Causa Morgenstern: Schadstoffe breiten sich aus

Die Probebohrungen Anfang dieses Jahres förderten erstmals zutage, welche Gefahrstoffe sich in den Tiefen der ehemaligen Hausmülldeponie tümmeln. Vor der Nutzung als Hausmülldeponie hat eine Firma das Gelände in den 60er Jahren illegal für die Entsorgung von Chemieabfällen genutzt. Umweltschützer fordern Aufklärung.

Gutachterbüro legt Zwischenbericht vor / Schadstoffe in Fortunateich und Hellebach gefunden

Keine guten Nachrichten kommen erneut von der Deponie Morgenstern bei Liebenburg. Wie der Landkreis Goslar aktuell mitteilt, hat ein Gutachterbüro nun seinen Zwischenbericht vorgelegt. Das Büro untersucht seit Mitte des Jahres die Grundwasserverhältnisse rund um die ehemalige Chemiemüll- und Hausmülldeponie.
Dabei haben die Experten festgestellt, dass das Grundwasser aus dem Standort Morgenstern zu großen Teilen über einen Verbindungsstollen in Richtung der fünf Kilometer entfernten Grube Fortuna bei Groß Döhren fließt. Dort sammelt sich das Grundwasser aus der Deponie Morgenstern vermutlich mit dem Wasser aus der Grube Fortuna und läuft oberflächlich über den Fortunateich und den Hellebach in Richtung Groß Döhren ab.
Bei den Untersuchungen im Schacht Fortuna II haben die Gutachter zudem erstmals außerhalb des Standorts Morgenstern Spuren der Schadstoffe entdeckt, die im Frühjahr diesen Jahres auf dem Gelände des früheren Betriebs Florentz ermittelt wurden (der „Beobachter“ berichtete).

Gutachter sehen trotz der Funde keine akute Gefahr

Laut Aussage der Gutachter besteht aber keine akute Gefahr, da es sich bei den Schadstoffen um Leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe, Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe und Chlorbenzole handelt. Außerdem entdeckten die Experten noch Stoffe, die häufig in Hausmülldeponien anzutreffen sind.
Die Konzentration der Schadstoffe liegt laut dem Bericht der Gutachter zwar in allen Fällen unterhalb der so genannten Geringfügigkeitsschwellenwerte, dennoch habe die Zwischenergebnisse große Bedeutung für die nächsten Schritte mit Blick auf eine nachhaltige Gefahrenabwehr.
„Uns wäre zwar lieber gewesen, außerhalb des Standorts Morgenstern weiterhin keine Schadstoffe festzustellen, aber die neuen Erkenntnisse zeigen, dass wir auf dem richtigen Pfad sind“, wird Michael Riesen, Leiter der Projektgruppe Morgenstern, in einer Pressemitteilung des Landkreises zitiert. „Wir sind den Schadstoffwegen auf der Spur und können die nächsten Schritte gezielt darauf abstimmen,“ so der Projektgruppenleiter weiter.
Mitte dieses Monats sollen die Messungen im Schacht Fortuna wiederholt werden. Dieser Schritt dient der Absicherung der ersten Messergebnisse. Bis Ende des Jahres sollen dann die Ergebnisse aller Einzeluntersuchungen vorliegen. Auf dieser Basis werden dann die weiteren Erkundungs- und Sanierungsschritte zur Gefahrenabwehr festgelegt. Wenn dies erfolgt ist, wird die Projektgruppe Morgenstern erneut zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung einladen, um die Ergebnisse und das weitere Vorgehen zu erläutern.


Hintergrund zu den Untersuchungen der Deponie Morgenstern

Die Deponie Morgenstern bei Liebenburg im Landkreis Goslar gehört mit zu den größten Umweltskandalen im Harz. In der 1960er Jahren nutzte eine Firma die Deponie um dort jahrelang illegal Chemieabfälle zu entsorgen. Im Anschluss daran wurde das Gelände zu einer Hausmülldeponie umfunktioniert. Probebohrungen im Mai diesen Jahres förderten erstmals zutage, was alles in den Tiefen der ehemaligen Deponie herumtreibt. In einem Gutachten war unter anderem von Dioxin die Rede. Die Kosten für die fällige Sanierung werden deshalb sehr wahrscheinlich um ein Vielfaches steigen. Bis zu den ersten Untersuchungen waren die Experten von 13,5 Millionen Euro ausgegangen, die von den Kreiswirtschaftsbetrieben und den Niedersächsischen Landesforsten aufgebracht werden sollen. Nachdem im Frühjahr 2013 in der neu errichteten Messstelle auf dem Grundstück der Kreiswirtschaftsbetriebe Goslar hohe Schadstoffgehalte festgestellt worden sind, wurden folgende zusätzliche Untersuchungen eingeleitet: Vertieftes und räumlich ausgedehntes Monitoringprogramm; Fortschreibung des Wasserhaushaltsmodells und vorbereitende Arbeiten zur Systemmodellierung des Wasserhaushaltes; Sanierung der Messstelle im Schrägstollen; Machbarkeitsstudie zur Quellensanierung; Weitere Erkundung der oberflächennahen Belastung im Bereich der Schachthalle.
Die Arbeiten an der Machbarkeitsstudie zur so genannten Quellensanierung laufen unverändert mit erster Priorität weiter. Bereits seit Anfang des Jahres läuft die Untersuchung der ehemaligen Erzaufbereitungsanlage und des Morgensternteiches. Die jetzt vom Ingenieurbüro Dr. Pelzer und Partner vorgelegten Zwischenergebnisse sind Erkenntnisse aus dem vertieften Monitoringprogramm und der Bilanzierung des Wasserhaushaltes.