Die „Wertstofftonne danach“

Finanzvorstand Ulrich Weiland und Unternehmenssprecher Thomas Ebert zeigen, wie die „Wertstofftonne danach“ funktioniert.

Kreiswirtschaftsbetriebe starten zum 1. März Pilotprojekt für eine kommunale Wertstofftonne in Goslar-Ohlhof

Am 1. März starten die Kreiswirtschaftsbetriebe Goslar (KWB) ein Pilotprojekt mit dem Namen die „Wertstofftonne danach“ im Goslarer Stadtteil Ohlhof. Dies teilte Finanzvorstand Ulrich Weiland zusammen mit Unternehmenssprecher und Vorstandsmitglied Thomas Ebert am Dienstag in einem Pressegespräch mit.

Mit dieser Aktion folgen die KWB dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), das bereits zum 1. Juni 2012 in Kraft trat und die ersten Grundsteine für die Einführung einer einheitlichen Wertstofftonne legte. Konkrete Regelungen zur Einführung einer solchen Tonne enthält das Gesetz indes nicht. Und genau aus diesem Grund wollen die Verantwortlichen der kommunalen Müllentsorgung zunächst evaluieren, wie groß der Bedarf an einer solchen Tonne überhaupt ist.
Den Goslarer Stadtteil Ohlhof haben die Kreiswirtschaftsbetriebe aus gutem Grund gewählt. Ohlhof liegt nicht nur in räumlicher Nähe zum Standort der KWB in der Goslarer Bornhardtstraße, sondern liefert für den Probelauf der Wertstofftonne eine ausgewogene Siedlungsstruktur mit Ein- und Zweifamilienhäusern, mehrgeschossigem Wohnungsbau und einem kleinen Gewerbegebiet. „Ohlhof bildet den Kreis kleinteilig ab und bietet für uns gute Möglichkeiten zu schauen wie groß die Nachfrage nach einem solchen Angebot überhaupt ist“, so Unternehmenssprecher Ebert. Zunächst gelte es herauszufinden wie viel Abfall, der für die Entsorgung in der Wertstofftonne in Frage kommt, überhaupt in einem durchschnittlichen Haushalt im Landkreis Goslar anfalle.
Für das Projekt werden keine neuen Tonnen ausgeliefert sondern die vorhandenen „blauen“ Tonnen für das Altpapier genutzt. „Wir wollen ressourcenschonend arbeiten, und die Gebührenzahler nicht mit Mehrkosten belasten“, sagt Ulrich Weiland.
In die Wertstofftonne können Abfälle wie beispielsweise Schüsseln, Spielzeug, Wannen, Eimer, Körbe, Pflanzschalen und Blumentöpfe gepackt werden. Ferner können darin auch Metalle wie Töpfe und Pfannen, Werkzeug, Nägel, Schrauben und Küchengeräte wie Siebe, Reiben oder Armaturen entsorgt werden.
Die Nutzung des Dualen Systems mit seinen gelben Säcken, in denen zum Beispiel Joghurt-Becher oder Milchtüten Platz finden, wird die Wertstofftonne jedoch nicht ablösen. „Dieses System bleibt weiterhin bestehen“, so Ebert.
Bevor das Pilotprojekt an Kontur gewonnen hat, trafen sich die Verantwortlichen der KWB nämlich mit einigen Systembetreibern des gelben Sackes, um zu klären, ob diese privatwirtschaftlichen Unternehmen Interesse an der Einführung einer Wertstofftonne haben. „Die Systembetreiber haben aber abgewunken und kein Interesse an einem solchen Projekt signalisiert“, erklärt Finanzvorstand Weiland. Aus diesem Grund reifte nicht nur in Reihen der Kreiswirtschaftsbetriebe sondern auch in der Politik die Idee zunächst eine „kommunale“ Lösung zu finden. Im Herbst vergangenen Jahres entschloss sich dann der Verwaltungsrat der KWB das Pilotprojekt am 1. März diesen Jahres zu starten.
Die Abholung der Wertstofftonne erfolgt immer einen Tag nach der regulären Abfuhr des Altpapiers. „Das Altpapier und die anderen Wertstoffe sollen nicht zusammen in der Tonne gesammelt werden“, erklärt Ebert, „zunächst soll wie gewohnt nur das Altpapier in den blauen Behältern verschwinden, und wenn die Abfuhr erfolgt ist, können Dinge wie Plastikspielzeug oder Werkzeuge, Nägel und Schrauben hineingeworfen werden.“
Zusätzlich bieten die Kreiswirtschaftsbetriebe auch die Entsorgung von Elektrokleingeräten an. „Dinge wie Handy oder kleine Radios gehören aber auch nicht in die Tonne. Diese können in geeigneten Behältnissen neben die Tonne gestellt werden und werden dann von unseren Mitarbeitern mitgenommen“, erläutert der Unternehmenssprecher.
Die mit der Wertstofftonne gesammelten Abfälle werden von den Fahrern der KWB zu einem Drittunternehmer gebracht, der eine Sortierung vornimmt. Diese Arbeit muss von den Wirtschaftsbetrieben bezahlt werden. Den Gebührenzahler wird das jedoch nicht belasten, wie Weiland und Ebert versprechen.
An zwei Terminen, am 25. Juni und 12. November, sollen im Zuge des Pilotprojektes auch Altkleider gesammelt werden. „Mit dieser Aktion wollen wir aber auf keinen Fall in Konkurrenz zu gemeinnützigen Vereinen wie dem Roten Kreuz treten“, macht Weiland deutlich, „das ist auch der klare Wunsch der Politik.“
Die Bürger in Ohlhof werden am kommenden Sonnabend einen Flyer in ihren Briefkästen finden, auf denen die „Wertstofftonne danach“ genauestens erläutert wird. Zusätzlich wird eine Info-Veranstaltung am Donnerstag, 13. Februar, im Gebäude der KWB angeboten. Beginn ist um 19 Uhr. Für Menschen, die nur eingeschränkt mobil sind, wird ein Fahrdienst angeboten. Anmeldungen dazu werden bis zum 11. Februar unter der Rufnummer (05321) 376706 entgegengenommen.
Ob sich dieses Projekt je für die Kreiswirtschaftsbetriebe finanziell lohnen wird, bezweifelt Finanzvorstand Weiland. „Ich gehe davon aus, dass wir kostendeckend arbeiten können. Gewinn werden wir damit aber wahrscheinlich nicht machen.“
Sollte das Pilotprojekt in Ohlhof Schule machen werden die Kreiswirtschaftsbetriebe darüber nachdenken die „Wertstofftonne danach“ schon ab Anfang 2015 kreisweit einzuführen.

Hintergrund: Das Geschäft mit Wertstoffmüll wie Plastik- oder Elektroschrott ist äußerst lukrativ. Die Systembetreiber des gelben Sackes verkaufen die sortierten Abfälle an spezialisierte Unternehmen, die aus den Wertstoffen neue Produkte herstellen. Besonders lukrativ ist aber die Verwertung von Elektroschrott wie Smartphones. In den kleinen Alleskönnern stecken nämlich wertvolle Rohstoffe, deren Abbau kostspielig beziehungsweise deren Vorkommen begrenzt ist.
Wer Fragen rund um das Pilotprojekt der Kreiswirtschaftsbetriebe hat, kann sich beim Info-Telefon unter (05321) 376706 informieren.