Abenteuer-Führung durch die Wasserwirtschaft begeistert Teilnehmer

Bei der Abenteuer-Führung sollte Mut nicht fehlen.

Die nächste Exkursion dieser besonderen Art wird am Sonnabend, 15. Dezember, angeboten / Buchungen noch bis 13. Dezember möglich

Bestens gerüstet gegen Welterbe-Wasser, steinige Wände und die Winterkälte wagte sich eine Schar Abenteuerlustige an die erste Wasserläufe-Expedition in die Oberharzer Wasserwirtschaft. Die exklusive Weihnachtstour der Stiftung Welterbe führte von den Buntenbocker Teichen bis ins Rosenhöfer Gruben-Revier bei Clausthal. Am UNESCO-Welterbe Ottiliaeschacht wurden Watstiefel, Helme, Kopflampen und Regenjacken ausgeteilt. Die Schacht-Kaue, so der bergmännische Ausdruck, diente bereits vor 1980 den Turbinenwärtern der ehemaligen KRAWA als Umkleideraum. Tief unten im Schacht erzeugte die Abteilung Kraft- und Wasserwirtschaft der PREUSSAG elektrische Energie für die Erzbergwerke Hilfe Gottes in Bad Grund, Rammelsberg in Goslar und die Okeraner Hüttenwerke. Strom aus dem Wasser, durch das heute die Besucher des Welterbes waten.
Warm und trocken eingepackt erreichten die Expeditionsteilnehmer in Fahrzeugen der Harzwasserwerke den Bärenbrucher Teich. Gleich nach dem Abstieg im verborgenen Striegelschacht wartete im Bärenbrucher Wasserlauf die erste Überraschung: „hier ist es ja viel wärmer als draußen – haben Sie für uns extra geheizt?“ Von Buntenbock immer dem Lauf des Wassers folgend ging es nun etwa sieben Kilometer unter Tage durch Stollen – richtiger heißen sie eben „Wasserläufe“ – sowie über Tage durch Welterbe-Gräben zu den Erzgruben im Rosenhöfer Revier nach Clausthal-Zellerfeld. Besonders spannend waren Passagen im oberen Innerstetal. Urplötzlich taucht man in der verschneiten Waldwildnis auf: „Wo um alles in der Welt sind wir hier?“ Auch auf diese Frage hatte die fachkundige Leitung von Marcus Hödl – Harzwasserwerke und Uli Reiff – Oberharzer Museum / Welterbe-Stiftung natürlich eine Antwort parat.
Im Kleinen Clausthaler Wasserlauf verließ die Expedition den sogenannten „Oberen Rosenhöfer Fall“, das höchste Niveau im komplexen System der alten Kehr- und Kunsträder im Clausthaler Pochwerkstal. Auf „Fahrten“, so nennt der Bergmann die eisernen Leitern, ging es nun immer tiefer abwärts in den Berg. Auf den „Unteren Rosenhöfer Fall“ folgt bald eine weitere Gefällestufe in die „Teufe“ bis auf den uralten „Nassen Stollen“, dessen Anfang lange vor der Stadtgründung, vielleicht im Mittelalter zu suchen ist. Die Gruppe verließ hier die von den Harzwasserwerken akurat gepflegte Welt des aktiven, also wasser-führenden Welterbes. „Nasser Stollen“ – Nomen est Omen! Passiv, also nicht wasser-führend, ist wirklich keine zutreffende Beschreibung für die Altenseegener Rösche und die Rosenhöfer Radstuben. Das Ziel der Tour war erreicht.
Überwältigend ist das Erlebnis, nach dem Waten durch knietiefes Wasser und Schlamm plötzlich in einer riesigen Halle zu stehen, in der sich das Licht der Grubenlampe verliert. Das Rosenhöfer Revier der Berginspektion Clausthal war in früheren Jahrhunderten für seine kunstvollen Mauerungen bekannt. Die von Hand behauenen unterirdischen Gewölbe zählen zu den beeindruckendsten Stätten des UNESCO-Welterbes im Oberharz. In zwei Jahrzehnten seit 1990 vom Oberharzer Geschichts- und Museumsverein und der Brigade Rosenhof unter der Leitung von Jürgen Alich in Stand gesetzt, ist die Außenstelle des Oberharzer Museums noch immer der Geheimtipp im UNESCO-Welterbe.
Die Wasserläufe-Expedition ist eine Erweiterung der Abenteuertour im Rosenhof, die im Frühjahr mit starkem Medien-Echo eröffnet wurde. Sie wird in Kooperation von UNESCO-Welterbe-Stiftung, Harzwasserwerken und Oberharzer Bergwerksmuseum organisiert. An festen Terminen und auf Anfrage wird sie 2013 die Tour-Angebote der Stiftung UNESCO-Welterbe Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft ergänzen. Die nächste Wasserläufe-Expedition findet am dritten Adventswochenende statt. Inklusive zünftiger Pausenverpflegung kostet sie 35 Euro pro Person, dauert von 10 bis etwa 17 Uhr und erfordert gute körperliche Konstitution. Die Teilnehmer ab 14 Jahren müssen in der Lage sein, rund hundert Meter gebückt zu gehen, durch knietiefes Wasser zu waten und senkrechte Leitern abzusteigen. Anmeldungen für die nächste Tour am Sonnabend, 15. Dezember, nimmt mit Angabe der Schuhgröße bis zum 13. Dezember der UNESCO-Welterbe InfoPoint Oberharzer Bergwerksmuseum entgegen Telefon (05323) 9 89 50 oder E-Mail info@OberharzerBergwerksmuseum.de).