saniert und ehemalige Ställe und Scheunen in ein Sommerwohnzimmer im Landhausstil verwandelt sowie mehrere Galerie- und Arbeitszimmer eingerichtet.
Dann wird der Künstler gerne zum Handwerker und Anstreicher, tauscht die kreative Leinwand gegen Zimmerwände und Holzbalken, greift zur Malerrolle oder auch schon mal zur Kettensäge. „Bei einem alten Haus mit Garten gibt es immer etwas zu tun, und dann muss man auch mal eine Kettensäge benutzen“, erzählt der inzwischen 77-Jährige, „damit kann ich besser umgehen als zum Beispiel mit einem Computer“.
Nebenbei gibt er ehrenamtlich Skiunterricht in St. Andreasberg und Tennisstunden auf den Außenplätzen des Gittelder Tennisvereins. Beim Training mit Kindern und Erwachsenen geht es sehr humorvoll, aber dennoch diszipliniert zu. Mit seiner sympathisch lockeren Art, einer einzigartigen Ruhe und viel Geduld sorgt er auf dem Platz für eine angenehme und motivierende Atmosphäre, die erahnen lässt, wie es wohl früher in seinem Lehrsaal an der Universität zugegangen sein muss. Seine wohldosierte Ironie und eine gehörige Portion Selbstironie lassen Berührungsängste schnell verschwinden.
Der dörflichen Ruhe gegenüber steht sein Wirken in seiner Wahlheimatstadt Hannover im Stadtteil Linden. Das Stadtleben sei für ihn ein vielseitiges, manchmal auch anstrengendes Leben, das mit der Wahrnehmung vieler offizieller Termine verbunden sei. In der Stadt ist er Manager, Kurator, Redner und Künstler. Auch wenn er eigentlich ein „Anti-Vereinstyp“ sei, wie er selber sagt, ist er seit vielen Jahren 1. Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Lebendiges Linden, der sich für die Förderung des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens des Stadtteils und dessen Öffentlichkeitsarbeit einsetzt. Die Stadtentwicklung, das Einbeziehen der Bewohner und der Erhalt der Lebendigkeit des Stadtteils lägen ihm und dem Verein besonders am Herzen. Als Kurator ist er zudem für die Hannoversche Volksbank tätig.
Das kulturelle Nachtleben in der niedersächsischen Hauptstadt wird von dem Ehepaar Giesecke oft und gerne in Form von Theater- und Konzertbesuchen genutzt. Zudem organisiert er nach wie vor regelmäßig Ausstellungen und ist selbst noch aktiver Künstler. Im vergangenen Jahr stiftete er am Totensonntag zwei großformatige Bilder zum Thema Trauer und Auferstehung der Gittelder St.-Johannes-Kirche, zu der aus seiner Konfirmandenzeit noch eine enge Beziehung bestünde.
Auch wenn er die meiste Zeit des Jahres in Hannover verbringen würde, fühle er sich mit seinem Geburtsort eng verbunden und könne sich die Abwechslung durch diesen anderen Lebensstil in Gittelde nicht vorstellen. „Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Viele Freundschaften sind noch vorhanden, die ich gern pflege“, erzählt Giesecke „deshalb komme ich immer wieder hierher, und weil ich eben auch zwischendurch gerne mal der Handwerker bin“.