Dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen

Landrat Thomas Brych und Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk (hier bei der Pressekonferenz Anfang Dezember 2014) haben sich inzwischen auf eine gemeinsame Vorgehensweise bei der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen verständigt.

Stadt und Landkreis Goslar wollen an einem Strang ziehen / Gespräch zwischen Landrat und Oberbürgermeister

Landkreis und Stadt Goslar setzen bei der Flüchtlingsunterbringung auf dezentrale Unterbringung und Integration. Dies geht aus einer Pressemitteilung hervor, die gestern die Redaktion des „Beobachter“ erreichte.

Das bereits seit 2013 vorliegende Integrationskonzept des Kreises, heißt es in der Mitteilung, wird dabei die Grundlage bilden. Mit dem konzeptionellen Ansatz, dem bereits erreichten Status und den weiteren Plänen ist der Landkreis Goslar nach eigener Einschätzung führend in der Region. Das sei das Ergebnis eines Vier-Augen-Gesprächs zwischen Landrat Thomas Brych und Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk, heißt es in der Mitteilung weiter. Beide sind sich einig, dass Zuwanderung als Chance zu betrachten ist. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.
„Ich habe dargelegt, dass der Kreis schon seit Jahren an diesem Thema arbeitet und ein professionelles, zukunftsfähiges Konzept aufgelegt hat. Die Stadt Goslar ist, wie alle anderen kreisangehörigen Gemeinden, eingeladen, sich in die konzeptionellen Arbeiten und Umsetzungsschritte aktiv einzubringen“, erklärt Landrat Thomas Brych.
Im Jahr 2014 wurden von landkreisweit knapp 500 Flüchtlingen im Stadtgebiet Goslar 46 untergebracht. Die aktuellen Zahlen des Innenministeriums gehen für 2015 von einer Quote von 708 Flüchtlingen für den Landkreis Goslar aus, wovon 236 im Stadtgebiet Goslar untergebracht werden müssten.
Was sind die Kernpunkte des Konzepts, was gibt es bereits und wie geht es weiter?
Die „Konzeption der Willkommenskultur“ beim Landkreis Goslar kann man als 3-Säulen-Modell bezeichnen. Die drei Säulen sind Konzeptionen, Projekte und Netzwerke. Die Konzeptionen befassen sich mit allen Fragen von der dezentralen Unterbringung über die erste Betreuung und Begleitung im Alltag und bei Behördengängen bis zur Organisation von Sprachkursen und weiteren Unterstützungsangeboten.
Auch bei den Projekten ist der Kreis schon sehr aktiv. Mit finanzieller Unterstützung aus Fördermitteln sind aktuell drei große Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 740.000 Euro in konkreter Vorbereitung. Eines davon, das Wohnprojekt „Zusammenleben von Anfang an“ ist als Modellprojekt der Kommunen Goslar, Langelsheim und Liebenburg geplant. Ein anderes Projekt befasst sich mit der Bestandsfeststellung und einer Bedarfsanalyse zu lokalen Integrationsansätzen.
Auch die Netzwerke funktionieren bereits. So trifft sich beispielsweise die AG Migration einmal im Quartal zu Abstimmungsgesprächen. Hier sind rund 40 verschiedene Stellen und Institutionen engagiert. In diversen anderen Runden ist das Thema Migration und Integration ebenfalls auf der Tagesordnung.
„Integration funktioniert neben einer vernünftigen Unterbringung vor allem über die Sprache“, sagt Landrat Brych. Er freut sich daher besonders über eine Aktion, die noch im ersten Halbjahr 2015 starten wird: „Der Landkreis wird künftig allen neu ankommenden Flüchtlingen einen Grundsprachkurs anbieten, um die ersten Sprachbarrieren möglichst schnell zu überwinden.“ Eine weitere Besonderheit wird ein „Bilder-Wörterbuch“ sein, das allen neu ankommenden Flüchtlingen ausgehändigt wird. Hier sind gängige Gegenstände und Begriffe einfach und verständlich erläutert, so dass auch ohne Sprachkurs die ersten deutschen Worte erlernt werden können. Was ist mit der Aufnahme von Flüchtlingen aus anderen Kreisen? Landrat Thomas Brych betont, dass er weitere Gespräche zu dieser Frage frühestens dann führen wird, wenn die Rahmenbedingungen für alle zugewiesenen Flüchtlinge im Kreisgebiet geschaffen sind und sich freie Kapazitäten abzeichnen. Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk hingegen will parallel zu den kreisweiten Maßnahmen weitere Gespräche mit Nachbarkreisen führen, um die modellhafte Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge zu klären.