Die Stärken über die Schwächen stellen

Auf Initiative von Landrat Thomas Brych arbeiteten am Wochenende rund 90 Akteure aus allen Bereichen der Gesellschaft an einer Neuausrichtung der Zukunftsstrategie.
 
In der so genannten Fishbowl wurden die Ergebnisse im Plenum diskutiert.
 

Strategiekonferenz des Landkreises: 90 Teilnehmer arbeiten am Profil der Region

Drei Leitthemen umfasst das überarbeitete Strategieprogramm des Landkreises Goslar mit dessen Konzeption und Ausarbeitung sich am Wochenende rund 90 Akteure aus Wirtschaft, Verwaltung, Politik, Vereinen und Verbänden in der „Alten Schlosserei“ im Weltkulturerbe Rammelsberg befassten.
Einer konsequenten Umsetzung vorausgesetzt, soll die neue Strategie dazu beitragen, das Image respektive die Wahrnehmung des Landkreises als innovative Industrie- und Wirtschaftsregion nach innen und außen zu verbessern, die Vernetzung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur zu optimieren sowie nachhaltige Impulse für die Wirtschaft setzen zu können.
Den Auftakt der Strategiekonferenz bildeten am Freitagabend eine Reihe von Vorträgen, bei denen deutlich wurde, dass der Landkreis trotz aller nicht wegzudiskutierenden Probleme großes Potenzial und vielfältige Stärken besitzt. Eine Sichtweise auf die Region, die am Samstag Dr. Friedhart Knolle im Rahmen der Diskussion des Strategieprogramms im Plenum vortrefflich auf den Punkt brachte. So sagte der Naturschützer und Pressesprecher des Nationalparks Harz, dass der Landkreis nicht nur über ausgezeichnete Industrieunternehmen verfügt (Anm. d. Red. im Landkreis Goslar agieren acht Weltmarktführer), sondern mit dem Nationalpark Harz, dem Unesco-Weltkulturerbe und dem Brocken ein in Mitteleuropa einzigartiges Portfolio aufweisen kann, dessen Stärken herausgearbeitet werden müssten, anstatt immer nur auf den bekannten Schwächen herumzureiten.
Landrat Thomas Brych, auf dessen Initiative die Neuausrichtung des im Jahr 2008 vom Kreistag beschlossenen Zukunftsprogramms zurückgeht, sagte in seiner Eröffnungsrede, dass der Sinn eines Strategieprogramms beziehungsweise dessen Überarbeitung durchaus kritisch hinterfragt werden dürfe. Denn auch er sei sich bewusst, dass in der Vergangenheit bereits häufig gute Ideen formuliert wurden, diese dann aber wieder in der Schublade verschwanden.
Dies im Hinterkopf hofft Brych nun darauf, dass die Neufassung der Zukunftsstrategie auch als Chance begriffen wird, um auf konzeptioneller Ebene unter Einbindung aller relevanten Akteure objektiv zu hinterfragen, woran die Umsetzung guter Ideen in der Vergangenheit scheiterte, und welche Rahmenbedingungen künftig geschaffen werden müssen um weiteres Scheitern zu verhindern.
Mit seiner Initiative möchte der Landrat, das machte er nicht nur in seinen Reden im Verlauf der Konferenz, sondern auch im Gespräch mit dem „Beobachter“ deutlich, die in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit am Zukunftsprogramm seines Vorgängers nicht kleinreden, sondern vielmehr dazu beitragen, dass das inzwischen sehr aufgeblähte und deshalb unhandliche Programm wieder fassbar, transparent und in letzter Konsequenz umsetzbar wird.
Die Vorstellung des Konzeptes am Samstag, dem zweiten Tag der Konferenz, der ganz im Zeichen der inhaltlichen und konzeptionellen Arbeit aller Akteure stand, nutzte Verwaltungschef Thomas Brych um den Teilnehmern zunächst einen Einblick in die wesentlichen Aspekte zur Entstehung des neuen Programms sowie dessen elementare Inhalte zu vermitteln. Dabei warf Landrat Brych auch einen Blick zurück, da viele Ideen des bisherigen Zukunftsprogramms in die Ausgestaltung des neuen eingeflossen sind.
