Der Kaiserring 2016 geht an Jimmie Durham

Der 75-jährige US-amerikanische Künstler wird den Ring am 8. Oktober verliehen bekommen

Jimmie Durham erhält den Goslarer Kaiserring des Jahres 2016, einen der renommiertesten Kunstpreise der Gegenwart. Das gab Goslars Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk am Freitag beim traditionellen Neujahrsempfang in der Goslarer Kaiserpfalz bekannt.

Der 75-jährige US-amerikanische Künstler, Dichter und Aktivist, der heute in Berlin lebt, gilt international als bedeutender Künstler der Gegenwart. „Die Verleihung dieses Preises erfüllt mich mit großer Demut und Freude. Es ist eine große Ehre“, äußerte sich Durham. Jimmie Durham wird den Kaiserring am 8. Oktober 2016 in Goslar entgegen nehmen.
In ihrer Begründung schreibt die Kaiserring-Jury unter anderem: „Skulpturen, Installationen, Malerei, Zeichnungen, Performances, Videos und Fotografien: Das Oeuvre von Jimmie Durham ist vielgestaltig und resultiert oft aus dem Prozess der Zusammen- und Gegenüberstellung von Werkstoffen oder gefundenen Objekten. Seine aus natürlichen oder gefertigten Materialien, aus Überresten oder Abfällen geschaffenen Werke ergeben unerwartete Assoziationen, die die Sicht auf die Realität mit Scharfsinn und Humor verändern. Das Werk Jimmie Durhams kann keiner künstlerischen Bewegung zugeordnet werden, sondern geht über alle vorhandenen Klassifizierungen hinaus. Seiner permanenten Forderung nach Freiheit folgend, trachtet der Künstler stets danach, jeglichem hierarchischen System zu entkommen. Aufgrund des hohen Anspruchs, den er sich selbst stellt, wie auch seiner höchst poetischen Auffassung wegen, ist seine Arbeit einzigartig und kann insofern in eine Kontinuität mit jenen Künstlern, die bisher mit dem Goslarer Kaiserring-Preis ausgezeichnet wurden, gestellt werden… Die Beziehung, die Jimmie Durham zur Welt unterhält, ist sehr persönlich. Auf natürliche Weise eignet er sich an, was uns ethnisch weit entfernt scheint, und lässt uns das fremd erscheinen, was uns vertraut ist: „Wenn ich ein Stück Holz sehe, den Schädel eines Hundes, eine Plastikflasche, dann fühle ich, dass es da eine Verbindung gibt. Jeder dieser Gegenstände hat eine politische und materielle Geschichte, die ähnlich meiner eigenen ist“.“
Jimmie Durham: Der Künstler, Dichter und Aktivist Jimmie Durham (geboren 1940 in den USA, lebt in Berlin) begann 1964 als Bildhauer zu arbeiten und war gleichzeitig seit den frühen 1960er Jahren in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung politisch aktiv, unter anderem für die Rechte der Ureinwohner Amerikas. 1973 schloss er sein Kunststudium in Genf ab und kehrte in die USA zurück. In den 1970er Jahren war er Mitbegründer und Vorsitzender des International Indian Treaty Council bei den Vereinten Nationen, wo seine Tätigkeit unter anderem zur Erklärung der Rechte der indigenen Völker führte. 1987 verließ Durham die USA, ließ sich zunächst in Mexiko und seit 1994 in Europa nieder. Das Verhältnis zwischen Geschichte und Umfeld, Architektur und Monumentalität sowie eine kritische Haltung gegenüber politischen Machtverhältnissen und Narrationen nationaler Identität stehen oft im Zentrum seines künstlerischen und literarischen Werks. Durham lehrte etliche Jahre als Gastprofessor an der Malmö Art Academy und der Universität IUAV von Venedig. Durhams erste Soloausstellung fand 1965 in Austin/Texas statt. Seine Arbeiten wurden seitdem in zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert, zuletzt unter anderem: Whitney Museum of American Art, New York (2014; 2003; 1993); Venedig Biennale (2015; 2005; 2003; 2001; 1999); Museo Madre, Neapel (201; 2008); MuHKA – Museum of Contemporary Art, Antwerpen (2012); Swiss Institute, New York (2012); Documenta, Kassel (2012; 1992); 29. São Paulo Biennale (2010); Centre Pompidou, Paris (2010); Kunsthalle Bern (2010); Musée d'Art moderne de la Ville de Paris (2009); Museum Ludwig, Köln (2006).