Der Kampf um die besten Köpfe spitzt sich zu

Schulabgänger mit guten Noten ziehen das Studium der klassischen Berufsausbildung vor. Aus diesem Grund ist der Andrang auf die Hochschulen im Land in den letzten Jahren auch stetig gewachsen. Hier Studenten an der TU-Clausthal.

Viele Betriebe finden keine geeigneten Bewerber für ihre Lehrstellen

Für Schulabgänger hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Das Angebot ist so groß, dass nur in seltenen Fällen eine Vielzahl von Bewerbern auf nur eine Stelle kommt. Die Ausbildungsbetriebe haben vielmehr mit einem Mangel an geeigneten Bewerbern zu kämpfen. Harald Eitge, Leiter der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar sagt: „Der Kampf um die besten Köpfe spitzt sich weiter zu. In diesem Jahr konnten 209 Ausbildungsstellen bis dato nicht besetzt werden. Das sind über 50 Prozent mehr als im Vorjahr.“ Deshalb appelliert Eitge auch an die Betriebe in der Region, dass „nicht nur auf die Zeugnisnoten bei der Bewerberauswahl geschaut werden sollte, sondern das auch die individuellen Talente gefördert werden sollten.“
Im Bereich des Landkreises Goslar wurden insgesamt 924 Ausbildungsstellen angeboten. Das sind 73 weniger als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Ausbildungssuchenden im Landkreis belief sich auf 1114. Für den Gesamtbereich der Agentur für Arbeit Braunschweig-Goslar weist die Statistik 4147 gemeldete Ausbildungsstellen aus. Auf den Arbeitsmarkt drängten 4650 junge Erwachsene. Im Bereich der Geschäftsstelle Seesen kamen 215 Bewerber auf 146 Ausbildungsstellen.
Von diesen Bewerbern starteten aber nur 2303 eine Berufsausbildung. 1162 Absolventen werden weiter die Schulbank drücken, haben ein Studium aufgenommen oder absolvieren gegenwärtig ein Praktikum. Die Übrigen Schulabgänger, insgesamt 224, absolvieren soziale Dienste oder wurden von der Statistik nicht weiter erfasst. 42 Bewerber konnten noch keine adäquate Stelle antreten. Die werden in einer gesonderten „Nachvermittlungsaktion“ betreut.
Problematisch bei der Suche nach geeigneten Bewerbern ist für viele Ausbildungsbetriebe der wachsende Ansturm auf die Universitäten. Schulabgänger mit gutem Abschluss sehen ihre Zukunft nicht im Handwerk. Dabei ist der erste Studienabschluss, der Bachelor, absolut gleichwertig mit dem Meisterbrief im Handwerk. Arbeitsmarktexperten fordern deshalb, dass sich beispielsweise das Handwerk noch attraktiver darstellen muss, und auch den Schulen die Aufgabe zufällt, die Vielzahl an Berufs- und Zukunftschancen darzustellen.
Ein Blick auf die Top 10 der Ausbildungswünsche offenbart nämlich schon seit Jahren, dass sich viele Jugendliche immer wieder für die gleichen Berufe entscheiden. Dabei ist die Fülle an möglichen Tätigkeiten deutlich größer. Bei den weiblichen Bewerbern stehen unverändert die Berufe Verkäuferin, Medizinische Fachangestellte oder Bürokauffrau auf den obersten Plätzen. Die Männer bewerben sich mit Vorliebe auf Ausbildungsstellen als Industriemechaniker, Kfz-Mechatroniker oder Kaufmann.