Aus ursprünglich zehn strategischen Zielen sind im Laufe der letzten Monate wie eingangs schon erwähnt drei Leitthemen erwachsen. Beim ersten Leitthema „Innovativer Wirtschaftsraum“ geht es unter anderem um die Schaffung von Rahmenbedingungen für die umwelt- und naturverträgliche Standortentwicklung, die Entwicklung geeigneter Maßnahmen um Fachkräfte nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig zu binden, einer noch stärkeren Einbindung der TU Clausthal um den Wissenschafts- und Technologietransfer als nachhaltigen Standortvorteil zu implementieren sowie um eine Weiterentwicklung des Landkreises Goslar als eine der führenden Regionen für Qualitäts-Tourismus.
Das zweite Leitthema „Attraktiver Wohn-, Arbeits- und Lebensraum“ hat zum Inhalt den Breitbandausbau mit aller Kraft zu forcieren, da die gegenwärtige Versorgung mit schnellem Internet ein echter Standortnachteil für den Landkreis Goslar ist, die Schaffung attraktiver Studien-, Bildungs- und Weiterbildungsangebote, die Anpassung der Siedlungsstruktur sowie die Weiterverfolgung des Ziels, den Landkreis als Gesundheitsregion zu etablieren.
Beim dritten Leitthema „Verbindende und aktive Bürgerkommune“ soll es um die Stärkung des Verantwortungsbewusstseins und bürgerschaftlichen Engagements, die Verbesserung der Kinder- und Familienfreundlichkeit, die Integration benachteiligter und Menschen mit Migrationshintergrund sowie den vermehrten Einsatz einer aktiven und direkten Bürgerbeteiligung gehen.
Ruth Hammerbacher, die als Moderatorin durch die Konferenz führte, brachte am Samstag bevor sie zur Gruppenarbeit überleitete zum Ausdruck, dass der Landkreis natürlich nicht alle Punkte des Strategieprogramms gleichzeitig bearbeiten könne, und deshalb je nach Situation oder Dringlichkeit eine Priorisierung stattfinden müsse.
Die Gruppenarbeit diente dann der inhaltlichen Schärfung des Programms. So diskutierten die Teilnehmer unter anderem die Frage, ob das von der Kreisverwaltung vorgelegte Konzept alle wichtigen Punkte und Themenbereiche abdeckt und ob noch weitere Felder bedacht werden müssen.
Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten wurden im Anschluss diskutiert. Dabei stellte sich heraus, dass es den Teilnehmern im Wesentlichen um drei Punkte geht. Den Imagewandel, eine bessere Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Tourismus und das Setzen von Impulsen für die Wirtschaft.
Große Einigkeit herrschte vor allem darin, dass es nicht alleine Aufgabe des Landkreises sein kann, das Strategieprogramm umzusetzen und mit Leben zu füllen. Vielmehr komme der Kreisverwaltung die Rolle eines Moderators beziehungsweise Begleiters zu. Denn um tatsächliche wegweisende Projekte zu entwickeln bedarf es neben der politischen Arbeit einer breiten gesellschaftlichen Beteiligung.
Kontrovers diskutiert wurde vor allem der angestrebte Imagewandel. So machte Landrat Brych deutlich, dass das Bild was viele von der Region um Goslar hätten „falsch sei“. Eine Aussage, die grundsätzlich auf Zustimmung traf, wobei sich rasch ergab, dass es nicht alleine die äußere Wahrnehmung ist, die es zu verbessern gilt, sondern das auch der Blick der hier lebenden Menschen auf die unbestreitbaren Stärken der Region gelenkt werden muss. Die Ergebnisse der Konferenz werden in den kommenden Wochen in das Strategiepapier der Verwaltung eingearbeitet. Dann folgt die politische Arbeit. Der Kreistag muss dem Programm seine Zustimmung erteilen. Die Arbeit bei der zweitägigen Strategiekonferenz war von großer Harmonie und einem breiten Konsens geprägt. Vor allem diente diese Tagung aber auch dafür die verschiedenen „Player, wie sie Landrat Brych bezeichnete, miteinander ins Gespräch zu bringen.