„100 Jahre Filmtheater in der Kaiserstadt Goslar“

Jill und Florian Wildmann mit „Senior-Chefin“ Roswitha Wildmann inmitten von „Filmgrößen“, die an diesem Abend für die Gästebetreuung zuständig waren. (Foto: Marx)
 
Familie Wildmann beim Empfang im Cineplex. (Foto: Marx)

Kino in der vierten Generation / Familie Wildmann feiert Jubiläum in Zirkuszelt

Die Familie Wildmann konnte jetzt ein ganz besonderes Jubiläums feiern: „100 Jahre Filmtheater in Goslar – Kino in der vierten Generation“.

Goslar (bo). Es war am 10. September 1910 als Alois Bela Wildmann, Schausteller und Impressario aus Budapest, und seine Frau Elisabeth aus Clausthal am Goslarer Marktplatz das Theater für Unterhaltung und Belehrung eröffneten. 190 Plätze hatte das Haus, und die Idee war nicht neu für den Unternehmer, hatte er doch schon zuvor Theater auch an anderen Orten eingerichtet und geleitet.
Zuvor hatte Alosis Bela Wildmann sich als Manager des Tivoli in Budapest und Dirketor des Zirkus einen Namen gemacht. Nun befand er sich in Konkurrenz zum Kaisertheater, erwies sich aber als beständiger als das Haus, das 150 Besuchern Platz bot. Das Kaisertheater musste bald schließen. Mit herrlichen Naturaufnahmen aus Venedig, dem spannenden Lebensdrama unter dem Titel „Kasperle“ und einem humoristischen Schlager namens „Schwiegermutter kommt“ ging es los.
Dank langer Stummfilme und erster Tonfilme konnte Alois Bela Wildmann schon1911 in Osterwieck und drei Jahre später in Clausthal weitere Häuser eröffnen. Von 1914 bis 1918, also während des 1. Weltkriegs, übernahm Ehefrau Elisabeth die Leitung der Theater. Als Alois Bela Wildmann im Jahre 1920 verstarb, wurde sie alleinige Chefin. Die Sitzzahl stieg von 250 auf 420 Plätze im Jahr 1927. Nach dem 2. Weltkrieg wurde aus dem Goslarer Theater ein Kino für die Besatzungstruppen. Die Amerikaner bestimmten das Programm, ehe Elisabeth Wildmann ab 1948 das Haus wieder so bespielen konnte wie sie wollte.
Dank großer Erfolge in den 50er und 60er Jahren mit Monumentalfilmen, James Bond- und Aufklärungsfilmen war das Theater häufig voll, aber auch Goslar erlebte in den 70 Jahren die Zerstückelung in Kinocenter. Kleine Kinos mit den Namen Maxim und Smoky deuteten schon daraufhin, dass hier auch geraucht und verzehrt werden durfte.
Im Jahr 1983 entstand dann ein Neubau mit drei Kinos und einer Bar. Zwei Jahre später zog man vom Marktplatz in die Breite Straße um. Dort wurde 1985 auch das 75. Jubiläum des Kinounternehmens Wildmann gefeiert. Ein Programmkino bereicherte die Kinolandschaft. Bald konnten Alois Wildmann jun. und seine Frau Roswitha Auszeichnungen für ihr Engagement entgegennehmen.
Die auf fünf Häuser gewachsene Kinofamilie wurde 1987 mit dem Titel „Golden Cinema“ der Zeitschrift „Cinema“ prämiert. Hervorgehoben wurden die gute Ausstattung, Technik und Service. 1995 verstarb Alois Wildmann jun., doch Witwe Roswitha führte das Haus weiter und beschoss eine wichtige umfangreiche Investition. Mit einem Budget von zwölf Millionen Mark erschuf sie das Cineplex Goslar. Ab dem 9. Dezember 1999 boten sich den Besuchern 1278 Plätze in sechs Sälen direkt an der Bundesstraße 6. Das Haus wurde zum größten Multiplex im Harz und im März dieses Jahres an Tochter Jill und Ehemann Florian Wildmann übergeben, so dass es jetzt in der vierten Generation fortgeführt wird. Erweitert wurde es auch schon: auf 1550 Plätze.
Das Goslarer Theater in der Breiten Straße spielt seit einiger Zeit Filmkunstware, während das Cineplex vor allem die Blockbuster präsentiert. Gefeiert wurde das 100. Jubiläum der Firma in einem Zirkus in Goslar. „Zurück zu den Anfängen, zumindest für einen Tag“, so lautete das Motto Roswitha Wildmanns für den Jubiläumsabend, denn einst hatte ja Alois Wildmann mit Zirkusattraktionen angefangen.