Anbrüll-Comedy ist nicht so seine Sache

Der Ostwestfale Rüdiger Hoffmann gehört seit über 25 Jahren zu den erfolgreichsten Comedians in Deutschland.

Ein Interview mit Comedian Rüdiger Hoffmann, der am 13. Mai im Odeon-Theater gastiert

Er gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Comedian und ist schon seit über 25 Jahren im Geschäft. Am Sonntag, 13. Mai, gastiert Rüdiger Hoffmann, dessen Markenzeichen vor allem seine langsame Sprechweise und der Satz „Ja hallo erstmal...“ ist im Goslarer Odeon Theater (Beginn 19 Uhr). Dort wird er sein aktuelles Programm „Obwohl...“ aufführen. Im Vorfeld seines Goslarer Gastspiels hat Beobachter-Redakteur Maximilian Strache mit Rüdiger Hoffmann über Anbrüll-Comdians, Fußball und natürlich seinen Auftritt in Goslar gesprochen.


Herr Hoffmann sie sind jetzt seit über 25 Jahren im Comedy-Geschäft tätig. Können sie über ihre eigenen Witze und Geschichten lachen?

Hoffmann: Auf jeden Fall. Wenn ich nicht über meine eigenen Witze lachen könnte, würde ich sie in meinen Programmen auch nicht bringen. Es ist natürlich nicht so, dass ich mich auf der Bühne selber schlapplache und mich nicht mehr einkriege. Aber beim Schreiben, klar, da muss ich schon mal schmunzeln oder in mich hineinlachen.

Ihr Markenzeichen als Comedian ist die langsame Sprechweise. Ist das erlernt oder entspricht das ihrem ostwestfälischen Naturell?

Hoffmann: Die langsame Sprechweise entspricht zu einem guten Teil meinem Naturell. Es ist aber auch eine Sache des Timings, denn das ist auf der Bühne besonders wichtig. Die Pausen zwischen den Sätzen sind zum Beispiel sehr entscheidend. Dadurch sollen bei den Zuschauern Bilder im Kopf entstehen. Die Zuschauer sollen sich die Situationen über die ich erzähle vorstellen können.

Bei ihrem neuen Programm „Obwohl...“ können sich die Zuschauer auf einen Rüdiger Hoffmann freuen wie sie ihn aus ihrer bisher erfolgreichsten Produktion „Hauptgewinner“ kennen. Wollen sie den Erfolg dieses Programms wiederholen? Es handelt sich immerhin um die meistverkaufte Sprach-CD der Welt.

Hoffmann: Nein darum geht es mir auf keinen Fall. Bei „Obwohl...“, handelt es sich um ein Programm, das sich am besten mit „Back To The Roots“ beschreiben lässt. Ich sitze auf der Bühne und erzähle meine Geschichten. Das ist vor allem auch ein krasser Gegensatz zu meinem vorherigem Programm „Sex oder Liebe“. Da haben wir viel mit Musik und Videos gemacht. Das war ein riesiger Aufwand. Bei „Obwohl...“ ist alles etwas schlichter. Also so, wie meine Fans mich lieben und schätzen.

Wie ist das mit der Konkurrenz in der Comedy-Branche? Ist der Druck im Laufe ihrer Karriere, ob der vielen Formate im Fernsehen und der schier endlos wirkenden Schar von Stand-Up-Comedians härter geworden?

Hoffmann: Auf jeden Fall. Die Branche ist deutlich härter geworden. Ich habe aber das große Glück, einer der ersten gewesen zu sein. Ich konnte mir mein Publikum noch zu einer Zeit erspielen, als die Konkurrenz noch nicht so groß war. Diese Basis konnte ich mir bis heute erhalten. Für Neueinsteiger ist es aber deutlich schwieriger geworden, aus der Masse hervorzustechen.

Schauen Sie sich die Programme anderer Comedians an? Lassen Sie sich vielleicht sogar von Kollegen inspirieren?

Hoffmann: Ganz ehrlich gesagt: Nein, ich lasse mich nicht inspirieren. Klar, treffe ich andere Comedians zufällig bei Auftritten und anderen Veranstaltungen. Ich orientiere mich aber nicht an deren Programmen. Zudem handelt es sich beim Großteil der heutigen Comedy um so eine Art „Schnell-Sprech-Comedy“. Da habe ich aber gar keine Lust drauf. Ich habe einen anderen eigenen Stil entwickelt und dem bleibe ich auch treu.

