Auf Wulff folgt Stoiber

Gemeinsam mit der Poetry-Slamerin Julia Engelsmann (23) war Bundespräsident a. D. Christian Wulff am 11. Mai in Goslar zu Gast, um im Rahmen der Veranstalungsreihe „Der Berg ruft” darüber zu sprechen, wie es ist, ein Leben in der Öffentlichkeit zu führen. Wulff gab da auch Einblicke in sein Seelenleben und in die Zeit, als alles über ihn zusammenbrach. Überzogen, unverhältnismäßig, eine Hexenjagd sei die mediale Berichterstattung über den Verdacht seiner Vorteilsnahme gewesen. Sie gipfelte in der Überschr

„Der Berg ruft in Goslar“: Bundespräsidenst spricht über Leben in der Öffentlichkeit

Der Berg ruft und er wird gehört. Nachdem im Mai erst Bundespräsident a. D. Christian Wulff in Goslar im Rammelsberg zu Gast war, folgen nun im Juni Dr. Edmund Stoiber, langjähriger Ministerpräsident des Freistaates Bayern und Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaates Thüringen.

Es war einer der Sätze, die von Christian Wulff in Erinnerung geblieen sind. „Der Islam gehört zu Deutschland.“ Diese These wiederholte und präzisierte Wulff nun noch einmal in Goslar. Eigentlich sollte Wulff über sich sprechen, das tat er auch. Am Ende. Zu Anfang gehörten seine Worte dem Terror, der Ausländerfeindlichkeit, der Integration und der Demokratie, erst später sprach er über sein eigenes persönliches Schicksal. Den Absturz einer schillernden deutchen Politfigur. Noch immer hadert Wulff mit den Medien, sprach in Goslar von einer „Hexenjagd”, die er erlebt hat und gibt der jungen Julia Engelsmann, die als Poetry-Slamerin im vergangenen Jahr einen kometenhaften Aufstieg erlebte fast schon väterliche Tipps.
Das war Wulff in Goslar. Nun kommen Stoiber und Ramelow. Diesmal geht es um das föderale System der Bundesrepublik. Deutschland ist ein föderaler und sozialer Rechtsstaat. Diese Aufteilung in Bundesrat und Bundestag, in den Gleichklang von Interessen der Länder und des Bundes, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bewährt. Und doch, es stellt sich die Frage nach einem „Mehr“ oder einem „Weniger“ an Aufteilung. Das deutsche Bildungssystem bietet dafür nur ein Beispiel, aber gewiss das hitzigste.
Wir erleben bärenstarke Bundesländer und Stadtstaaten, die buchstäblich aus allen Nähten platzen und wir erleben Regionen, in denen eine Zukunftsprognose derzeit eher dem Blick in eine Kristallkugel gleichkommt und Regionen, die ohne eine strukturelle Reform gewiss keine Zukunft haben.
„Der Berg ruft” greift seit dem Auftakt im Jahr 2014 gesellschaftliche Fragestellungen auf und schafft mit zwei Diskutanten einen spannenden und kurzweiligen Dialog.
Mit Dr. Edmund Stoiber, dem langjährigen Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern und Bodo Ramelow, dem Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen, ist es – nach einer kurzfristigen Absage im Herbst des vergangenen Jahres – gelungen, zwei hochkarätige Diskutanten an den Rammelsberg einzuladen.
Bayern und Thüringen stehen im Ländervergleich gut da und haben dennoch sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Zukunftsperspektiven.
Thüringen schrumpft – bis zum Jahr 2030 laut Prognose um weitere 17,5 Prozent oder 390.000 Einwohner. Lediglich die starken Städte Erfurt, Jena und Weimar bleiben davon unberührt. So sagt es die Prognose – aber was hat es nicht schon alles für Prognosen gegeben?
Bayern dagegen soll – nach Prognosen – relativ stabil bleiben und sogar leichte Zuwächse verzeichnen können. Aber was bedeutet das tatsächlich? Gibt es Sinn, ein Bundesland Mitteldeutschland zu schaffen? Helfen sich drei schrumpfende Bundesländer oder müsste man Thüringen mit Hessen oder Bayern verbinden?
Zwei Mitglieder des Club of Rome haben ein Modell für die Bundesrepublik entwickelt. Hiernach blieben nur Bayern, Baden Württemberg und Nordrhein-Westfalen zusammen, alle übrigen Bundesländer würden zu insgesamt drei weiteren verschmelzen. Aber wie sieht die Zusammenarbeit von dann nur noch sechs Bundesländern aus? Welcher Verwaltungsapparat ist tatsächlich einzusparen und zu welchem Preis? Würde unser Land – unsere Bürgerinnen und Bürger – nicht eine große Portion an Mitbestimmung verlieren? Oder sind am Ende gar stärkere Kommunen und damit die Bürger die Gewinner einer solchen Entwicklung?
Diese und weitere Fragen werden im Mittelpunkt der nächsten Ausgabe von „Der Berg ruft – Zukunft fördern“ am Dienstag, 14. Juni, um 19.30 Uhr in der Waschkaue des Goslarer Rammelsberges stehen. Für die Moderation des Abends wird erneut der Chefredakteur der Goslarschen Zeitung, Andreas Rietschel, verantwortlich zeichnen.