Zum Heizen Scheit Holz mitbringen

Auch in diesem Jahr erwartet die Leser wieder ein Jahrbuch des Heimatchronisten Bodo Biegling. Diesmal hat er das 265 Jahre Güterbuch der Gittelder Kirchen in die heutige Schrift übertragen. (Foto: Niemann)

Gittelder Heimatchronist Bodo Biegling hat neues Jahrbuch veröffentlicht

Auch in diesem Jahr werden die begeisterten Leser der Gittelder Jahrbücher von Bodo Biegling nicht enttäuscht, denn der Heimatchronist hat inzwischen seinen fünften Band herausgebracht.

Sein neues Buch ist ein Nachdruck des 265 Jahre alten Güterbuchess der Gittelder Kirchen St. Mauritius und St. Johannes, in dem sehr detailliert der damalige Vermögensstand der Kirchengemeinde, dörfliche Abgaben und Ereignisse aus Gittelde geschildert werden, die bis ins Jahr 1553 zurückgehen. Der Verfasser dieses handschriftlich gefertigten Güterbuches (corpus bonorum) war der damalige Pastor Christian Joachim Keidel. Dabei sei dieses Werk keine Momentaufnahme von 1751, so Biegling, sondern ein jahrzehntelanges Arbeitsmittel der nachfolgenden Pastoren-Generationen, das bis in die Weimarer Republik (1918-1933) Rechtskraft besaß.
Beim Lesen der Einträge findet man darin aus heutiger Sicht teils sehr skurrile Vorgehensweisen oder Ansichten. So musste zum Beispiel die Taufe eines „unechten“ (also unehelichen) Kindes teuer bezahlt werden. Außerdem war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Kinder im Winter einen Scheit Holz zum Heizen mit in die Schule bringen mussten und der Pastor aus der Bevölkerung mit Bier oder Wurst versorgt wurde. Ein großes Kapitel widmet sich auch dem damals noch üblichen Pfarrwitwentum. Starb ein Pfarrer, so war die Kirche weiter für den Unterhalt der Witwe verantwortlich. Wenn möglich, sollte der dann neu bestellte Pfarrer die Witwe ehelichen. So sei manche Pfarrersfrau auf zahlreiche Ehemänner in ihrem Leben gekommen, schmunzelt der Heimatchronist.
Das Güterbuch ist in der damaligen deutschen Kurrentschrift verfasst, einer Schrift, die in der heutigen Zeit nur noch von wenigen Menschen gelesen werden kann, wie Biegling betont. „Irgendwann wäre dieses einmalige Werk der Gittelder Geschichte für viele nicht mehr lesbar gewesen“. Aus diesem Grund habe er sich mit Begeisterung im vergangenen Winter an die Umschreibung gemacht und in die heute lesbare lateinische Schrift übersetzt.
Beim Stöbern in den Archiven stößt Biegling immer wieder auf neue interessante Kapitel der Gittelder Historie. „Die Gittelder Geschichte bereitet mir viel Freude und solange das Interesse bei den Lesern besteht, mache ich gerne weiter. Es gibt noch viel Spannendes über unseren Ort zu berichten“. Zwei weitere neue Bücher hat Biegling auch schon wieder in Arbeit, auf die sich die Leserschaft bald wieder freuen kann.
Da es sich bei diesem neuen Band um ein sehr spezielles Werk handele, wird der Druck nach Vorbestellung erfolgen. Auf Anfrage ist auch ein hochwertiger Faksimile-Druck des Original Güterbuches lieferbar. Die Auslieferung erfolgt im Dezember.

Das fünfte Jahrbuch „Das Güterbuch der Gittelder Kirchen von 1751“ von Bodo Biegling kostet 9 Euro. Vorbestellungen können bis Mitte November bei dem Autor in der Thüringer Straße 19, Telefon 05327-4801, im Kiosk von Marion Hauck sowie im Pfarrbüro in Gittelde getätigt werden.