Eine berauschende musikalische Reise

Daniel Kharitonov.
 
Eröffneten die musikalische Reise mit Stücken von Franz Schubert und Ludwig von Beethoven. Fotos: Hoffmann

Der junge russische Pianist Daniel Kharitonov zieht Zuhörer im Bündheimer Schloss in seinen Bann

Einen schönen Musiknachmittag mit anschließender Würdigung gab es am Sonntag. Das Bündheimer Schloss wurde so voll, dass noch Stühle aufgestellt werden mussten. Viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft erschien. Unter anderem Dr. Stephan Röthele von der Sympatec GmbH, der ab Herbst eine eigene Reihe unter dem Namen Harz-Classix etablieren wird.
Den Reigen der musikalischen Reise eröffneten die japanische Violinistin Mayu Kishima, der Spanier Miguel Ángel Lucas an der Viola und Damien Ventula am Violoncello. Die drei spielten Franz Schuberts Streichtrio B-Dur D 471. Mayu Kishima bestach durch anmutiges Spiel und gab dem Werk eine heitere Atmosphäre. Geschmeidig und fein im Allegro, rokokohaft ausgeziert im Andante über ein hübsches Menuett und einem abwechslungsreichen Rondo, so kam das schöne Trio daher.
Im Gegensatz zu Kishimas weichem und fließendem Spiel standen Lucas und Ventulas etwas leidenschaftlichere und kräftigere Interpretationen. Energisch gingen die Musiker dann Ludwig van Beethovens Streichtrio c-Moll op.9 Nr. 3 an. Spannend mit viel Leidenschaft im ersten Satz, kurzes Aufblitzen eines lyrischen Parts entwickelten die Musiker das Werk stürmisch und ungestüm bis hin zu einem furiosen Finale Presto.
Auch optisch setzten Mayu Kishima, Miguel Ángel Lucas und Damien Ventula Akzente. Im leuchtend blauen Kleid die Japanerin, Damien Ventula mit orangefarbenem Schal. Für ihr hervorragendes Zusammenspiel erhielten die drei viel Applaus. Willi Lauer, der neben der Musikförderung einer Stiftung vorsteht, würdigt in jedem Jahr Personen oder Vereine, die sich gesellschaftlich engagieren.
Stellvertretend für den Verein Kiez e.V. Güntersberge nahmen Geschäftsführerin Christiane Brandenburger und Vorsitzender Falk Schilling den Preis entgegen. Kiez steht für „Kinder zur Erholung“ und ermöglicht preiswerten und abwechslungsreichen Urlaub mit internationaler Ausrichtung für Familien, Jugendliche und Schulklassen.
Lauer kündigte sehr emotional den jungen russischen Pianisten Daniel Kharitonov an. Als Preisträger renomierter internationaler Wettbewerbe und Schüler namhafter russischer Professoren und Künstler, zog er sofort das Publikum in seinen Bann. Er begann mit Johann Sebastian Bachs Chaconne d-Moll voller Vehemenz. Fein austariert interpretierte er Liszts Sonetto del Petrarca Nr. 123 As-Dur. Ruhig fließend am Anfang, mit langanhaltenden Passagen im Mittelteil bis zu einem hingehauchten Schluss.
Frédéric Chopins Ballade Nr. 1 g-Moll kam verspielt daher. Zu einem wahren Ohrwurm entwickelte sich Franz Liszts Étude Nr. 3 „La campanella“ gis-Moll. Kharitonov musizierte es sehr melodisch mit vielen Trillern. Bereits zwischendurch erhielt er frenetischen Applaus, am Ende wurde er wie ein Popstar mit stehenden Ovationen gefeiert. Ein feines Lächeln huschte dabei über seine Lippen. Um eine Zugabe kam er nicht herum, spielte Liszts „Transzendente Étude“. Noch einmal rauschender Beifall.
Daniel Kharitonovs Musizieren hat sich entscheidend verbessert, ist reifer geworden. Er steht für den Titel „Gesandter der russischen Kultur“ in einer Reihe mit Anna Netrebko. Auf einer Internetseite kann über ihn abgestimmt werden. Willi Lauer war riesig stolz auf seinen Schützling.