Detailverliebter Blick für die Realität

Ein Bild vom Bocksberg in Hahnenklee. Bei dieser Aufnahme wird deutlich, was sich in Goslars höchstgelegnem Stadtteil tut und welchen Stellenwert heute der Tourismus einnimmt. (Foto: Christian Schuster)

Fotoausstellung „Strukturen im Harz“ / Christian Schuster zeigt Mittelgebirge aus seiner besonderen Sicht

Es ist schon bemerkenswert mit welch wachem und detailverliebten Auge sich der gebürtige Franke Christian Schuster mit Norddeutschlands größtem Mittelgebirge auseinandersetzt.

Der studierte Wirtschaftsinformatiker und Wirtschaftsingenieur Schuster ist in seiner Freizeit ein begeisterter Fotograf, der den Harz während seines Studiums an der Technischen Universität Clausthal kennen- und schätzen gelernt hat.
Schuster ist ein vom „Harz Begeisterter“ befand schon die Kulturbeauftragte des Landkreises Goslar, Dr. Elfi Krajewski, und mit seinen Ausstellungen im Goslarer Kreishaus und im Oberharzer Bergwerksmuseum sowie dem dazugehörigen Bildband „Strukturen im Harz“ tritt Schuster den Beweis dafür gleich selbst an.
Seine Aufnahmen, digital und analog, zeichnen ein fotografisches Bild vom Harz, die nichts mit den Hochglanzaufnahmen aus Reise- oder Werbeprospekten gemein haben, sondern die Wirklichkeit abbilden. Sie zeigen den Harz wie er ist. Sie zeigen den Harz, wie er vielleicht noch nicht einmal von Einheimischen gesehen wird. Sie zeichnen ein unvoreigenommenes, ein realistisches, ein ehrliches Bild vom Harz.
Christian Schuster nähert sich dem Mittelgebirge und seiner bewegten (Bergbau)Geschichte aber dennoch auf eine künstlerische Art. Seine Bilder, die er Serien wie „Schnee“, „Brücken“, „Gräben“ oder „Winkel“ zuordnet, schaffen den Spagat zwischen Landschafts-, Industrie- und Naturfotografie oder vereinen sogar alle drei Merkmale in nur einem Bild. So beispielsweise einige Bilder aus der Serie „Schnee“ oder „Verwittert“. Vom Rost überdeckte Loren aus den Zeiten des Bergbaus, halb versunken im Schnee, dokumentieren, dass dieser längst eingestellte Industriezweig die Gegenwart des Harzes weiterhin prägt.
Ähnlich verhält sich dies auch bei Aufnahmen der Serie „Abends“. Riesige Fördertürme vor wunderschönem Abendhimmel zeigen auch hier, dass der Bergbau die Region einst prägte und diese Strukturen noch heute weithin sichtbar Zeugnis davon ablegen.
In PR-Kampagnen wird der Harz gerne als „mystisch“, also geheimnisvoll bezeichnet. Christian Schuster gelingt es diese für Werbezwecke gern getroffene Aussage tatsächlich in seinen Bildern festzuhalten. Er braucht dafür keine Hexen oder Fotomontagen. In seinen Bildern der Serien „Stein“ und „Strukturiert“ beispielsweise wirkt eine in Ausschnitten zu sehende runde Steinmauer wie Teil eines mittelalterlichen Verlieses und die sich in einem alten Fenster spiegelnden Strukturen könnten auch einem Horrorfilm entstammen.
Sicher ist es auch die Vielfalt der Bilder und die fotografische Versiertheit, die die Arbeiten von Christian Schuster sehenswert machen. Doch sie bieten gleichzeitig auch viel Platz für eigene Interpretation und zeigen den Harz von einer Seite, die sich Einheimischen und Besuchern vielleicht nicht auf den ersten Blick erschließt.
Der Harz ist geprägt von unverkennbaren Strukturen und einer bewegten Vergangenheit. Schuster ist es gelungen, dies auf vortreffliche und eine unverfälschte Weise einzufangen. Schuster fotografiert mit einem detailverliebten Blick, der die Realität abbildet.
Erwähnenswert ist sicher auch die Tatsache, dass die Aufnahmen nicht nachbearbeitet werden, sondern das wiedergeben, was der selbständige Berater für kombinierte Unternehmensprozess- und IT-Beratung beim Drücken des Auslösers gesehen hat.
Die Fotoausstellung „Strukturen im Harz“ von Christian Schuster ist übrigens noch bis Dezember 2015 im Oberharzer Bergwerksmuseum (Bornhardtstraße 16) in Clausthal Zellerfeld zu sehen. Das Museum ist montags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.