Meisterwerk des Montanbaus feierlich gewürdigt

Bei der Andacht am Sonntag vor dem Mundloch des Ernst-August-Stollens in Gittelde. (Foto: Niemann)
 
Der Knappenverein Bad Grund mit Pastorin Melanie Mittelstädt und Bergoberrat Dr. Wolfgang Lampe (ganz rechts). (Foto: Niemann)

Über 200 Gäste kamen in die St.-Mauritius-Kirche, um den 150. Jahrestag des Ernst-August-Stollens zu begehen

Er gehört zum umfangreichen System von Gräben, Stollen und Teichen des UNESCO-Welterbes der Oberharzer Wasserwirtschaft und gilt als einer der längsten unterirdischen Stollen Europas. Am 22. Juni 1864 wurde der Ernst-August-Stollen, der vom Mundloch in Gittelde bis zum Schreibfeder-Schacht bei Zellerfeld reicht, nach 13 Jahren Bauzeit fertiggestellt und diente mit seinen 26 Kilometern Länge zur Entwässerung der Gruben von eindringendem Grundwasser.

Sein Bau war zu der damaligen Zeit eine technische und bergbauliche Meisterleistung.
Um die Fertigstellung dieses bedeutenden Bauwerks der Harzer Montangeschichte zu würdigen, stand das vergangene Wochenende ganz im Zeichen eines feierlichen Festaktes mit Vorträgen und Exkursionen. An der Organisation und Gestaltung des zweitägigen Kolloquiums waren das Niedersächsische Bergarchiv, das Institut für Bergbau der TU Clausthal, das Weltkulturerbe Rammelsberg, der Heimat- und Geschichtsverein Gittelde, die evangelische Kirchengemeinde Gittelde-Teichhütte, der Harzverein für Geschichte und Altertumskunde, der St. Andreasberger Verein für Geschichte und Altertumskunde, die Arbeitsgemeinschaft Harzer Montangeschichte, das Bergbaumuseum Lautenthals Glück und die Fachgruppe Gruben- und Höhlenrettung der Bergwacht Harz beteiligt. Die elf Vorträge von renommierten Fachleuten über die Geschichte des Stollens, den Markscheider Eduard Borchers bis hin zu den moderneren Wasserlöse- und -transportstollen, fanden am Sonnabend in der Gittelder Mauritius-Kirche statt, zu denen rund 200 Zuhörer gekommen waren. Pastorin Melanie Mittelstädt begrüßte die Gäste. Zudem betonte sie, dass der Stollen in der Hälfte der dafür veranschlagten Zeit fertiggestellt wurde.
Prof. Dr. Oliver Langefeld vom Institut für Bergbau an der TU Clausthal drückte seine Freude darüber aus, dass die Feierlichkeiten einen so hohen Teilnehmerzuspruch bekommen hatten, mit dem man nicht gerechnet habe. Die Zeit um 1864 sei eine prägende Epoche gewesen, so Langefeld, in der auch technische Neuerungen auf dem Vormarsch gewesen seien, wie etwa die Dampfmaschine, die auch im Bergbau ihren Siegeszug gehalten habe. Im Harz sei jedoch lange Zeit auf die Wasserkraft gesetzt worden, was für die heutige Zeit nur von Vorteil gewesen sei. Langenfeld hob in seiner Ansprache besonders die Mitwirkung von Bergoberrat Dr. Wolfgang Lampe hervor, der bei allen Kolloquien federführend mitwirke, und dankte der Kirchengemeinde sowie den Vortragenden für ihr großes Engagement.
Harald Dietzmann, Gemeindebürgermeister von Bad Grund, sagte, dass die damalige Bauleistung hohe Anerkennung und Bewunderung verdiene und für die Gemeinde ein wichtiger Zeitzeuge bergbaulicher Tätigkeit sei, deren Tradition bis in die Gegenwart reiche.
Auch der Ortsbürgermeister von Gittelde Helge Güttler betonte die besondere Beziehung Gitteldes zum Stollen, da viele Gittelder Bürger in den Harzer Gruben tätig gewesen waren. Mit einer Andacht am Mundloch begann am Sonntag der eigentliche Geburtstag des Stollens, zu dem auch eine Abordnung des Knappenvereins Bad Grund gekommen war. Anschließend ging es zu den drei Exkursionen, die den Teilnehmern die Wasserlösungsstollen im Harz und die Wasserversorgung am Rammelsberg veranschaulichen sollten. Eine Tour führte unter anderem mit einer Grubenfahrt von Lautenthals Glück zum Ernst-August-Stollen.