Bürger dürfen mitbestimmen

Goslars ehemaliger Landrat Stephan Manke wechselte im Januar als Staatssekretär ins Niedersächsische Innenministerium. Die Suche nach seinem Nachfolger läuft bereits auf Hochtouren.
 
Urte Schwerdtner (49).

SPD setzt auf Bürgerbeteiligung bei Entscheidung für Landratskandidaten

Am heutigen Montag haben die Seesener Bürger die Chance an der Entscheidung, welchen Kandidaten die SPD letztendlich ins Landrats-Rennen schickt, mitzuwirken. Der Seesener Ortsverein der SPD veranstaltet um 18 Uhr im Ratskeller eine Bürgerversammlung. Dort werden sich die beiden Landrats-Aspiranten Urte Schwerdtner und Thomas Brych vorstellen. Im Anschluss daran sollen die Bürger darüber abstimmen, welcher der beiden bei der Landratswahl am Sonntag, 2. Juni, antreten soll. Die endgültige Entscheidung muss natürlich auf einem Parteitag getroffen werden. Die SPD versichert aber, dass das Bürgervotum Einfluss auf das Abstimmungsverhalten der Genossen haben wird.
In den zurückliegenden Tagen besuchten Brych und Schwerdtner die Ortsvereine im Landkreis (der „Beobachter“ berichtete). Die Veranstaltung am Montag ist also der erste öffentliche Auftritt der beiden Kandidaten. So sollen die Bürger die Möglichkeit bekommen, sich ein persönliches Bild vom Polizeidirektor und der Jugendrichterin zu machen.
Am vergangenen Donnerstag waren Brych und Schwerdtner zusammen mit der SPD Kreis- und Landtagsabgeordneten Petra Emmerich-Kopatsch in die Redaktion des „Beobachter“ gekommen, um zu erklären, wie sie sich die Zukunft des Landkreises vorstellen. In dem rund einstündigen Gespräch wurden aber auch aktuelle Themen wie die mögliche Trennung des Asklepios-Klinikonzerns von der Harzklinik in Goslar thematisiert. Im Asklepios-Fall spricht Brych von „sehr wichtigen Entscheidungen, die möglichst zeitnah getroffen werden müssen“. „Wir müssen uns als Landkreis nicht um die unternehmerischen Ziele des Asklepios-Konzerns kümmern, sondern wir müssen dafür sorgen, dass sich die Bürger auf eine gute Gesundheitsversorgung verlassen können. Zudem gilt es den rund 1.000 Angestellten Sicherheit zu geben“, so Brych. In diesem Zusammenhang spricht der 53-Jährige auch davon, die Position und Interessen des Landkreises mit „Nachdruck“ zu vertreten.
Als einen strategisch geplanten Karrieresprung wollen Brych und Schwerdtner ihre Ambitionen auf den Landratsposten nicht verstanden wissen. Beide erklären im schon fast perfekten „politischen Duktus“, dass es ihnen in erster Linie um das Wohl der Bürger gehe. Brych sagt, dass der Landkreis Goslar schon seit jeher seine Heimat ist und ihm die Region besonders am Herzen liege. Diese Einstellung nimmt man dem Familienvater, obwohl in seiner Aussage ein bisschen zu viel Pathos mitschwingt, ab.
Seine Konkurrentin Urte Schwerdtner begründet ihre Ambitionen weniger emotional. Ihr sei es wichtig, schon frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen. In ihrer bisherigen Tätigkeit als Richterin könne sie erst dann eingreifen, wenn es eigentlich schon zu spät sei. „Als Landrätin kann ich mehr Einfluss geltend machen. Für mich spielt dabei vor allem der soziale Bereich wie Bildung, Familie und Schule eine zentrale Rolle“, so die parteilose Schwerdtner, die aber seit anderthalb Jahren für die Sozialdemokraten im Rat der Stadt Goslar sitzt.
Um ein Thema wird der neue Landrat oder die Landrätin nicht vorbeikommen, und zwar die Zukunftsfähigkeit des Landkreises. Dieses Themengebiet gestaltet sich äußerst komplex und umfasst neben Wirtschaft, Tourismus, Bildung, Nahversorgung und Infrastruktur auch die leidige Debatte um Fusionen.
Weder Schwerdtner noch Brych sind gegen eine Fusion, sie sind aber der Meinung, dass eine solche Entscheidung nicht übers Knie gebrochen werden darf. Die 49-jährige Richterin plädiert vielmehr dafür, anderen Landkreisen über die Schulter zu schauen und dort erfolgreiche Konzepte im Kreis Goslar umzusetzen. In diesem Zusammenhang spricht sich Schwerdtner auch für die Intensivierung landkreisübergreifender Zusammenarbeit aus. „Wir müssen über den Tellerrand schauen und den intensiven Kontakt zu Landkreisen suchen, die ähnliche Grundvoraussetzungen haben. Das kann bei der Strategie- und Ideenfindung helfen“, so Urte Schwerdtner.
Brych setzt vor allem auf die Stärkung der regionalen Wirtschaft, warnt dabei aber davor, das „Heil“ allein im Tourismus zu suchen. „Der Tourismus ist sicher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, muss aber gezielt ausgebaut werden. Vor allem im Luxussegment hat der Harz großen Nachholbedarf“, erläutert Brych. Deshalb will er auch die Idee eines Freizeitparks, die im Zuge der Initiative Zukunft Harz (IZH) aufkam, wieder aufgreifen. „Ein Freizeitpark im Harz hat Charme. Als Landrat würde ich mich für die Konkretisierung dieser Pläne einsetzen“, sagt der Polizeidirektor.
Dass sich beide Kandidaten das Amt des Landrates zutrauen, zeigen sie schon mit ihrer Bewerbung. Darüber hinaus bringen Brych sowie Schwerdtner Erfahrungen im Bereich der Personalführung mit. Thomas Brych ist nicht nur Polizeidirektor sondern auch studierter Diplom Verwaltungswirt. Seine Konkurrentin Schwerdtner hat Verwaltungsrecht studiert und ihr juristisches Referendariat in einer Kreisverwaltung absolviert.
Fachlich scheinen die beiden also für die Nachfolge von Stephan Manke geeignet. Petra Emmerich-Kopatsch wollte ihren Favoriten für das Amt auf Nachfrage dieser Zeitung leider nicht preisgeben.