Vom Analphabeten zum Klassenbesten

Gruppenbild aus Ho: Bettina und Niels Krehan jeweils außen mit Kofi (rechts) und seiner Familie. (Foto: bo)
 
Bettina Krehan gibt dem damals elfjährigen Kofi Nachhilfestunden. (Foto: bo)

Bettina und Niels Krehan aus Gittelde kümmern sich seit 2003 um die Schulbildung eines Jungen aus Ghana

Einfach nur Kind sein dürfen ist im Leben vieler Kinder in den Entwicklungsländern nicht vorgesehen, da sie bereits früh ihren Beitrag dazu leisten müssen, damit die Familie überleben kann. Das galt auch für den damals elfjährigen Kofi aus der Stadt Ho in Ghana (Westafrika), der bis dahin, trotz allgemeiner Schulpflicht, noch nie eine Schule besucht hat. Der Alltag des kleinen Kofi bestand daraus, vom Feld Kieselsteine zu holen, die er dann zusammen mit seiner Großmutter für eine Zementfabrik zerkleinerte.

„Als wir Kofi kennenlernten, war er klein, schmächtig und staksig“, so Bettina Krehan über die ersten Begegnungen im Jahr 2003. Damals hätte sie den Jungen auf maximal neun Jahre geschätzt, das genaue Geburtsdatum wussten dort jedoch sowieso nur die Wenigsten. Zu der Zeit war Niels Krehan, Dipl.-Forstingenieur (FH), mit seiner Frau Bettina in einen Außenbezirk von Ho gezogen, um dort als forstlicher Berater in der Volta Region an einem Entwicklungsprojekt über den Deutschen Entwicklungsdienst mitzuarbeiten. Das Ehepaar lebte in einem von dem Projekt angemieteten Haus, das von einer Mauer umgeben war. Immer wieder kam der kleine Kofi an das Tor, um Papayas oder Bananen vorbeizubringen. „In der Region gehört nicht viel dazu, um ein Ansehen zu genießen“, so Niels Krehan, „als sogenannter ‘White Man’ wird man dort gern gesehen, wahrscheinlich auch, weil man immer mit einem gewissen Reichtum in Verbindung gebracht wird.” Die Familie von Kofi lebte in einem Rohbau, Mutter und Vater gab es nicht. Nach einigen Kontakten folgten erste Gespräche mit der Großmutter, die sie dazu bewegen sollten, Kofi zur Schule gehen zu lassen. Bald schlossen sie einen mündlichen Vertrag, dass der Junge mehr Zeit für Schule und fürs Lernen bekommen sollte und die beiden sämtliche Kosten für Schulgeld und -uniform sowie für Schreibutensilien übernehmen. Von Bettina Krehan bekam der Junge Nachhilfeunterricht, sodass Kofi, was so viel bedeutet wie „der an einem Freitag Geborene“, bald zum Klassenbesten wurde. Außerdem durfte er die freie Zeit auch nutzen, um Kind zu sein und im Garten zu spielen.
Als das Ehepaar im Jahr 2006 wieder zurück nach Deutschland ging, flossen Tränen, auch weil der Junge die beiden „mother“ und „father“ nannte. Bevor sie gingen, kümmerten sie sich jedoch noch um einen Treuhänder, der das Geld, das sie seitdem regelmäßig dem Jungen zukommen lassen, vor Ort verwaltet. „Der Gedanke von Nachhaltigkeit und Langfristigkeit ist den armen Menschen vor Ort nur schwer zu vermitteln“, sagt Niels Krehan, ohne einen vertrauensvollen Treuhänder würde das Geld auch nicht da ankommen, wo es hinsolle.
Heute geht Kofi auf eine weiterführende Schule für Bankwesen und schreibt auch nach wie vor regelmäßig Briefe, in denen er sich immer wieder für die Chance bedankt. „Auch wenn die Menschen dort nicht diesen Drang zur Selbstverwirklichung haben wie wir, hoffen wir doch, dass Kofi später einen guten und sicheren Arbeitsplatz bekommt“, sagt Bettina Krehan. „Wir sind sehr stolz auf ihn und auf das, was Kofi bisher schon alles in seinem Leben erreicht hat. hn