Das Ende der Karteikarte

Die älteste Aufnahme der Ausstellung im Oberharzer Museum. Das Bild datiert zurück auf das Jahr 1895.

Oberharzer Bergwerksmuseum ist jetzt auch online unter kulturerbe-niedersachsen.de erreichbar

Zu Niedersachsens Kulturerbe gehörte und gehört das Oberharzer Bergwerksmuseum natürlich schon immer. Dies gilt jetzt auch in digitaler Form im Online-Portal „Kulturerbe Niedersachsen“.

Die gemeinsame Internetplattform von Bibliotheken, Archiven, Museen und anderen Kultureinrichtungen des Landes Niedersachsen bietet den direkten und multimedialen Zugang zu ausgewählten digital erfassten Kulturgütern des Landes. Über 630 der besten Oberharzer Sammlungsstücke sind seit dem 17. Dezember online in kulturerbe.niedersachsen.de.
„Ein schöner Erfolg zum Jahresabschluss!“ freuen sich der Direktor der Welterbestiftung Gerhard Lenz und Ulrich Reiff, der das durch die Stiftung UNESCO-Welterbe im Harz betriebene Oberharzer Museum wissenschaftlich betreut. 2012 starteten Museumsleiter Wilhelm Marbach und Kulturhistoriker Reiff, damals Marbachs Stellvertreter heute bei der Welterbestiftung, das Projekt „Digitale Inventarisierung und Objektdokumentation im Internet für das Oberharzer Bergwerksmuseum“. Finanziell wurde die digitale Bestandserfassung mit je 10.000 Euro durch den Landschaftsverband Südniedersachsen und den Regionalverband Harz gefördert. „Im Stückakkord“, so Reiff anerkennend, hackte ein freiberuflicher Dokumentar über 3000 Sammlungskarteikarten in den Rechner. Die letzten Objektfotos und Dokumente scannte der Göttinger Historiker im Frühjahr 2014 ein.
Die Erfassung „bergbaulich oder hüttenmännisch interessanter Alterthumsfunde“ reicht historisch zurück vor die Anfänge des „Oberharzer Museums“ des damaligen Landkreises Zellerfeld. „Achenbachs Sammlung bergmännischer Altertümer 1885“, von der das Museum bisher immer nur Einzelstücke zeigen konnte, ist jetzt als digitale Sammlung im Internet fast komplett zu betrachten. Die bei der Museumsgründung 1892 mit einfachen Karteikarten und entsprechenden Nummern im Altinventar begonnene Erfassung war in den 1980er Jahren die Basis für das systematische „analoge“ Verzeichnis der Sammlung. DIN A 3 Karteikarten nach Museumsstandard enthalten neben Angaben zum Objekt, Maßen, Material, Provenienz usw., eine Fotodokumentation mit Maßstab, manchmal auch Literaturhinweise, Restaurierungsberichte oder andere weiterführende Angaben.
Das 1892 gegründete Oberharzer Bergwerksmuseum ist Deutschlands ältestes Technikmuseum. Ab 1929 wurde es schrittweise um ein Freilichtmuseum erweitert. Seitdem liegt mitten in der freien Bergstadt Zellerfeld eine Art montanhistorisches Museumsdorf. 2009 zertifiziert als „Registriertes Museum“ wurde es 2010 auf eine parlamentarische Anfrage zu „Museen in Niedersachsen“ von der Landesregierung als eines der 31 Museen von nationalem bzw. internationalem Rang bewertet.
Als Erfolg des Projekts ist nun auch im „Oberharzer Museumsdorf“ das digitale Zeitalter im der Inventarisierung angekommen. Sammlungseingänge werden nur noch online digital erfasst und im Server der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen gesichert. Abschließend werden die Daten als Ausdrucke analog gesichert – ganz stirbt die Karteikarte also doch nicht aus. Dass die Übersichtskarte im kulturerbe.niedersachsen.de das Oberharzer Museum geografisch bei Göttingen verortet, liegt nicht etwa an einer besonderen Vorliebe der Bergstädte für die Südniedersächsische Metropolregion. Das Projekt koordinieren die AG Museen und der Landschaftsverband Südniedersachsen mit der Göttinger Zentrale des gemeinsamen Bibliotheksverbundes GBV. Außer dem „Kulturerbe Niedersachsen“ öffnen zukünftig auch die „Deutsche Digitale Bibliothek“ DDB sowie die „Europeana“ die Oberharzer Sammlungen digital zur Welt.