Brahms posthum die Entscheidung über die Besetzung abgenommen

Großartig: das Auftaktkonzert des Musikfestes "Goslar - Harz". (Foto: Hoffmann)

Glänzendes Auftakt-Konzert des "Musikfestes Goslar - Harz" / Festivalleiterin Dagmar Grasemann: "Lassen sie sich von der Musik verzaubern"

Die helle luftige Sparkassenpassage war bis auf den letzten Platz besetzt, ein Zeichen für die Bekanntheit und Beliebtheit des Musikfestes über Goslars Grenzen hinaus. „Es mussten von Jahr zu Jahr mehr Stühle aufgestellt werden. In diesem Jahr sind die Kapazitäten erschöpft“, so Direktor Mehrens.
Ein glanzvoller Auftakt war das Konzert mit dem Cuarteto Arriaga, Henrike Brüggen, Marie-Stéphanie Radauer-Plank und dem Pianisten Sam Haywoods. Festivalleiterin Dagmar Grasemann dankte allen, sichtlich erfreut, für die gewaltigen logistischen und finanziellen Anstrengungen. Mit den Worten „Lassen Sie sich von der Musik verzaubern und verführen“ eröffnete sie den musikalischen Abend. Das Cuarteto Arriaga begann mit Luigi Boccherinis Streichquartett c-Moll op. 2 Nr. 1. Anmutige Spielweise verlieh dem Werk etwas Heiteres und Luftiges. Boccherini hat es mit 17 Jahren komponiert, und er hätte sich sicher gefreut. Das Duo Henrike Brüggen und Marie-Stéphanie Radauer-Plank hatte sich Karol Szymanowskis „Mythen op. 30“ ausgesucht. Henrike Brüggens perlendes, im weiteren Verlauf energischeres Klavierspiel erzählte die Geschichte von der Nymphe Aréthuse. Ihre Partnerin Marie-Stéphanie Radauer-Plank setzte mit ihrer Violine Akzente, ahmte durch Flageolettöne Bienen im Walde und den Flussgott nach, der die Nymphe beim Baden stört. Die Geschichte von Pan und Dryades strahlte durch die vielen Triller musikalische Keckheit aus.
Die beiden Musikerinnen gewannen durch ihren Charme auf Anhieb die Herzen des Publikums und wurden mit viel Beifall bedacht. Es herrsch­te eine gute Stimmung. Nach der Pause kam mit Johannes Brahms’ Klavierquintett f-Moll op. 34 der Höhepunkt.
Das Cuarteto Arriaga entfaltete zusammen mit dem Pia­nis­ten Sam Haywood seine ganze Strahlkraft und Spielfreude. Auf ein lebhaftes Allegro non troppo folgte ein ruhiges, tröstliches Andante un poco Adagio. Das Scherzo Allegro Trio und das Finale Poco sostenuto hinterließen einen starken Eindruck. Die Musiker nahmen Brahms mit ihrem tollen Spiel posthum die Entscheidung über die Besetzung ab. Der Komponist selbst war sich seinerzeit nicht darüber im Klaren. Durch Sam Haywoods ruhige und exakte Klavierbegleitung nahm das Quintett den Charakter eines kleinen Orchesters an.
Mit viel Freude und stehenden Ovationen dankten die Gäste so sehr, dass die fünf das Andante als ruhigen Ausklang noch einmal spielten. Im Cuarteto Arriaga musizieren die beiden Violinisten Aitzol Iturriagagoitia und Rodrigo Bauzá, Miguel Angel Lucas an der Viola und der Cellist Damien Ventula.
Sämtliche Musiker und Musikerinnen haben berühmte Wettbewerbe gewonnen und treten sowohl solistisch als auch als Ensembles bei bekannten Musikfesten auf.

Damar Hoffmann