Für zweiten Wanderweg zum Brocken plädiert

Der Gipfelstein auf dem Brocken. Das Wanderziel – plädierte der Vorstand des Tourismusverbandes Harz – soll in absehbarer Zeit über einen zweiten Wanderweg erreicht werden können. (Foto: Arnulf zu Linden)

Vorstand des Harzer Tourismusverbandes tagt / Entscheidung in Sachen B 6n überdenken

Goslar (bo). Der Vorstand des Harzer Tourismusverbandes (HTV), dem neben den Hauptverwaltungsbeamten der fünf Landkreise im Harz, der Oberbürgermeister der Stadt Wernigerode, die Bürgermeister der Städte und Gemeinden Bad Harzburg, Bad Lauterberg, Stolberg und Hohnstein/ Südharz sowie Vertreter von Tourismusorganisationen angehören, hat sich in seiner Sitzung vom 16. Mai mit der Initiative des Harzklubs zur Ausweisung eines weiteren Wanderweges zum Brockenplateau befasst. Der Vorstand befürwortet die Initiative einstimmig und unterstützt den Vorschlag einen Wanderweg von der Einmündungdes Eckerlochweges beziehungsweise des neuen Goetheweges auf die Brockenstraße parallel zur Brockenstraße bis zum Brockenplateau im Wegeplan des Nationalparks auszuweisen und auszubauen.
Der Harzer Tourismusverband bemüht sich im Rahmen seiner Tätigkeit stets die wirtschaftlichen Interessen der touristischen Leistungsträger, die naturschutzrelevanten Belange und die serviceorientierten Anforderungen an die touristische Infrastruktur in Einklang zu bringen und gleichwertig zu berücksichtigen.
Der Brocken gehört seit Jahren mit steigender Tendenz zu den beliebtesten Wanderzielen Deutschlands. Die bedeutendsten regionalen Wanderwege – wie der Harzer-Hexen-Stieg, der Grenzweg und der Goetheweg – führen über das Plateau. Dementsprechend halten sich in diesem Areal eine Vielzahl von Wanderern und Besuchern auf. Parallel dazu entwickelten sich die Qualitäten und Varianten im Radsport (Mountainbikes, E-Bikes etc.) in derart, dass heute mehr Zweiradfahrer denn je den Weg zum Brocken bewältigen können und entsprechend nutzen. Die Besucherfrequenz auf der Brockenstraße ist aufgrund dieser Entwicklungen signifikant gestiegen. Ein Interessenskonflikt ist hier bereits eingetreten und droht sich weiter zu verschärfen. Insbesondere in der Wintersaison, in der die zu nutzende Wegbreite der Brockenstraße durch Schneewände weiter reduziert wird, verschärft sich die beschriebene Situation. Die Sicherheit der Gäste kann hier nicht hinreichend gewährleistet werden.
2014 wird der Harz Ausrichter des 114. Deutschen Wandertages sein – ein Event was tausende Wanderer aus allen Gebieten der Bundesrepublik in den Harz lockt. Auch im Hinblick auf dieses Großereignis sollte unverzüglich an Lösungsansätzen gearbeitet werden. Aus den genannten Gründen spricht auch der HTV sich dafür aus, im Zugangsbereich zum Brockenplateau eine sichere Wegeführung anzulegen und bietet den Entscheidungsträgern bei der Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten seine Unterstützung an.
Der Vorstand des Harzer Tourismusverbandes hat sich in seiner Sitzung auch intensiv mit der Ausweisung der B6n als Autobahn befasst und befürwortet das Anliegen des Landes Sachsen-Anhalt, des Salzlandkreises und des Landkreises Harz einstimmig.
Der Harz ist die bedeutendste Tourismusregion des Landes Sachsen-Anhalt und generiert mehr als ein Drittel aller Übernachtungen im Land. Wesentlicher Gesichtspunkt für den Erfolg einer der bekanntesten Destinationen Deutschlands ist die zentrale Lage im Zentrum großer Ballungsgebiete und damit verbunden die gute Erreichbarkeit.
Diese wird aufgrund der derzeitigen Einstufung der B6n als Bundestrasse jedoch weder über entsprechende Online-Straßenportale noch über die flankierenden Programme einschlägiger Navigationsgeräte entsprechend verdeutlicht, dass heißt die hier kommunizierten Fahrzeiten basieren auf den Durchschnittgeschwindigkeiten einer gängigen Bundestrasse nicht jedoch einer Autobahn. Die Reisezeiten aus dem Berliner Raum – als einem der wichtigsten touristischen Quellmärkte für den Harz – weichen daher zum Teil um mehr als 20 Prozent gegenüber den tatsächlichen Fahrzeiten ab.
Auf großräumigen Übersichtskarten Deutschlands, die im Wesentlichen nur das Autobahnnetz als bedeutende Verkehrsanbindungen darstellen, taucht die B 6n nicht auf.
Der Harz kann daher aus Sicht der Tourismusexperten nur unzureichend von dem Wettbewerbsvorteil, den die hervorragende Verkehrsanbindung über die B6n in Wirklichkeit bietet, profitieren. Um die mit dem Bau der Trasse angestrebten Effekte im Hinblick auf die touristische und wirtschaftliche Entwicklung der Harzregion dennoch erreichen zu können, bedarf es derzeit einem wesentlich höherem Aufwand im Bereich der Werbung und Kommunikation. Auch Sicht des Harzer Tourismusverbandes stellen die bisher aufgezeigten Argumente gegen die Ausweisung als Autobahn keine endgültige Barriere dar, sondern bieten vielmehr ausreichend Spielraum das Anliegen nochmals dezidiert zu prüfen und die Entscheidung im Sinne einer erfolgreichen regionalen Entwicklung zu überdenken.