Fünf Superstars in der Stubengalerie

„Mutter der Erzlogik“ ein Bild von Jonathan Meese. (Foto: Hoffmann)
 
Keinen Titel trägt dieses Werk von Per Kirkeby. (Foto: Hoffmann)

Ausstellung „Gestalten“ bis zum 26. November besuchbar / Bilder zeigen unterschiedliche Blicke auf die Menschheit

Fünf Superstars der internationalen Kunstszene. Als da wären: Georg Baselitz, Per Kirkeby, Markus Lüpertz, Jonathan Meese und Arnulf Reiner.

Ein Thema: der Blick auf die Menschheit, den jeder Künstler anders interpretiert. In der Goslarer Stubengalerie zeigt die Ausstellung „Gestalten“ noch bis zum 26. November tolle Einblicke in die Werke dieser unterschiedlichen Künstler. Eröffnet wurde die Ausstellung am Mittwoch.
In ihrer Einführung im Rahmen der Ausstellungseröffnung gab Dr. Elfi Krajewski eine profunde Hilfestellung zum Verständnis der unterschiedlichen Bildwelten. Als Einstieg diente ihr das Goethe-Zitat „Der Mensch ist dem Menschen das Interessante“. Den meisten Besuchern bekannt sein dürfte Georg Baselitz, Kaiserringträger von 1986, mit seinen auf den Kopf gestellten Bildern. Für die Schau schuf er die luftig-schwebende Serie „Norweger Rückwärts“. Ein Mensch in Norweger-Pullover auf einem Stuhl. An sich nichts Besonderes. Aber bei Baselitz ermöglichen die Motive Stuhl und Mensch durch das „auf-den-Kopf-stellen“ neue Einsichten.
Per Kirkeby bezaubert unterdessen mit zarten Baum- oder Gebüschzeichnungen, die sich bei näherem Hinsehen als Körperfragmente entpuppen. Von Markus Lüpertz hängen zwei großformatige Holzschnitte aus der Serie über das „Mykenische Lächeln“. Es sind Gesichter voller Anmut mit dem Abglanz eines entrückten Lächelns. Beide Künstler haben schon einmal in der Stubengalerie ausgestellt.
Jonathan Meese, ein Künstler der Selbst-Initiierung, liebt große Gesten. Von ihm stammen grobe Radierungen voller Bildbotschaften, die zu entdecken einfach Spaß mache, so die Meinung von Dr. Krajewski. Die Kunstexpertin erwähnte auch, dass beide Künstler am gleichen Tag Geburtstag haben und diesen 2008 mit einer großen gemeinsamen Ausstellung feierten.
Last, but not least, der Österreicher Arnulf Rainer. Seine Arbeiten befinden sich in den angesehensten Museen der Welt, darunter Österreichs größtem Museum für Gegenwartskunst. Dessen Arbeitsweise beschrieb Dr. Krajewski so: „Wenn ich zeichne, bin ich aufgeregt, spreche mit mir selbst, verziehe mein Gesicht, beschimpfe Leute, bewege mich und verwandle mich permanent als Leib, Charakter und Person“. Sozusagen eine Sicht auf sich selbst. Seine Bilder übermalt der Österreicher immer wieder, um sie zu vervollkommnen.
Typisch ist die Radierung „Lila Maske“ aus unzähligen Schraffuren, die fast das ganze Gesicht eines männlichen Brustbildes verdeckt. Es sind Strukturen, die viel Kraft ausstrahlen. In einem Zitat zeigt Rainer sich als abgeklärter, durchaus humorvoller Künstler. Auf die Frage, welche Museen noch keine Arbeiten von ihm hätten, antwortet Arnulf Rainer: „Den meisten Museen fällt es ja erst ein, wenn man unter der Erde ist, dann heißt es: „Ach ja, von dem hamma ja gar nix“. Dr. Krajewski schmunzelte: „Nun, die Stubengalerie zeigt Arbeiten von ihm, da haben Sie Glück, meine Damen und Herren.“
Die Frage, was Kunst ist, soll abschließend nicht gestellt werden, das muss jeder Betrachter für sich entscheiden. Es lohnt sich also, auf Entdeckungsreise zu gehen und vielleicht neue Einsichten zu gewinnen. Dazu ist nun bis zum 26. November in der Stubengalerie Gelegenheit.