Das Gegenteil von „Geiz ist Geil“

SPD-Chef Sigmar Gabriel beim Rundgang durch die Produktionshalle von CMD Naturkosmetik in Lutter zusammen mit Petra Emmerich-Kopatsch (MdL), Firmengründer Carl Michael Friedrich und SG-Bürgermeister Peter Kühlewindt (von links).

SPD-Chef Sigmar Gabriel zu Besuch bei CMD Naturkosmetik in Lutter

Seit knapp 20 Jahren produziert Carl Michael Friedrich im Flecken Lutter mit seiner Firma CMD Naturkosmetik hochwertige Kosmetikprodukte. Gestern schaute SPD-Chef und Bundesabgeordneter Sigmar Gabriel in dem mittelständischen Unternehmen vorbei, um sich ein Bild von den Produkten, den Mitarbeitern und den Zukunftsplänen der Firma zu machen.
Firmengründer Carl Michael Diedrich, der in den Vereinigten Staaten von Amerika aufwuchs, ist eigentlich gelernter Zahntechniker. Doch bereits Ende der sechziger Jahre stellte Diedrich gemeinsam mit seiner Familie in Kalifornien Avocadoöl her. Dieses Erlebnis hat ihn nie losgelassen und so entwickelte er in seiner Zeit als ausgebildeter Zahntechniker seine ersten Zahn- und Gesichtscremes, die er zunächst im Familien- und Bekanntenkreis verteilte. Angespornt durch den Erfolg, arbeitete er an der Entwicklung weiterer Produkte. So begann er im Jahr 1992 mit der Herstellung einer Teebaumöl-Kosmetikserie. Der Erfolg seiner Produkte nahm zu und deshalb entschloss er sich im Jahr 1994 seine eigene Firma zu gründen: CMD Naturkosmetik.
Heute beschäftigt er rund 20 Mitarbeiter und führt über 160 Produkte in seinem Sortiment. Die Kunden der Firma verteilen sich über die gesamte Bundesrepublik sowie Spanien, Niederlande, Belgien und Polen. Aktuell versucht der Naturkosmetik-Experte Vertriebswege im asiatischen Raum zu erschließen.

Den Traum nie aus
den Augen verloren


Lauscht man der Geschichte von Carl Michael Diedrich, klingt es nach einer Firmengründung nach amerikanischen Vorbild. Ein „hemdsärmeliger“ Unternehmertyp, der seinen sicheren Job aufgibt, um seinen Traum zu verwirklichen. Ein Unternehmertyp, wie er dem Sozialdemokraten Sigmar Gabriel gefällt. „Der Erfolg der deutschen Volkswirtschaft basiert auf Unternehmen wie diesem“, so der SPD-Chef bei seinem Firmenrundgang. Auch die anderen Politiker, Samtgemeindebürgermeister Peter Kühlewindt, der das Unternehmen stets nach seinen Möglichkeiten unterstützt, und die Landtagsabgeordnete Petra Emmerich-Kopatsch, zeigten sich begeistert von der Philosophie des Naturkosmetikherstellers, die lautet: „Weniger ist mehr“.
In Deutschland liefert CMD seine Produkte hauptsächlich an kleine, selbstständige Biomärkte, Reformhäuser, Kosmetikstudios sowie an Wellness-Hotels an Nord- und Ostseeküste. Zudem werden die Produkte auch über das Internet vertrieben. Von einem Verkauf seiner Produkte über große Drogerie- und Handelsketten wie Rossmann, Dm oder Rewe will der 59-jährige Geschäftsmann aber nichts wissen.

Branchenriesen
üben viel Druck aus


Sigmar Gabriel fragte, wie man sich die Zusammenarbeit mit diesen Branchenriesen vorstellen kann und bekam zur Antwort, dass der Druck, der von diesen Unternehmen ausgeübt werde, enorm sei. Der Preiskampf sei unerbittlich und mitunter dazu, dass die Produkte nicht mehr höchsten Qualitätsansprüchen genügen können. Ein Umstand, den der 59-Jährige nicht akzeptieren wollte, deshalb auf seine bewährten Produkte setzt und durch verschiedene Neuentwicklung ergänzt.
Ferner sprachen Gabriel, Diedrich, Kühlewindt und Emmerich-Kopatsch noch über die Möglichkeiten mittelständischer Unternehmen an Kredite von Banken zu kommen - was sehr schwierig ist - und die Zukunftspläne des Unternehmens.

Erweiterung der
Produktion geplant


Aktuell ist die Firma an die Grenzen ihrer Produktionskapazität gelangt. Deshalb soll in naher Zukunft auch eine größere Maschine angeschafft werden um die Effektivität zu steigern. Ferner denkt Diedrich darüber nach, die Produktionsstätten zu vergrößern und verstärkt das Premium-Segment zu bedienen. Wellness und Naturprodukte boomen, das meinte auch SPD-Chef Gabriel, und ist sich deshalb sicher, dass das Unternehmen auch weiterhin Erfolg haben wird. Diese Aussage unterstrich Gabriel mit dem Satz: „Was wir hier sehen, ist das Gegenteil von ‘Geiz ist Geil’.“
Der Sozialdemokrat Gabriel verriet im Rahmen des Firmenrundgangs übrigens, dass er mit kosmetischen Pflegeprodukten nichts am Hut hat: „Das ist wohl eher Sache der Frauen, aber ich habe heute zumindest viel gelernt.“