Haben Sie denn einen Lieblings-Comedian?

Hoffmann: Helge Schneider. Den kenne ich bereits seit 1986. Das sind ja jetzt auch schon 26 Jahre. Über die Sachen von Helge kann ich herzlich lachen.

Haben sich denn die Lachgewohnheiten und Wünsche des Publikums im Laufe ihrer Karriere signifikant verändert?

Hoffmann: Ich denke schon. Der Trend hat sich, wie ich bereits sagte, in den letzten Jahren zu einem schnellen und lauten Stil bewegt. Mit dieser „Anbrüll-Comedy“ kann ich aber nichts anfangen. Ich denke auch, dass die Leute deshalb nach wie vor gerne zu meinen Auftritten kommen. Die Zuschauer schätzen diese leise, feinere Art des Humors.

Wen würden Sie denn als „Anbrüll-Comedian“ bezeichnen?

Hoffmann: Es ist nicht meine Art, hier jetzt irgendeinen Kollegen zu nennen. Ich denke es kann sich aber jeder vorstellen, wen ich da vor Augen habe.

In ihren Programmen erzählen sie immer wieder Geschichten aus der Ich-Perspektive, beispielsweise der Pärchenurlaub mit Olaf und Birte in Dänemark. Wie viel vom privaten Rüdiger Hoffmann steckt in den Geschichten?

Hoffmann: Ein Kern Wahrheit ist immer mit dabei. Die Grundideen sind meistens Erlebnisse aus meinem Leben. Der Rest ist dann dichterische Freiheit.

Wie lernen Sie ihre Texte?

Hoffmann: Ich sitze wirklich sehr lange an meinen Texten. Beim Schreiben kann ich mir dann immer schon eine Menge merken, zumal ich sehr stark an den einzelnen Formulierungen feile. Hinter so einem Programm steckt wirklich eine Menge Arbeit. Für ein Din-A4-Blatt Text muss ich mir die Seite beispielsweise so fünf Mal durchlesen. Dann habe ich den Text drauf.

Wirklich jedes einzelne Wort?
Hoffmann: Ja.
Am Sonntag, 13. Mai, gastieren sie auf ihrer Tournee im Odeon-Theater in Goslar. Auf was können sich die Zuschauer freuen?

Hoffmann: Auf einen bestens gelaunten Rüdiger Hoffmann, der alles geben wird. Ich freue mich schon richtig auf die Kaiserstadt Goslar und das Gastspiel dort, zumal es einer der letzten Auftritte mit meinem Programm „Obwohl...“ ist. Da will ich nochmal alles geben, weil es mich schon ein wenig traurig macht, dass ich das Programm dann längere Zeit nicht spielen werde. Ich habe die Nummern und Geschichten im Laufe der Zeit schon in mein Herz geschlossen und spiele das Programm wirklich richtig gerne.

Jetzt noch ein paar Fragen zum Thema Fußball. Sie sind ja seit vielen Jahren bekennender Fan von Borussia Dortmund. Haben sie das Halbfinal-Rückspiel zwischen Real Madrid und dem FC Bayern verfolgt?

Hoffmann: Na klar, habe ich das gesehen. Das war ja total spannend. Ein absolutes Weltklassespiel. Ich habe die ganze Zeit vor dem Fernseher gesessen und mitgefiebert. Und die Bayern, die haben das ja auch wirklich richtig gut gemacht. Das hat mich gefreut.

Drücken Sie den Bayern denn auch für das Finale die Daumen? Trotz der Spitzen von Ulli Honeß gegen die Qualitäten der Borussia?

Hoffmann: Das ist doch eher unfreiwillige Comedy die Ulli Hoeneß mit seinen Attacken liefert. Das ist doch richtig lustig. Und natürlich werde ich den Bayern die Daumen drücken. Ich bin immer für die deutschen Mannschaften, wenn die international vertreten sind. Und wenn dann ein Finale bevorsteht, ist das doch immer eine tolle Sache.

Vielen Dank für das Gespräch ich freu mich auf jeden Fall auf den Auftritt.