Churchwalk in der Kaiserstadt Goslar: Fünf Kirchen und fünf Klangräume

Dudelsackklänge in der Stephanie-Kirche: „Pipes and Drums“. (Foto: Hoffmann)
Wieder gab es in diesem Jahr die musikalische Wahl der Qual. Fünf Kirchen – fünf Klangräume mit ungewöhnlichen Darbietungen.
Das „Percussion-Posaune Ensemble Leipzig“ und Propsteikantor Gerald de Vries eröffnete das Programm mit Werken von Bach bis Modernem in der Tradition der Stadtpfeifer. Die vier Musiker ließen die Anfangsmelodie von „Also sprach Zarathustra“ eindrucksvoll auf die vollbesetzte Marktkirche wirken. Dann ein plötzlicher Schwenk in eine Swingversion. Etwas Besonderes war ein kleines Kästchen, Schlitztrommel genannt. Auf ihr spielte Wolfram Dix als Huldigung an den großen Leip­ziger Wissenschaftler Gottfried Wilhelm Leipzig eine Monade, ein spirituelles Stück. Töne, kräftig geschlagen, leiser werdend und schließlich sich auflösend.
Mit viel Witz und Charme moderierte Bassposaunist Joachim Gelsdorf und wusste vieles zur Geschichte der Leipziger Stadtpfeifer. Raffinierte Übergänge vom Traditionellen hin zum Jazz beim Choral „Lobet den Herrn“. Mit „Nr. B“ vom Dresdner Kapellmeister Hans-Peter Breue entließen die Musiker die Gäste. Unerwartete Unterbrechung sorgte bei dem zeitgenössischen Werk für Heiterkeit.
Als Gegensatz gab’s in der Frankenberger Kirche ruhigere Töne mit dem Duo Nebl & Nebl aus Karlsruhe. Klarinettist Frank Nebl und Andreas Nebl auf dem Akkordeon schufen ruhige Kammer­musik­athmosphäre mit Johann-Sebastian Bachs „Sonate g-Moll oder W. A. Mozarts „Divertimento“ KV 439b. Dominierend die Klarinette, das Akkordeon lediglich als Unterstützung im Hintergrund. Bei Piazzollas „Coral“ und das „Allegro rustico“ vom zeitgenössischen Komponisten S. Gubaidulina entfalteten die beiden Musiker die Töne in aller Vielfalt. Da strahlte Keckheit durch, wurde schrill bis dissonant bis zum entspannten Ausatmen des Akkordeons.
Völlig andere Anforderungen ans Gehör verlangten in der Stephani-Kirche die „Pipes and Drums“. Sechs Jerstedter, die sich dem Dudelsack verschrieben haben. Durch ihre stilechte Uniform – Schottenrock und weiße Kniestrümpfe – zogen sie alle Blicke auf sich, als sie in die Kirche marschierten und sofort das Publikum begeisterten. Neben dem tradtionellen „Amazing Grace“ oder „Mull of Kintyre“ gab’s das Harzer Lied vom Steiger oder den 50-er Jahre Hit „Der alte Häuptling“. Die Besucher applaudierten nach jedem Beitrag. Besonderes bot die Neuwerkkirche mit dem Duo Marcel Quappen und Olaf Pyras. Sie haben in der Glashütte von Clausthal-Zellerfeld ein Glarophon entwickelt. Glasröhren auf einem Gestell, die Pyras mit verschiedenen weichen Schlegeln bearbeitete und so einen dumpfen Ton wie auf einer Trommel erzeugte. Marcel Quappen am Schlagwerk schuf mit helleren Tönen den passenden Part für eine eigene Version von Chick Coreas Stücken. Andächtige Stille herrschte.
Den Abschluss gestalteten in der Jakobi-Kirche Ulrich Müller-Froß mit der Mundharmonika und Kantor Martin Hofmann am Cembalo, eine ebenfalls besondere Instrumentenkombination. Zur Stärkung konnten sich die Churchwalkenden bei den Gemeinden versorgen. Teelichter auf den Tischen schufen eine lauschige Sommerabendstimmung. – Mittlerweile lockt der Churchwalk in Goslar auch Besucher von außerhalb.
Dagmar Hoffmann