Fotografien von Wood, Parr und Sutkus zeigen den Menschen in seinem Alltag

Eine äußerst sehenswerte Fotoausstellung wurde im alten Standesamt eröffnet

Ausstellungseröffnung des Mönchehaus-Museum / „Gehen wir vielleicht bilderlosen Zeiten entgegen?“

Viele Kunstfreunde kamen, um der Eröffnung einer interessanten Fotoausstellung des Goslarer Mönchehaus Museums beizuwohnen. Inzwischen wird das neue Domizil im alten Standesamt gut angenommen. Die Räume haben etwas sehr Intimes, vor den passenden Wandfarben kommen die Fotos von Tom Wood, Martin Parr und Antanas Sutkus sehr gut zur Geltung.
Hans-Michael Koetzle, selbst Fotospezialist und Autor von mehreren Fotografiebüchern, gab eine profunde Einführung. Allen drei Fotografen ist eins gemeinsam: Der Mensch in seinem Alltag. Bei Tom Wood sind es zudem Landschaftsmotive, die durch verschiedene Belichtungszeiten wie colorierte alte Postkarten wirken. Kurz ging Koetzle auf die Geschichte der Fotografie als Kunstform ein.
Edward Steichen, selbst Fotograf und von 1947 bis 1962 Direktor der Fotoabteilung des New Yorker Museum of Modern Art erklärte: „Die Aufgabe des Fotografen ist es, den Menschen den Menschen zu erklären“. Und dieses Diktum erfüllen die drei Fotografen. Martin Parrs Bilder zeigen oft skurrile und komische Situationen. Über Woods Bilder, die bewusst in die Nähe des Knipsens gerückt werden, sind die Meinungen unterschiedlich. Jedes dieser Bilder erzählt Geschichten von Menschen in ihrem flüchtigen Glück. In den Sommerferien im heruntergekommenen Badeort New Brighton oder vor ihrer königlich geschmückten Haustür. Letztere gehören zur Serie „The Royal Wedding“ , die erstmals in Goslar zu sehen ist.
Wood sucht sich seine Motive nie bewusst. Er ist unterwegs, egal ob im Bus oder abends zum Ausgang und hat die Kamera immer dabei. Er nimmt die Menschen dann sehr diskret auf. Ähnlich bescheiden gab sich auch Tom Wood, der bei der Ausstellungseröffnung anwesend war. Seine Arbeiten seien nicht so gut, er habe stets Mühe, in der zweiten Reihe zu bleiben. Was ihm aber im Mönchehaus dann doch misslang.
Antanas Sutkus arbeitet ausschließlich in Schwarz-Weiß. Seine Portraits strahlen viel Poesie aus. Er zeigt seine Heimat Litauen im Wechsel der Jahreszeiten und will damit Interesse für diesen Landstrich wecken. Erschwerend kommt bei Sutkus hinzu, dass zu Sowjetzeiten seine Bilder den Mächtigen nicht gefielen. Sie zeigen das Gegenwärtige, Unvollkommene, nicht das Heroische.
Mit der ernüchternden Feststellung, dass heutige Generationen ihre Bilder nur noch vor dem PC inszenierten, entließ Hans-Michael Koetzle die Besucher. Und weiter: „Gehen wir vielleicht bildlosen Zeiten entgegen? Hoffen möchte ich das nicht.“ Jedenfalls jetzt besteht die Gelegenheit, in die interessanten Bildwelten der drei Fotografen einzutauchen.

Dagmar Hoffmann