Fernsehauftritt gleicht einem Schwimmwettkampf

Margarete Demmnig im Gespräch mit Musikmanager Thomas Stein. Foto: Hoffmann (Foto: Hoffmann)

Zum Abend mit Thomas M. Stein im Bündheimer Schloss

Ein interessiertes Publikum erlebte die zwei Seiten eines der mächtigsten Männer im deutschen Musikgeschäft. Hier der Musikmanager Thomas Stein, der in den ersten beiden DSDS-Staffeln in der Jury saß, und dort der private, der kurz hintereinander die beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben durch Krebserkrankung verlor.
Einem Countdown gleich, präsentierte er seine Biografie „Gesagt, getan“. Verglich seine Fernsehauftritte mit einem Schwimmwettkampf, wo dann nur noch der Erfolg zählt. Beschrieb die hektische Betriebsamkeit beim Sender vor seinen Auftritten. Dann griff Margarete Demmnig vom Kulturklub ins Geschehen ein, und es folgte ein Gespräch zwischen den beiden.
Mit angenehm sonorer Stimme stand Thomas Stein Rede und Antwort. Er schilderte seine Karriere, die mehr oder weniger aus Zufällen bestand. Eigentlich sollte er einen Gemüseladen führen oder Ölkaufmann werden. Er wurde Verlagskaufmann. Etablierte die Buchladenkette Montanus, und das alles mit gerade einmal 21 Jahren. Der Einstieg ins Musikgeschäft begann mit seiner Arbeit für die Plattenfirma Teldec, später für Ariola, bei der er Künstler wie Gotthilf Fischer oder Ernst Mosch unter Vertrag nahm. Aber auch neuere Gruppen wie N'Sync oder die Backstreet Boys. Das war der Höhepunkt seiner Karriere. Stein ließ Begegnungen mit Stars Revue passieren. Gilbert O'Sullivan, der beim „Großen Preis“ sein Lied nicht singen wollte. Oder das zufällige Treffen mit dem Ehemann von Piazador, einer Rockröhre der 70er Jahre. Whitney Houston, die unbedingt rote Lederhosen haben wollte. Thomas Stein besorgte sie ihr. Die Begegnung mit Gustav Kuhn, seinerzeit Mitglied der Robert-Stolz-Gesellschaft, verschaffte ihm einen Einblick in die Welt der Oper. Kuhn schrieb naserümpfend, dass Stein nur deutsche Schlager unters Volk bringe. Stein konterte, er verkaufe mit seinen Schlagern mehr Platten als Kuhn mit seinem klassischen Genre. Beim Prozess gegen Peter Maffay bekam Stein die Härte des Musikgeschäfts zu spüren. Doch hinterher besiegelten Stein und Maffay ihre Freundschaft mit einer Flasche Jack Daniels. Thomas Stein leistete sich auch verrückte Experimente wie die Plattenaufnahme eines nepalesischen Mönchsgesangs. Die Platte wurde ein Flop. Stein fand sie trotzdem interessant. Sein Engagement bei DSDS gab er auf, weil ihm die Pflege seiner beiden Frauen wichtiger war. Wie schafft man es, diese aus den allgemeinen Medien herauszuhalten? Indem man Journalisten sucht und findet, die dem Privatleben von öffentlichen Personen Respekt erweisen. Stein schilderte auch den Zwiespalt, kurz nach dem Tod seiner ersten Frau eine Silvestershow fürs Fernsehen zu produzieren. Sein Resumee: Nach verflossenen Begegnungen und Arbeiten immer wieder nach vorn sehen und Professionalität zeigen. Das Publikum bedankte sich mit viel Beifall für Thomas Steins offenes und ehrliches Auftreten.
Dagmar Hoffmann