„Ein Aufgabengebiet breit wie der Balaton“

Landrat Thomas Brych verabschiedet Kathrin Weiher am Montag mit einem Blumenstrauß.
 
Im Landratswahlkampf 2013 empfahl sich Kathrin Weiher als "Generalistin". Jetzt ist sie offenbar froh in Lübeck als Spezialistin zu arbeiten.

Landrat Thomas Brych und Kreistagsmitglieder verabschieden Kreisrätin Kathrin Weiher

Die erste Sitzung des Goslarer Kreistages im neuen Jahr war ein wahrer Marathon und dauerte mit rund dreieinhalb Stunden deutlich länger als in der Regel üblich. Die ungewöhnliche Länge der Sitzung war aber auch den rund 30 Tagesordnungspunkten geschuldet, an deren Ende, quasi als Höhepunkt, die Verabschiedung des Haushaltsplanes für das Jahr 2015 stand. Alleine die Debatte über den Haushalt nahm mehr als eine Stunde in Anspruch.

Den Haushaltsplan des Landkreises für das Jahr 2015, der einen Überschuss von 1,779 Millionen Euro vorsieht, und somit nur haarscharf die Auflagen des Zukunftsvertrages mit dem Land Niedersachsen erfüllt, verabschiedete der Kreistag letztlich mehrheitlich. Über die Haushaltsdebatte und die vorangegangene Haushaltsrede von Landrat Thomas Brych, wird der „Beobachter“ in seiner morgigen Ausgabe berichten. An dieser Stelle soll der Blick zunächst auf eine Personalie gerichtet werden, die im Zuge der Kreistagssitzung verabschiedet wurde.
Am Montagnachmittag hatte nämlich Kreisrätin Kathrin Weiher ihren letzten Auftritt im Goslarer Kreistag. Und bei ihrer Verabschiedung wurde einmal mehr deutlich, dass sie die Niederlage in der Landratswahl im Juni 2013 offensichtlich immer noch nicht so ganz verknusen kann, und das Verhältnis zum Gewinner, dem amtierenden Landrat Thomas Brych, weiterhin, zumindest für Außenstehende, unterkühlt wirkt.
In seiner Verabschiedung machte Brych trotz vieler lobender Worte keinen Hehl aus den Startschwierigkeiten, die er mit Kreisrätin Weiher hatte. „Wir hatten keinen glücklichen Start, sondern zu Beginn vor allem viele Meinungsverschiedenheiten“, so Landrat Brych. Und auch Kathrin Weiher, die seit dem 1. Januar des Jahres das Amt der Kultur- und Schulsenatorin in der Hansestadt Lübeck bekleidet, sagte: „Am Anfang war das Verhältnis zwischen mir und dem Landrat tatsächlich von unterschiedlichen Ansichten geprägt, was aber wohl auch der Tatsache geschuldet war, dass wir zuvor im Rennen um das Landratsamt gegeneinander kandidierten.“
In ihrem neuen Amt in der Marzipanstadt Lübeck fühle sie sich indes nach nur einer Woche schon pudelwohl, da die neue Aufgabe auch eher ihren Qualitäten und Vorlieben entspreche.
In ihrer vierjährigen Amtszeit als Kreisrätin im Landkreis Goslar (1. Oktober 2010 bis 31. Dezember 2014), das machte Brych in seiner Verabschiedungsrede deutlich, war die 52-jährige Soziologin mit einer Vielzahl an Themen betraut. Neben der Verantwortung über den Steuerungsdienst Finanzen und Controlling setzte sich die gebürtige Braunschweigerin auch aktiv beim Neubau der Feuerwehrtechnischen Zentrale, dem schulischen Inklusionsprozess, dem Aufbau eines Sozialkaufhauses, der Sanierung der Deponie Morgenstern und der Weiterentwicklung des Senioren- und Pflegezentrums auf Kreisebene ein. „Frau Weiher“, so Thomas Brych, „habe mit ihrer offenen, fröhlichen und lebensbejahenden Art sowie ihrem großen Engagement viele Akzente in der Kreisverwaltung gesetzt, für die ich ihr sehr dankbar bin.“
Kathrin Weiher schwärmte unterdessen schon fast von ihrer neuen Aufgabe und sagte sinngemäß, dass die Vielfalt ihrer Aufgaben als Kreisrätin für sie auch nicht immer befriedigend gewesen seien. „Der Landrat sagte einmal über mein Aufgabengebiet, dass es breit sei wie der Balaton“, so Weiher, „was aber auch bedeutet, dass es eben nicht besonders tief ist.“ An vielen Stellen hätte sie nur an der Oberfläche kratzen und sich nicht im Detail mit den Problemen und Herausforderungen beschäftigen können. In ihrer neuen Position als Kultursenatorin in Lübeck sei dies ganz anders, dort wäre sie ausschließlich für die Themenfelder Bildung, Kultur und Jugendamt zuständig, was eine intensivere Beschäftigung ermögliche.
Dem aufmerksamen Zeitungsleser soll an dieser Stelle aber nicht verschwiegen werden, dass dieses „neue“ Amtsverständnis von Kathrin Weiher, konträr zu den Ansichten steht, die die 52-Jährige vor rund anderthalb Jahren im Landratswahlkampf vertrat. Im Gespräch mit dem „Beobachter“ sagte sie im Mai 2013 wörtlich: „In vielen Bereichen des Lebens und Arbeitens werden immer mehr Spezialisten gebraucht. Eine gute Landrätin muss aber eine Generalistin sein, um die vielfältigen Themenfelder des Landkreises Goslar bearbeiten und meistern zu können.“ Offensichtlich hat Kathrin Weiher ihre Ansichten aber inzwischen deutlich überdacht und ist zu dem Schluss gekommen, dass sie wohl eher eine Spezialistin als Generalistin sein möchte.
Die Kreistagsabgeordneten wünschten der 52-Jährigen auf jeden Fall alles Gute für ihre neue Aufgabe und verabschiedeten sie mit verschiedenen Präsenten. Landrat Brych überreichte ihr einen Blumenstrauß.