43. Harzburger Musiktage: Klassik in der Disco mit ElbtonalPercussion

Künstler begeistern mit Schlagzeug-Eskapaden

Gemeinhin finden Konzerte in Kirchen und Schlössern statt. Eine Diskothek hatte noch keiner erlebt. Und nun das. ElbtonalPercussion boten zum Abschluss der 43. Bad Harzburger Musiktage in der Funfactory ein Konzert mit Schlagzeugen aller Art.
Dort, wo sonst getanzt wird, war aufwändiges Equipment aufgebaut. Unter großem Beifall liefen vier junge Männer in Schwarz auf. Jan-Frederick Behrends erzeugte auf Marimbaphon und Vibraphon einen warmen und vollen Ton, die anderen Musiker setzten nach und nach mit zarten Gongs und Glockenspielen ein. Dieses Klanggebilde hieß „Song for Lea“. Einst hatte ein Besucher die seltsame Idee, zu Therapiezwecken zu trommeln. Dies veranlasste die Musiker zu „Trio per uno“. Ein Stück, von drei Musikern auf der großen Trommel gespielt, das nach zurückhaltendem Beginn eine unglaublich kraftvolle Dynamik entwickelte. Dazu kamen scharfe, metallische Klänge. Behrend bearbeitete das Vibraphon mit einem Bogen, ähnlich einer Violine. Unverkennbar afrikanisch angehaucht waren „Afrock“ und „Ghanaia“, gespielt auf Ur-Marimbas und untermalt mit vielfältigen geräuscherzeugenden Gegenständen. Die Musik strahlte viel Lebensfreude aus. Der Titel „Li“ hatte Bezüge zum asiatischen Kontinent. Dynamisches Trommeln, dazu Schreien der Musiker.
Richtig Spaß hatten sie beim letzten Titel vor der Pause. Sie trommelten auf allem, auf Regentonnen und Wassereimern. Nichts war vor ihnen sicher. Einer trommelte sogar auf dem Fußboden. Bereits da applaudierte das Publikum begeistert. Das Klanggebilde „Marimba Spiritual“ strahlte durch zartes Glockenspiel etwas Ätherisches aus. Einen Ausflug in melodische Jazz­welten gab es mit „Don’t Let The Bed Bugs Bite“. Behrend nannte es ein Gute-Nacht-Lied. Mit „Lift Off“ ließen Behrends und Co einen imaginären Hubschrauber starten. Drei Spieler an neun TomToms mit sechs Schlegeln entfachten einen Riesentrommelwirbel. Eigentlich wollten sie es aus dem Programm nehmen, da es anstrengend zu spielen ist. Doch hier konnten sich die Zuschauer von der Kraft dieses Stücks mitreißen lassen.
Mit dem ruhigen „Blues for Gilber“ sollte der Abend ausklingen, aber eine Überraschung hatten die Musiker noch. Als Köche verkleidet trommelten sie unter dem Schlachtruf „Mahlzeit“ mit Kochlöffeln und Schneebesen auf Tischen und Emailleteller. Tosender Beifall war ihnen gewiss. Das Publikum wollte die vier sympathischen Musiker gar nicht gehen lassen. Doch die waren am Ende ihrer Kräfte.
ElbtonalPercussion kommt aus Hamburg und begeistert mit ihrem vielfältigen Instrumentarium. Sie haben bereits sechs CDs und eine DVD veröffentlicht. Auch auf renommierte Festivals wie dem Schleswig-Holstein Musikfestival wurden sie schon eingeladen. Konzertreisen führten das Quartett durch ganz Europa und öfter nach Asien. Auf der Expo 2010 repräsentierten sie die Stadt Hamburg als Kulturbotschafter. Und nun waren sie zu den 43. Musiktagen in Bad Harzburg zu erleben.

Dagmar Hoffmann